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Lay summary

Das Dissertationsprojekt verfolgt zwei miteinander verbundene Ziele: Erstens soll gezeigt werden, dass dem Sprachgebrauch auch in Wittgensteins Frühwerk, dem Tractatus logico-philosophicus, eine zentrale Rolle zukommt. Die allgemeine Form von Sätzen bestimmt Wittgenstein in diesem Werk rein logisch: Sätze lassen sich als Wahrheitsfunktionen von Elementarsätzen darstellen. Sie haben die Form „Es verhält sich so und so.“ Welches aber sind die besonderen Formen von Sätzen? Wittgenstein hält fest, dass sich diese nicht a priori angeben lassen, sondern erst durch eine logische Analyse der Sätze unserer Sprache. Im Projekt wird dafür argumentiert, dass für diese Analyse eine Betrachtung des Sprachgebrauchs zentral ist. Normalsprachliche Sätze zeigen ihre logische Struktur nur, wenn sie behauptet werden und dabei Abhängigkeiten zwischen diesen Behauptungen deutlich werden.

Zweitens soll gezeigt werden, wie Wittgenstein seinen Satzbegriff nach seiner „Wende“ von 1929 weiterentwickelt, bis er ein erste, in gewissem Masse gültige Darlegung seiner neuen Sprachauffassung 1932/33 im Big Typescript ereicht. Es wird dafür argumentiert, dass er nicht von allem Anfang an vollständig mit dem Tractatus bricht, sondern den Satzbegriff zunächst nur verändern will, ihn dann aber im Laufe der Arbeit an den Philosophischen Bemerkungen entscheidend erweitert und damit den Rahmen des Tractatus sprengt. Dies geschieht dadurch, dass er nun Regelformulierungen, die ihm zuvor als unsinnig galten, als Sätze und damit als legitime Äusserungen auffasst. Im Projekt wird zudem für die These argumentiert, dass Wittgenstein entscheidende Schritte in dieser Neufassung des Satzbegriffes im Rahmen seiner Überlegungen zur Mathematik und insbesondere zur Geometrie macht. Es wird gezeigt, dass sich als Konsequenz dieser Überlegungen die Funktion des Sprachgebrauchs in entscheidender Weise verändert.

Die Arbeit verbindet eine systematische Untersuchung mit einer detaillierten Diskussion von Wittgensteins Nachlass zu den Philosophischen Bemerkungen und dem Big Typescript. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Untersuchung der Philosophischen Bemerkungen gelegt. Dabei wird das Ziel verfolgt, eine detaillierte Darstellung des Nachlasses und der Philosophischen Bemerkungen zu geben. Eine solche Darstellung, welche Wittgensteins Bemerkungen zur Sprache und Phänomenologie mit denjenigen zur Mathematik in Beziehung zueinander setzt und also die Philosophischen Bemerkungen als Ganze im Auge hat, schliesst eine Lücke in der Wittgensteinforschung. Ein Aspekt ist dabei von besonderer Bedeutung: Die Konzeption einer Untersuchung der Sprache als einer grammatischen Untersuchung, die Wittgensteins Spätwerk prägt, wird zum ersten Mal im Zusammenhang mit Überlegungen zur Geometrie geprägt, die sich in den Manuskripten zu den Philosophischen Bemerkungen finden.