Lead
Bei vielen organ-spezifischen Autoimmunerkrankungen und auch der Multiplen Sklerose (MS) wird momentan nur unzureichend verstanden, gegen welche Zielantigene (Eiweissstrukturen des Gehirns und Rückenmarks) die fehlgeleitete Immunantwort gerichtet ist. Es wird heute davon ausgegangen, dass bestimmte Immunzellen, sogenannte T Lymphozyten oder T Zellen eine besondere Rolle in der Auslösung und Unterhaltung der MS spielen.

Lay summary
Diese Zellen erkennen ihre jeweiligen Zielantigene im Zusammenhang mit sogenannten HLA Molekülen, bei der MS dem HLA-DR15 Haplotyp, und sind normalerweise dazu da, uns vor Infektionen zu schützen. HLA Moleküle sind Oberflächenrezeptoren auf Immunzellen, die in ihrer Zusammensetzung zwischen einzelnen Personen variieren, worauf man zum Beispiel bei einer Organtransplantation Rücksicht nehmen muss. Da nur sehr unzulänglich verstanden wird, gegen welche Bestandteile des Gehirns und Rückenmarks T Lymphozyten bei MS reagieren, soll dieser Aspekt im vorliegenden Projekt mit einer Reihe neuartiger Techniken untersucht werden. Ziel ist es, herauszufinden, welches und wie viele Eiweissstrukturen von T Zellen erkannt werden und ob diese Zellen bestimmte funktionelle Besonderheiten aufweisen. Mittelfristig erhoffen wir uns aus unseren Untersuchungen, neue Behandlungsmethoden zu entwickeln, die es erlauben würden, die fehlgesteuerte Immunantwort gezielt abzuschalten, d.h. wieder Immuntoleranz herzustellen und gleichzeitig so wenig Nebenwirkungen wie möglich zu verursachen. Wenn dies gelingt, wäre es ein sehr schonendes und natürliches Verfahren, Autoimmunerkrankungen zu behandeln.

Methodisch-technisch werden wir eine Reihe innovativer Verfahren kombinieren, um diese Ziele zu erreichen. Im ersten Schritt wird mit molekularbiologischen Verfahren nachgewiesen, welche T Zellen im Gehirn klonal vermehrt und voraussichtlich am Krankheitsprozess beteiligt sind. Diese werden dann funktionell charakterisiert und mit zwei Verfahren untersucht, die es erlauben, die Antigen-Spezifität dieser Zellen zu identifizieren, a) kombinatorischen Peptidbibliotheken, und b) einer cDNA Bibliothek aus dem Gehirn von MS Patienten. Dieses Projekt wird voraussichtlich zu neuen Erkenntnissen nicht nur über die Ziealantigene und möglichen Auslöser (z.B. Viren) der MS führen, sondern hoffentlich auch als Ausgangspunkt für neue, antigen-spezifische Tolerisierungsverfahren dienen.