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Ziel des Forschungsprojekts ist die Entschlüsselung der Entstehungs- und Klimageschichte eines für das nördliche Alpenvorland der Schweiz typischen, glazial übertieften Beckens. Eine Kernbohrung bei Niederweningen, der reichhaltigsten Schweizer Mammut-Fundstelle, gibt Einblick in ein einmaliges Sediment- und Fossilarchiv, das bis in die drittletzte Eiszeit zurückreicht. Die etwa 300'000 Jahre alten Ablagerungen in der Felsrinne bestimmen das Minimalalter der Erosion durch die wiederholt aus den Alpen vorgestossenen Gletscher. Von der Untersuchung einer etwa 150'000 Jahre alten Erosionsdiskordanz in den Seesedimenten wird die Klärung der umstrittenen Frage eines damaligen Gletschervorstosses erwartet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Analyse der dramatischen Umweltveränderungen, die am Ende der letzten Zwischeneiszeit (Eem-Warmzeit) zur letzten Eiszeit (Würm-Kaltzeit) führten.HintergrundIm nördlichen Alpenvorland der Schweiz sind einige glazial übertiefte Becken bekannt, welche mehrere hundert Meter tief unter das aktuelle Flussniveau reichen. Ihre Entstehungsgeschichte und die spätere sedimentäre Füllung sind nur zum Teil bekannt. Das Wehntal nördlich der Lägerenkette gehört zwar nicht zu den tiefsten Becken, zeigt aber bei Niederweningen ein einmaliges Sediment- und Fossilarchiv, das bis in die drittletzte Eiszeit zurück reicht. Das gesamte Forschungsprojekt umfasst seismische Untersuchungen, zwei Kernbohrungen und die interdisziplinäre Untersuchung der erbohrten Sedimente. Nach einem ersten Projekt mit sedimentologischen und paläomagnetischen Analysen sowie Altersbestimmungen mit der Luminiszenz-Methode steht im laufenden Projekt die paläoklimatische Interpretation mittels Untersuchung von Pollen, grösseren Pflanzenresten und Käfern im Vordergrund.BedeutungDas SNF-Projekt ist Teil einer von der Stiftung Mammutmuseum Niederweningen initiierten Studie zur Erforschung der Eiszeitgeschichte des Wehntals. Dabei erwartet ein interdisziplinäres Team von Fachleuten der Erd- und Biowissenschaften wichtige Hinweise zu den teilweise abrupten Klimaschwankungen der letzten 300'000 Jahre, eines auch für die heutige Klimadiskussion aktuellen Themas. Genauere Abschätzungen glazialer Erosionsraten sind von grosser Bedeutung für die Sicherheit möglicher Lagerorte radioaktiver Abfälle im schweizerischen Mittelland. Dank finanzieller Beiträge von Institutionen, Firmen und eines einjährigen SNF-Projekts konnten seismische Untersuchungen, zwei Kernbohrungen, sowie wichtige Untersuchungen der erbohrten Sedimente durchgeführt werden. Erste Resultate der interdisziplinären Studie werden im Herbst 2010 im Mammutmuseum Niederweningen präsentiert.