Lead


Lay summary
Forschungsgegenstand ist die künstlerische Aneignung von visuellen Darstellungen magnetischer Kräfte im Zeitraum von 1600 bis 1800. Dem Forschungsprojekt liegt die These zugrunde, dass die Lenkung von Erfahrungen durch vermittelnde Instrumente stets eine wesentliche Herausforderung der Physikgeschichte war, die die Physik bei der Erforschung des Magnetismus in ein spezifisches Spannungsverhältnis zur künstlerischen Praxis setzt. Das Verhältnis zur Kunst wird durch die Zusammenarbeit mit drei Künstlern, die mit digitalen, photographischen und analogen Darstellungsformen arbeiten, untersucht und fortlaufend in einem unter wissenschaftshistorischen und medientheoretischen Gesichtspunkten geführtem Blog veröffentlicht. Der Traktat mit dem Titel „Magnetologia Curiosa“ (Anonymus (Joachim Dalencé): Mainz: Christoph Küchlern, 1690) steht dabei im Zentrum. Er wird im Projekt mittels ihm vorangehender und ihm folgender Dokumente nach Kriterien der Symmetrie, Homogenität und Vollständigkeit wissenschaftsgeschichtlich kontextualisiert, für die künstlerische Exploration präpariert und im Blog gepostet. Der Blog fungiert als Spur des Forschungsprozesses (Rheinberger). Die Spur wird mit der Absicht generiert, einen Diskurs künstlerischer Exploration physikalischer Theoriebildung zu ermöglichen. Dies geschieht unter der Prämisse, dass die Erschliessung von Erkenntnisobjekten indirekt erfolgt, und zwar über Instrumente, die als Wahrnehmungshilfen dienen. Die Instrumente sind Träger impliziten oder „stummen“ Wissens und werden sowohl in der Theorie künstlerischer Praxis (Deleuze) als auch in Studien zur Epistemologie mit dem Begriff der Intuition verschränkt. Leitende Annahme des Projekts ist, dass wissenschaftliche und künstlerische Praxen auf jeweils spezifischen Verwendungen von Instrumenten und Materialitäten beruhen. Das Forschungsvorhaben wird deshalb die Beziehung von Instrument und künstlerischer Aneignung mit dem Begriff der Intuition thematisieren, mit der Theorie „stummen Wissens“ abgleichen und vermitteln. Hier wird das Projekt mit dem Praxispartner „Kolleg Friedrich Nietzsche“ zusammenarbeiten. Bei der Bildung des Diskurses sind folgende leitende Fragestellungen relevant:a) Welche kompositorische Funktion kommt der Darstellung von Instrumenten zu?b) Wie wird der Grenzverlauf zwischen direkter Erfahrung und indirekter Erfahrung visuell thematisiert?c) Wie werden instrumentell ermittelte Erfahrungen in der Wissenschaftsgeschichte durch künstlerische Exploration erschlossen?Voraussetzung dieses Forschungsvorhabens ist das Format des digitalen Blogs, über das der systematische Zugang zu den historischen Dokumenten erfolgt. Diese Anlage ermöglicht die wechselseitige Information der Mitarbeitenden untereinander, der Forschungspartner und der Praxispartner. Die tägliche Publikation von „Posts“ ist geplant. Substantiell wichtig für die Versuchsanlage ist der Fundus des Praxispartners Zentralbibliothek Zürich an historischen Drucken. Er bestimmt massgeblich den Umfang der verwendeten Dokumente, stellt Digitalisate zur Verfügung, garantiert im Rahmen der Ausstellung „Magnetische Erfahrungen“, die der Praxispartner zur Durchführung des Projekts entwickelt, für einen geeigneten Kontext, leistet Öffentlichkeitsarbeit und führt durch eine Vortragsreihe dem Projekt ergänzende wissenschaftliche Aspekte zu. Ein Computer in der Ausstellung wird dabei als Schnittstelle zur heterogenen Öffentlichkeit der Besucher der Bibliothek etabliert, er präsentiert den Blog in der Ausstellung und erlaubt eine statistische Analyse der Rezeption des Blog im öffentlichen Raum.