Lead
Spitalerworbene Infektionen sind kostspielig und verursachen zusätzliches Leid. Obwohl einige Massnahmen dagegen bekannt sind, werden sie nicht konsequent umgesetzt. Diese Studie erstellt ein Inventar aller infektiösen Risikomomente und erforscht dann die ergonomischen, gedanklichen und psychologischen Gründe für risikobehaftetes Verhalten der Spitalmitarbeiternden. Die Methoden für diese Forschung kommen aus der Welt des Human Factors Engineering. Diese wissenschaftlichen Disziplin beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel zwischen Menschen und seiner Umgebung, um die Effizienz des Gesamtsystems und das Wohl der darin involvierten Menschen zu optimieren.

Lay summary

Im Zusammenhang mit medizinischer Betreuung erworbene Infektionen bedrohen die Patientensicherheit und kommen leider immer noch häufig vor. Gemäss Hochrechnungen aus dem Jahr 2005 sind in der Schweiz jährlich ca. 75'000 Patienten davon betroffen. Diese Infektionen führen zu Verlängerungen des Spitalaufenthalts, zusätzlichen Operationen und Todesfällen.

Wie erfolgreiche Qualitätsverbesserungsinitiativen zeigen, ist ein Teil dieser Infektionen mit relativ einfachen Mitteln verhinderbar. Dennoch werden diese Massnahmen nicht konsequent umgesetzt. Warum?

Mit dieser Studie hoffen wir endlich Licht in dieses Dunkel bringen. Dafür werden Forscher in Abteilungen eines Akutspitals viel Zeit mit Beobachtungen verbringen, um ein Inventar aller möglichen infektiösen Risikomomente zu erstellen. Jeder dieser Momente stellt ein Risiko dar für ein Infektion oder eine Keimübertragung. Ein Gremium von Experten in Mikrobiologie, Infektiologie und Epidemiologie wird anschliessend im Konsensusverfahren die Gefährlichkeit diese Momente bewerten. Die daraus entstandene Liste an infektösen Risikomomenten stellt dann ein ganzheitliches Abbild der infektiösen Gefahr im Spital dar. Gleichzeitig werden mit den Beobachtungen auch die Ursachen von riskantem Verhalten erforscht, sowohl auf ergonomischer Ebene (Arbeitsumgebung und Instrumente) als auch auf den Ebenen der gedanklichen Vorstellungen (Visualisierung der Keime) und der sozialer Interaktion (Was sagt mein Chef, meine Kollegin dazu?). Die Methoden für diese Forschung kommen aus der Welt des Human Factors Engineering. Diese wissenschaftlichen Disziplin beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel zwischen Menschen und seiner Umgebung, um die Effizienz des Gesamtsystems und das Wohl der darin involvierten Menschen zu optimieren.