Lead
In dieser klinischen Studie werden wir der Frage nachgehen, ob bei HIV-positiven Personen die Atherosklerose (Verengung der Herzkranzgefässe durch Cholesterin, Kalk usw) schneller fortschreitet als bei HIV-negativen Personen. Dazu werden schonende, nicht-invasive Koronar-Computertomographien (Koronar-CT, CCTA) zweimal im Abstand von 2 Jahren durchgeführt. Diese Studie soll helfen, die Frage zu beantworten, ob HIV-positive Personen schneller (“vorzeitig”) altern als HIV-negative Personen.

Lay summary

Dank der hochwirksamen HIV-Medikamente (antiretrovirale Therapie), die seit 1995 eingesetzt werden, hat sich die Lebenserwartung von HIV-positiven Personen dramatisch verbessert. Seither sind allerdings bei HIV-positiven Personen auch neue Probleme aufgetaucht. Dazu gehören sogenannte “metabolische” Komplikationen wie hohes Cholesterin, hoher Blutdruck, Zuckerkrankheit und, was besonders beunruhigend ist, ein erhöhtes Risiko, vorzeitig einen Herzinfarkt zu erleiden.

Eine Anzahl von Studien belegt bereits, dass die Ablagerung von Cholesterin, Kalzium usw. in den Herzkranzgefässen (Koronararterien), die das normale Älterwerden begleitet und zu einer Verengung der Herzkranzgefässe führt, bei HIV-positiven Personen ausgeprägter ist; man redet bei HIV-positiven Personen deshalb von einer “beschleunigten” Atherosklerose, verglichen mit HIV-negativen Personen. In Studien, wo diese Vorgänge allerdings im Detail untersucht wurden, z.B. mit Ultraschalluntersuchungen der Hals-Arterien oder Messungen des Kalkgehalts der Herzkranzgefässe, gab es keine einheitlichen Resultate.

Die computertomographische Koronarangiographie (Koronar-CT oder CCTA) ist eine Methode, mit der weltweit bei vielen Patienten schon die Atherosklerose in den Herzkranzgefässen sehr genau und schonend gemessen werden kann. Im Gegensatz zum herkömmlichen Koronarangiogramm braucht es keine Nadel und keinen Herzkatheter, die in eine grosse Arterie in der Leistengegend eingeführt werden. Darum wird das CCTA als “nicht-invasiv” bezeichnet, verglichen mit dem “invasiven” Koronarangiogramm. Mit einem CCTA kann die Atherosklerose zudem in einem frühen Stadium bereits erkannt werden, bevor es überhaupt zu Kalziumablagerungen kommt. Wichtig ist auch, dass durch Forschungsbemühungen von uns und anderen Forschern eine CCTA Methode mit einer sehr kleinen Strahlenbelastung entwickelt wurde.

Weil es bei HIV-positiven Personen nur sehr beschränkte Informationen über die Zunahme der Atherosklerose über die Zeit gibt, werden wir eine Studie durchführen, wo das Ausmass und die Art der Atherosklerose mittels CCTA zwei mal gemessen wird. Wir werden die Atherosklerose in den Herzkranzgefässen bei HIV-positiven und HIV-negativen Personen vergleichen und messen, wie schnell die Atherosklerose bei HIV-positiven und HIV-negativen Personen über einen Zeitraum von 2 Jahren zunimmt.

Die HIV-positiven TeilnehmerInnen dieser Studie werden bereits 2x pro Jahr im Rahmen der gut etablierten, erfolgreich durchgeführten Schweizerischen HIV Kohortenstudie (SHCS; siehe www.shcs.ch) evaluiert. In der SHCS werden bereits zahlreiche Informationen bezüglich “metabolischen” Problemen, die für die Gesundheit unserer Patienten wichtig sind, im Detail erfasst, so z.B. das Rauchen, der Blutdruck, Übergewicht, körperliche Betätigung, die HIV Medikamente, die zum Einsatz kommen, wie sehr sich die Funktion des Immunsystems unter HIV Therapie verbessert hat usw.

Zudem erforschen wir seit kurzem diese “metabolischen” Komplikationen noch detaillierter im Rahmen eines “Hauptprojekts Metabolismus und Älterwerden” im Rahmen der SHCS. Die Resultate der CCTA Studie sollten uns deshalb nicht nur erlauben, die Frage zu beantworten, ob die Atherosklerose bei HIV-positiven Personen schneller als bei HIV-negativen Personen zunimmt. Sondern wir hoffen auch auf wichtige Erkenntnisse über die möglichen Ursachen dafür.

Die Resultate der CCTA Studie, die durch den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (www.snf.ch) finanziert wird, sollten  auch helfen, die übergeordnete Frage zu beantworten, ob HIV-positive Personen schneller (“vorzeitig”) altern als HIV-negative Personen. Denn dies ist eine Frage, die viele HIV-Spezialisten beschäftigt und HIV-positive Personen beunruhigt – auch wenn momentan die wissenschaftlichen Daten sehr spärlich sind, das dem wirklich so ist. Dies ist auch der Grund dafür, wieso PatientInnen und  ForscherInnen den Resultaten unserer CCTA Studie mit grossem Interesse entgegensehen.