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Lay summary
Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Essanfälle im Sinne eines Kontrollverlusts über das Essen im Kindesalter verbreitet sind. Essanfälle und auch die sogenannte "Binge-Eating"- oder Essanfallsstörung (BES) gehen mit einer erhöhten Psychopathologie einher, wie Figur- und Gewichtssorgen, Ängstlichkeit und Depressivität. Darüber hinaus sind Kinder mit Essanfällen oder einer BES häufig übergewichtig oder adipös (fettleibig). Es ist jedoch unklar, welche psychologischen und sozialen Faktoren Essanfälle auslösen und welche Rolle Impulsivität als Persönlichkeitsmerkmal spielt. Das Ziel dieses Forschungsprojektes ist es daher, im Rahmen mehrerer Studien das Essverhalten und psychologische sowie familiäre Einflüsse bei 8-12jährigen Kindern mit BES im Vergleich zu Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu untersuchen, die eine erhöhte Impulsivität aufweisen. Studie 1 dient dazu, psychologische Aspekte von Hunger und Sättigung und die Reaktionen auf Nahrungsreize im Essverhaltenslabor zu untersuchen. Wie sensitiv Kinder mit BES und mit ADHS auf allgemeine sowie essensbezogene Belohnungsreize reagieren, wird mit Hilfe einer Computer- und Beobachtungsaufgabe in Studie 2 untersucht. Studie 3 beinhaltet eine Erfragung von Tendenzen des allgemeinen und essensbezogenen Überengagements und der Kritik der Eltern am Kind, was Essanfälle begünstigen könnte. Ausserdem werden in Studie 4 Interaktionen und Stimmungen von Eltern und Kind im Lebensalltag mit Hilfe von Smartphones erfasst. Das geplante Forschungsprojekt dient dazu, den Zusammenhang zwischen der BES und der ADHS im Kindesalter aufzuklären. Übergeordnetes Ziel ist es, Ansatzpunkte zu identifizieren, um Essanfälle frühzeitig zu behandeln und einer Chronifizierung vorzubeugen. Dies ist auch deshalb relevant, um das Körpergewicht der betroffenen Kinder langfristig zu stabilisieren oder einen weiteren Gewichtsanstieg zu verhindern.