Lead
Das Dissertationsprojekt „Lost in Transit“ untersucht anhand einer ethnographischen Studie die fragmentierten Migrationswege irregulärer Migrant_innen innerhalb des Schengenraums im Kontext einer immer restriktiveren Migrationspolitik in Europa. Im Zentrum der Forschung sollen insbesondere die Konsequenzen des Migrationsregimes auf diese „unerwünschten“ Migrant_innen, ihre sozialen Netzwerke, ihre Lebensplanung sowie ihre Alltagsgestaltung stehen. Gleichzeitig soll aber auch untersucht werden, in welcher Weise diese mobilen Akteur_innen eine gewisse Autonomie innehaben, denn trotz rigoroser Überwachung und Migrationskontrolle vermögen sie oft über Jahre hinweg in Europa zu bleiben.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojektes

Dem Forschungsprojekt liegt die Annahme zugrunde, dass das zunehmende Bedürfnis nach selektiver Steuerung von Migrationsbewegungen zu sich verändernden Migrationsmustern führt. Es lässt sich beobachten, dass es vielen „irregulären“ Migrant_innen trotz Grenzkontrollen gelingt, das Migrationsregime zu umgehen und einen Weg nach und durch Europa zu finden. Vermehrt wird hierbei der Weg über das Asylsystem gesucht, da es immer schwieriger wird, anderweitig nach Europa zu kommen, bzw. hier zu bleiben. Viele dieser Migrant_innen weisen ein spezifisches Migrationsmuster auf, das durch vielseitige Bewegungen zwischen zahlreichen Ländern und kurzfristige Aufenthalte an verschiedenen Orten definiert ist. Diese Migrationsbewegungen geschehen trotz einer internationalen Migrationspolitik, die gerade solche Bewegungen zu verhindern sucht.

Diese Personen befinden sich über längere Zeit in einer Transitsituation und sind abhängig von immer neuen Gelegenheiten, die sich ihnen unterwegs öffnen, seien dies eine Arbeitsstelle, ein Asylgesuch oder eine Unterkunft. Erst ihre äusserst hohe Flexibilität, macht Mobilität überhaupt möglich. Sie reagieren kreativ auf die sich schnell verändernde und verschärfende Migrationskontrolle und wechseln hierbei oft zwischen verschiedenen Migrantenstatus (z.B. Asylsuchende, abgewiesene Asylsuchende, irreguläre Migrant_innen).

Ziel ist es, neue Kenntnisse über die spezifischen Migrationsmuster dieser Migrant_innen in Europa zu generieren. Obwohl sie in der öffentlichen Diskussion sehr präsent sind, fehlt fast immer der Gesamtkontext ihrer Migrationsbiographien. Ziel des Forschungsprojekts soll es daher sein, die Migrationswege und Hintergründe dieser Migrant_innen zu untersuchen und diese auch über die Schweiz hinaus nachzeichnen zu können. Im Kontext einer sich sehr schnell verändernden Migrationspolitik ist es von grosser Relevanz deren Konsequenzen auch auf der Ebene individueller Migrant_innen zu untersuchen.