Lead
In diesem Projekt untersuchten wir, welchen Einfluss sogenannte „Referenzgruppen“, d.h. Gruppen von Personen, mit denen sich Individuen vergleichen und von denen sie normative Orientierungen übernehmen (z.B. Familie, Arbeitskollegen, Kollegen aus dem Sportverein), auf berufliche Erfolgskriterien oder konkrete Laufbahnentscheidungen haben. Im Vorder-grund stand dabei die Frage, ob berufliche Werdegänge wirklich so selbstgesteuert verlaufen, wie dies in der gängigen Literatur postuliert wird.

Lay summary

Anhand der Berufsbiographien von 610 MBA-Absolventen (88% männlich, Durchschnitts­alter 43 Jahre) von Schweizer Universitäten und Fachhochschulen bestätigte sich unsere Hypothese, dass Referenzgruppen einen wesentlichen Einfluss auf individuelle Laufbahnen haben. Bezüglich der Beurteilung von beruflichem Erfolg wurde deutlich, dass zwar die persönliche Werthaltung jedes/jeder Einzelnen eine zentrale Rolle spielt, aber auch gegenwärtige Arbeitskollegen sowie Familie, Freunde oder Personen mit ähnlichem beruflichem Hintergrund als Massstab für den eigenen Erfolg wichtig sind. Bezüglich der beruflichen Wechsel bestätigte sich die Bedeutung der Vergleichsgruppen ebenfalls. Zum Beispiel fanden wir heraus, dass erfolgreiche berufliche Wechsel, die nicht nur einen Funktions- oder einen Firmenwechsel umfassen sondern bei denen gleichzeitig Funktion, Firma und Branche gewechselt werden, mehr Unterstützung durch das persönliche Netzwerk erfordern. Besonders unterstützend waren dabei Personen mit einem ähnlichen beruflichen Hintergrund, während – entgegen unseren Erwartungen – Personen, die man aus früheren Ausbildungen kennt (z.B. Alumni), eine eher untergeordnete Rolle spielten.

Nebst diesen Ergebnissen über die Rolle von Referenzgruppen liessen sich weitere Erkenntnisse aus der Studie gewinnen. Unter anderem konnten wir zeigen, dass sich die Laufbahnmuster der Teilnehmenden von Universitäts- bzw. Fachhochschulprogrammen substantiell unterscheiden, zum Beispiel bezüglich hierarchischem Fortkommen (mehr höheres Management bei Teilnehmenden von Universitätsprogrammen) und Branchenzugehörigkeit (mehr öffentlicher Dienst bei Teilnehmenden von Universitätsprogrammen; mehr Handel und Produktion bei Teilnehmenden von Fachhochschulprogrammen).

Aus unseren Resultaten lassen such auch diverse praktische Folgerungen ziehen. Wir konnten beispielsweise konkrete Handlungsempfehlungen für Programmleitungen und Alumni-Verbände von Managementweiterbildungen ableiten, unter anderem für das Marketing sowie die Betreuung von Studierenden.