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Die Schweiz galt lange als Land der Textilindustrie. In einzelnen Bereichen, der Wäscheherstellung etwa, hat sie weltweite Anerkennung erworben. Eine der massgeblichen Firmen ist die Hanro AG, die nicht mehr hier produziert, aber weiter unter „Hanro of Switzerland“ firmiert. Das Firmenarchiv in Liestal bietet kulturwissenschaftlich wertvollstes Material, dessen Auswertung mit diesem Projekt begonne werden soll.

Lay summary

Im Archiv der Firma Hanro AG finden sich mehr als 20'000 Musterstücke der Produktion von 1884 bis zur Gegenwart. Hinzu kommen Entwurfszeichnungen, Stoffproben, Kataloge, aber auch Werbematerial und das Verwaltungsarchiv der Firma. In einem interdisziplinären Projekt, an dem die Kulturwissenschaft (Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel), die Designforschung (Institut Design- und Kunstforschung der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW) und Sammlungs- und TextilspezialistInnen (Amt für Kultur, Archäologie und Museum Baselland) beteiligt sind, soll das Archiv aufgearbeitet werden.  Das Vorhaben umfasst drei Teilprojekte:

A) „Die letzten Hüllen: Wäsche und die kulturelle Konstruktion von Intimität“ fragt nach der Bedeutung von Wäsche und charakterisiert sie als Körpertechnik zur kulturellen Konstruktion von Intimität.

B) „Hanro of Switzerland: Bild und Bildung einer Marke“ untersucht den Prozess der Markenbildung, und -entwicklung. Im Zentrum stehen bildliche, schriftliche und materielle Repräsentationen der Marke.

C) „Kreativität nach Mass: Textiles Entwerfen unter industriellen Bedingungen“ behandelt aus design- und entwurfstheoretischer Perspektive Entwurfsprozesse in der Textilproduktion.

Jenseits der thematischen Akzente verfolgen die Teilprojekte gemeinsame Fragen: Wie wird unter den Vorgaben industrieller Massenproduktion entworfen, produziert und konsumiert? Wie gehen die Akteur/innen mit dem Spannungsverhältnis von Kreativität und Individualität einerseits und den Zwängen von Massenproduktion und -konsum andererseits um? Wo ist der Ort der Wäsche im textilen Regelwerk unserer Kultur?