Lead
Dieses Projekt befasst sich mit neuen Konzepten repräsentativer Politik im Zeitalter von politischer Polarisierung und Mediatisierung. Es geht davon aus, dass es im 21. Jahrhundert einen grossen Bedarf nach einer Erneuerung demokratischer Politik gibt. Dies impliziert einerseits eine stärkere Verschränkung von repräsentativer und partizipativer Demokratie, andererseits geht es um deliberative Reformansätze in Politik und Zivilgesellschaft, die auf eine höhere epistemische Qualität politischer Entscheidfindung sowie auf eine höhere Kooperationsbereitschaft der beteiligten Akteure zielen.

Lay summary

Das Projekt fokussiert auf deliberative Reformen in Politik und Zivilgesellschaft und verfolgt theoretische sowie empirische Ziele. Zum einen wurden neue theoretische Grundlagen erarbeitet, wie das Konzept von "contestatory deliberation", welches die Vorteile von kompetitiver Debatte gegenüber konsensualem Dialog in Politik und Zivilgesellschaft ausleuchtet, oder das Konzept von "deliberative negotiations", welches unterschiedliche Verhandlungsmodi in der Politik (z.B. rein strategisches bargaining vs. integratives bargaining) normativ bewertet. Andererseits werden die Funktionsweisen von Deliberation empirisch genau beleuchtet. Unter dem Label "optimale Deliberation" werden experimentell die Wirkungen von unterschiedlichen Diskussionsformaten und Diskussionsmodalitäten auf Prozessqualität und Ergebnisse hin untersucht. Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass spezfiische Diskussionsformate (Teufelsadvokat vs. normale Diskussion) sowie Diskussionsregeln (Positionsbezug vs. freie Diskussion) grosse Wirkungen auf den Diskussionsprozess sowie auf Meinungsänderungen und Wissensgewinn haben. Das Projekt ist eng verknüpft mit weiteren drei SNF-Projekten, die sich (1) mit der gesellschaftlichen Akzeptabilität unterschiedlicher demokratischer Enscheidungsmodi (Deliberation vs. Aggregation vs. reines Bargaining), (2) mit dem Einbau deliberativer Elemente in direktdemokratische Prozesse, sowie (3) mit der Wirkung von Deliberation auf die Einführung politischer Rechte beschäftigen.

Im Sinne seines interdisziplinären Ansatzes integriert das Projekt philosophische, institutionelle und psychologische Ansätze, um politische Prozesse und Ergebnisse normativ und analytisch besser zu durchdringen. Damit leistet es einen Beitrag zu einem neuen Verständis demokratischer Politik im 21. Jahrhundert.