Lead


Lay summary

Ziele und Methoden

Universitäre Lehre findet traditionell in Form der Präsenzlehre sowie durch die Lektüre wissenschaftlicher Texte statt. Etwa seit Mitte der 1990er Jahre spielen vermehrt auch Formen des Lernens auf elektronischen Plattformen (E-Learning) eine immer wichtigere Rolle. Beim E-Learning findet der überwiegende Teil des sprachlich-kommunikativen Austausches zwischen Studierenden und zwischen Lehrenden und Lernenden in Form des Lesens und Schreibens von Texten in digitalen Umgebungen statt (Kommunikationsformen wie Videokonferenzen werden bislang noch selten genutzt).

Trotz einer rasant wachsenden Bedeutung dieser Lehr- und Lernformen wissen wir bis heute sehr wenig darüber, wie sich die konkreten kommunikativen Prozesse zwischen den TeilnehmerInnen gestalten, wenn sie im Online-Lernen Wissen austauschen und herstellen, wie also Lernen und Lehren unter den Bedingungen der elektronischen Kommunikation funktionieren.

An dieser Stelle setzt das Projekt an: Mithilfe empirischer Untersuchungen soll die Kommunikation in komplexen, interaktiv ausgerichteten Online-Lernumgebungen im Hochschulkontext differenziert beschrieben werden. Die zu untersuchenden empirischen Daten sind in E-Learning-Veranstaltungen entstanden, bei denen die Studierenden in Kleingruppen-Arbeit eigene Forschungsprojekte durchgeführt haben.

Ausgehend von dem zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie monologischen und dialogischen Formen changierenden Forschungsgegenstand sollen text- und gesprächslinguistische Methoden zum Einsatz kommen.

Drei Untersuchungsbereiche stehen im Zentrum: 1. die grundlegenden kommunikativen Strategien der (aufgabenorientierten) Online-Kommunikation, 2. Strategien der Lern-Kommunikation, 3. die Vernetzung unterschiedlicher Tools und virtueller Räume.

 

Kontext und Bedeutung

Die Mehrzahl pädagogischer und psychologischer Studien zum E-Learning konzentriert sich auf die Qualität von Online-Lernangeboten und den Lernerfolg der TeilnehmerInnen. Medienlinguistische und soziolinguistische Studien haben sich bislang in der Regel auf alltagsnahe, informelle Online-Kommunikationen bezogen und sich dabei zumeist auf Sprachwandelprozesse sowie den Status einzelner Kommunikationsformen im Internet (z.B. Email, Chat, Forum) zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit konzentriert, oftmals auch in sprachkritischer Perspektive. Über die konkreten Erscheinungsformen und die Natur der kommunikativen Prozesse in einer institutionalisierten, aufgabenorientierten Lernumgebung wissen wir dagegen nach wie vor noch sehr wenig: Empirische Analysen digitaler Lernumgebungen, bei denen auch die dialogischen Strukturen untersucht werden – im Gegensatz zur Untersuchung einzelner, isolierter Äusserungen -, sind nach wie vor Mangelware. Das Projekt ist der Grundlagenforschung zuzuordnen: Es soll einen empirisch fundierten Beitrag zur linguistischen Erforschung elektronisch basierter Lernkommunikation liefern. Auf der Grundlage dieser Forschung könnten sich dann auch Hinweise zur besseren Nutzung der Möglichkeiten ergeben, die das Internet für den Wissenserwerb bereitstellt – eine der grossen Herausforderungen, vor denen die universitäre Lehre in den nächsten Jahren stehen wird.

 

Keywords

E-Learning, Gesprächsanalyse, (Lehr-)Lernkommunikation, Medienlinguistik, Mündlichkeit-Schriftlichkeit, Online-Kommunikation, Textlinguistik, Unterrichtskommunikation