Lead


Lay summary
Medikamentenallergien betreffend ca. 2 bis 4 % der hospitalisierten Personen und sind auch ein häufiges Problem in der ärztlichen Praxis. Sie können oft harmlos verlaufen , gelegentlich aber lebensgefährliche Systemreaktionen bewirken. Die Allergologie in Bern beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Wirkmechanismus der medikamentenallergischen Reaktionen im Bestreben, derartige Reaktionen besser vermeiden zu können. Im Nationalfonds-Gesuch 310030_129828/1 von 2010 bis 2013 wird folgende Frage wissenschaftlich untersucht: Wie kommt es zur Entwicklung einer Medikamentenallergie in Personen, die genetisch dafür prädestiniert sind? Hintergrund für diese Fragestellung ist der Befund, dass einige Medikamente (Abacavir, ein Anti-HIV Medikament) nur in Personen mit einem bestimmten HLA-Phänotyp Allergien entwickeln (HLA-B*5701): Man benutzt diese Eigenschaft schon, um z.B. Abacavir - bedingte Nebenwirkungen zu vermeiden, da nur ca. 5% der Bevölkerung diese HLA-Gene haben. Das heisst, zum Vermeiden dieser Nebenwirkung wird bereits "personalisierte Medizin" betrieben, zum Schutze des Patienten. Andererseits kann man Blut von HLA-B*5701 positiven aber gesunden, und nie Abacavir-exponierten Personen nehmen und es in vitro mit Abacavir stimulieren. Dies erlaubt, die Neuentwicklung einer Immunantwort in vitro zu beobachten! Basieren auf Vorstudien haben wir festgestellt, dass Abacavir auch direkt an Immunrezeptoren binden und die Immunzellen stimulieren kann: Dieser Mechanismus wird "pharmacological interaction with immune receptors (pi-mechanism)" genannt, und unterscheidet sich wesentlich von anderen Immunmechanismen. Da für Medikamentenallergien kaum Tiermodelle existieren, ist dieses in vitro Modell eine ideale Möglichkeit, die Entwicklung von Medikamentenallergien zu untersuchen. Ist es nötig, dass dendritische Zellen stimuliert werden von Abacavir, damit sich eine Immunantwort entwickelt? Welche T-Zellen werden zuerst stimuliert (Gedächtnis-T-Zellen oder naive T-Zellen)? Weisen die Abacavir reaktiven Zellen auch eine weitere Spezifität auf? Kann Verhinderung des Abacavir-Metabolismus dazu führen, dass die Primärantwort verhindert wird, oder dass die Abacavir-reaktiven Zellen nur in einer bestimmten Form mit Abacavir reagieren? Diese Untersuchungen sollten beitragen herauszufinden, wie man besser gefährliche Medikamentenallergien vermeiden kann.