Lead
Leben und Sterben sind ein zentrales Thema für Religionen und Religiosität. Dieses Projekt untersucht die Konzeptionen, Verbreitung und die Konsequenzen alternativ-religiöser Vorstellungen und Praktiken im Hinblick auf den Umgang mit Sterbenden in der Schweiz.

Lay summary

Hintergrund

In der Schweiz nimmt die Bedeutung alternativ-religiöser Konzepte und Praktiken aufgrund der tiefgreifenden Veränderung der religiösen Landschaft stetig zu. Merkmale dieser alternativen Formen von Religion sind vielfach der Bezug auf das Individuum, Weltbejahung, Skepsis gegenüber der Konzeption eines personalen Gottes und religiösen Institutionen sowie die Berufung auf "Spiritualität" anstatt "Religion". Die Studie untersucht solche Formen von Religion hinsichtlich der Begleitung am Lebensende anhand von sechs Fallstudien. Dazu gehören ein Hospiz für schwer Kranke und Sterbende, zwei Palliativstationen sowie ein anthroposophisches und ein konventionell medizinisches Krankenhaus, die Palliative Care in der Grundversorgung anbieten.

 

Ziel

Indem sich die Studie auf diejenige Phase des Lebens konzentriert, in der sämtliche Akteur_innen vom kurz bevorstehenden Tod ausgehen, wird die Bedeutung alternativer Formen von Religion sowohl für die Gesundheitseinrichtung und ihre Mitarbeitenden als auch für die schwer Kranken und Sterbenden untersucht. Die relevanten Akteur_innen – samt ihren Erfahrungen, Bedürfnissen und Herausforderungen – werden vermittels ethnographischer Verfahren, qualitativer Interviews und Textanalysen erhoben.

 

Bedeutung

Die Studie liefert neue Erkenntnisse zu den Konsequenzen alternativer Formen von Religion in der Begleitung am Lebensende. Sie zeigt u.a., dass neben den Ärzt_innen und Pflegenden vor allem alternative und komplementäre Therapeut_innen einen wichtigen Beitrag leisten, wenn es um alternativ-religiöse Konzepte und Praktiken geht. Unabhängig ihrer weltanschaulichen resp. religiösen Zugehörigkeit (wie z.B. zur Anthroposophie) schaffen sie Raum für Handlungsformen, die über die herkömmliche Versorgung hinausgehen. Häufig kommt diese Art der religiösen resp. spirituellen Begleitung indessen ohne die Verwendung von Sprache aus, womit die alternativ-religiösen Referenzen implizit bleiben. Daraus resultiert, dass die meisten Handlungsformen vornehmlich körperorientiert sind, was einen Bedarf an gesprächsorientierten Formen der Begleitung entstehen lassen kann. Hier hat die Studie aufgezeigt, dass sich z.B. gerade anthroposophische Ärzt_innen eher befähigt und verantwortlich fühlen, auch religiöse resp. spirituelle Aspekte zu thematisieren, während es weniger alternativ sozialisierten Akteur_innen (wie z.B. Pflegenden oder konventionell religiösen Seelsorgenden) zuweilen am notwendigen Vokabular, aber auch an der Bereitschaft fehlt, solche Bedürfnisse zu berücksichtigen.