Lead
Frauen verdienen auch bei gleicher Qualifikation nach wie vor 10% weniger als Männer. Was sind die Ursachen der diskriminierenden Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen und zu welchem Zeitpunkt im Ausbildungs- und Erwerbsverlauf entstehen diese?

Lay summary
Hintergrund
Frauen verdienen nach wie vor 20-30% weniger als Männer. Diese Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern lassen sich zwar zu über 50% statistisch erklären – mit unterschiedlichen Berufserfahrungen und Qualifikationen, welche sich im Verlauf des Erwerbslebens ergeben. Zum Zeitpunkt des Berufseinstiegs sollten demnach aber keine Unterschiede ausgemacht werden können. Dennoch existieren Anzeichen für eine unterschiedliche Entlohnung bereits beim Einstieg ins Berufsleben – selbst bei gleicher Ausbildung. Bisher nicht erforscht wurde, ob und inwiefern in der Schweiz bereits beim Berufseinstieg Lohndiskriminierung zwischen Männern und Frauen besteht und zu welchem Zeitpunkt diese entsteht.

Ziel
Das Projekt untersucht Geschlechterungleichheiten während eines prägenden Lebensab-schnitts, dem Übergang von der Ausbildung ins Erwerbsleben. Im Fokus stehen dabei die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern, welche eine Berufsausbildung absolviert haben und neu in den Arbeitsmarkt eintreten. Zudem wird gefragt, ob diese Unterschiede erklärbar oder diskriminierend (also nur auf das Geschlecht zurückzuführen) sind.
Mithilfe der ersten nationalen Längsschnittuntersuchung zum Übergang Jugendlicher von der Schule ins Erwachsenen- und Erwerbsleben (TREE, Transitionen von der Erstausbildung ins Erwerbsleben) zeigen die Forschenden, ob die Lohnunterschiede Ergebnis eigener Ent-scheidungen bei der Ausbildungsplatzwahl und/oder der Ausbildungsplatzvergabe durch die Lehrbetriebe sind. Weiter führen die Forschenden eine Betriebsbefragung durch, welche Aufschluss darüber geben soll, ob Frauen trotz gleichwertiger Qualifikationen bei der Einstel-lung in gut bezahlten Berufen benachteiligt werden.

Bedeutung
Wenn Ursachen und Entstehungszeitpunkt der Lohnunterschiede besser geklärt sind, gibt dies Hinweise auf zweckmässige Massnahmen gegen die Lohndiskriminierung. Zudem er-möglichen die Ergebnisse aus diesem Projekt erstmals einen Vergleich mit andern Ländern, die in diesem Bereich der Berufsbildungsforschung bereits weiter sind.