Lead
Der Artusroman ›Parzival‹ des Wolfram von Eschenbach gehört zu den bedeutendsten Dichtungen der höfischen Literatur um 1200. Die grundlegende Ausgabe von Karl Lachmann aus dem Jahr 1833, zu ihrer Zeit ein editorisches Meisterwerk, kann gegenwärtigen textkritischen Anforderungen nicht mehr genügen, da sie nur einen Bruchteil der heute bekannten Überlieferungsträger berücksichtigt und die Beweglichkeit des mittelalterlichen Textes unzureichend dokumentiert. Um der wissenschaftlichen Gemeinschaft eine solide Neuedition zur Verfügung zu stellen, erarbeitet das Parzival-Projekt deshalb eine digitale Gesamtausgabe nach Fassungen mit Transkriptionen, die durch eine gedruckte Version ergänzt wird.

Lay summary

Das Projekt der neuen ›Parzival‹-Edition enthält drei Module, die aufeinander aufbauen:
(1) Transkription sämtlicher Textzeugen und deren webbasierte Präsentation.
(2) Synoptische Edition der vier Fassungen.
(3) Konzentration der synoptischen Edition in einen einzelnen Referenztext auf Grundlage der Gesamtüberlieferung.

Im Anschluss an ein durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördertes Projekt (2008–2011) sowie ein D-A-CH-Projekt (2011–2014, 2014–2017) wurde nun über den "Call für Editionen" ein Gesuch bewilligt, das die synoptische Edition der vier Fassungen (Teil 2) zum Abschluss bringen wird.
Das Projekt ist international und interdisziplinär vernetzt (u.a. in den Bereichen Romanistik, Digital Humanities, Phylogenetic Analysis – ‚New Stemmatology‘, automatische Schrifterkennung).