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An den Küsten des östlichen Mittelmeerraums entsteht im Spätmittelalter ein Netzwerk an heiligen Stätten, welche die zahlreichen europäischen Wallfahrer auf ihrer Seereise von Venedig ins Heilige Land aufsuchen. Die lokalen Heiligtümer gewinnen durch den Zustrom von christlichen Pilgern an Bedeutung und werden im Zuge dessen umgestaltet.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Nach der Eroberung der Stadt Akkon 1291 wird Venedig zum wichtigsten Einschiffungshafen für Jerusalempilger aus allen Ländern Europas, inklusive dem schweizerischen Alpenraum. Die Reiseroute ins Heilige Land verläuft entlang der Küsten Dalmatiens, Albaniens, Griechenlands, der Türkei, Zyperns und Ägyptens. Auf ihrer Fahrt legen die venezianischen Schiffe regelmässig in Porec, Zadar, Dubrovnik, Valona, Korfu, Kandia, Rhodos und Paphos bzw. Famagusta an. In diesen Hafenstädten blüht nicht nur der Handel, auch das religiöse Leben nimmt durch die Aufenthalte der Reisenden einen beträchtlichen Aufschwung. Die Wahrnehmung der mediterranen heiligen Orte stellt für die Pilger eine Vorwegnahme der religiösen Erfahrung in Palästina selbst dar. Die Orte werden mit Reliquien, wundertätigen Bildern und Kultobjekten ausgestattet und erhalten neue räumliche und architektonische Inszenierungen. Das Projekt untersucht aus kunsthistorischer Sicht die zum Teil wenig erforschten maritimen Kultorte im Hinblick auf die Inszenierungsformen des Heiligen.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Die Analysen der mediterranen Heiligtümer berücksichtigen die „Materialität“ der Kultphänomene, d.h. die Form und Funktion der Kultobjekte, ihre Lage im Raum sowie ihre Ausstattungs- und Inszenierungsformen. Die Untersuchungen beziehen ebenfalls die Reisebeschreibungen der mittelalterlichen Pilger mit ein. Wegen der Verfügbarkeit vieler schweizerischer Reiseberichte leistet das Projekt auch einen Beitrag zur Geschichte des mittelalterlichen Pilgerwesens der Schweiz.