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Lay summary

Als Enkulturations-, Qualifikations- und Sozialisationsagentur kommt der Schule in modernen Gesellschaften die zentrale Bedeutung zu, die nachfolgende Generation in die Gesellschaft einzuführen. Welche Werte und welches Wissen allerdings vermittelt werden sollen, ist durchaus umstritten. Die Selektion und Definition schulischen Wissens ist aber auch wegen des stetigen Zuwachses an Wissen schwierig geworden.
Das Projekt fokussiert auf Lehrmittel und hier wiederum auf den Akkreditierungsprozess, in dem definiert und legitimiert wird, welches Wissen in die Schule kommt. Im Vordergrund des beantragten Projekts stehen Governance-Ansätze, die Akteursverflechtungen in politischen Mehrebenensystemen in ihrer Komplexität in den Blick nehmen. Im beantragten Projekt sollen vor diesem Hintergrund erstens die Verfahren der Akkreditierung von Lehrmitteln sowie die wichtigsten Akteure (Lehrmittelkommissionen, Lehrmittelverlage, Bildungs- und Erziehungsräte, Bildungsadministrationen, Lehrerverbände usw.) untersucht werden. Zweitens werden wissenssoziologisch Fragen zur Selektion und Definition von gesellschaftlich relevanten Werten/Haltungen sowie Wissen/Fähigkeiten für die Schule untersucht. Dabei interessiert primär, von welchen Vorstellungen und Deutungen (‚beliefs') sich die jeweiligen Akteure bei ihrem wissenspolitischen Handeln leiten lassen.

Das Projekt untersucht somit zwei Dimensionen der Lehrmittelpolitik, die organisationale Dimension und die Wissens- bzw. Deutungsdimension. Im Projekt werden durch die Analyse von voraussichtlich 6 kantonalen Fallstudien zur Lehrmittelpolitik versucht, die Situation in der Schweiz adäquat zu erfassen und unterschiedliche Modelle zu analysieren. Das Forschungsdesign sieht hierfür verschiedene Phasen vor, die sowohl Dokumentenanalysen und Expertengesprächen als auch themenzentrierte Interviews mit Mitgliedern von Lehrmittelkommissionen vorsehen. Ergänzend werden zudem qualitative Netzwerkanalysen durchgeführt.

Das Projekt legitimiert sich einerseits dadurch, dass wissenschaftliches Wissen in einem Bereich zur Verfügung gestellt wird, der bislang kaum "beforscht" worden ist. Dies obwohl gleichzeitig die Bedeutung der Lehrmittel als Teil der Steuerung von Bildungsprozessen in Schulen hoch eingeschätzt wird. Andererseits legitimiert sich das Projekt auch aus der Bedeutung, die Lehrmittelfragen im bildungspolitischen Diskurs in den nächsten Jahren erhalten dürften (Einführung von Bildungsstandards sowie die Einführung sprachregionaler Lehrpläne).