Lead
Inhalt und Ziel des Forschungsprojektes: Das Forschungsprojekt untersucht die Meinungsbildung und Meinungsentwicklung in der Planung von geologischen Tiefenlager für radioaktive Abfälle in der Schweiz. Der Bund führt derzeit ein geologisches Auswahlverfahren für potentielle Standorte in verschiedenen Regionen durch. Dieses Verfahren ist regional partizipativ gestaltet und ermöglicht die aktive Beteiligung der Bürger.

Lay summary
Im Bereich der Meinungsforschung ist der Fokus oft auf polarisierte Meinungen gerichtet (Pro und Kontra). Moderate Meinungen im mittleren Bereich (sog. Ambivalenz und Indifferenz) werden vernachlässigt. Jedoch können gerade diese moderate Meinungen Schlüsselelemente für das tiefere Verständnis der Meinungsbildung und –entwicklung sein. Die Ziele dieses Projektes sind es, Wendepunkte zu identifizieren, welche zu einer Veränderung in der Meinung der Individuen geologische Tiefenlager und nukleare Abfälle führen können, sowie näher zu untersuchen, wie verschiedene Meinungen und Volksmeinungen entstehen.Diese Prozesse sind mit klassischen Forschungsmethoden (Fragebögen und Experimenten) üblicherweise schwierig zu untersuchen: Aus diesem Grund werden wir versuchen, eine Computersimulation zu entwickeln (Multi-Agenten-Simulation). Zu diesem Zweck werden wir Informationen mit den klassischen Methoden sammeln (v.a. durch Onlinebefragung) und diese in Kombination mit psychologischen Theorien für die Computersimulation verwenden, um die Mechanismen der Meinungsdynamiken zu verstehen. Die Resultate des Projektes können zum besseren Verständnis der Meinungsdynamiken in Bezug auf radioaktive Abfälle sowie zu einem umfangreicheren und tieferen Verständnis der zeitlichen Aspekten dieser Dynamiken führen. Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher KontextDieses Projekt ist mit dem aktuellen Auswahlverfahren für potentielle Standorte für ein geologisches Tiefenlager für nukleare Abfälle verbunden und ist somit von hoher sozialen Relevanz. Darüber hinaus ist sowohl die Kombination verschiedener Forschungsmethoden (klassisch und computerbasiert) im Bereich der Meinungsforschung, als auch die direkte Anwendung von psychologischen Theorien auf eine konkrete Fragestellung, ein Beitrag zu einem umfangreicheren Forschungsansatz in den Sozial- und Geisteswissenschaften.