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Lay summary
Rhizoxin ist ein von Bakterien produzierter Naturstoff, der die Vermehrung von Krebszellen im Reagenzglas wie auch das Wachstum von Tumoren in Tiermodellen potent unterdrücken kann. Es wurde ursprünglich angenommen, dass die Substanz von Pilzen der Gattung Rhizopus produziert wird, die als Verursacher der Reiskeimlingsfäule gelten, neuere Studien haben jedoch gezeigt, dass Rhizoxin aus Bakterien stammt, die mit diesen Pilzen in Symbiose leben. Aufgrund seiner interessanten Antitumorwirkung wurde Rhizoxin bereits in einer Reihe von klinischen Studien am Menschen als mögliches Krebsmedikament untersucht. Diese Studien wurden jedoch wegen eines ungünstigen Verhältnisses zwischen therapeutischem Effekt und Toxizität in Phase II eingestellt. Es ist aber ohne weiteres denkbar, dass strukturelle Abwandlungen des Naturstoffs zu Substanzen mit verbesserten Eigenschaften führen könnten. Solche Analoga sind prinzipiell entweder de novo durch chemische Synthese oder aber durch chemische Derivatisierung des Naturstoffs zugänglich. Im letzteren Fall muss dieser natürlich in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen. Die chemische Synthese des Rhizoxins ist bereits in der Vergangenheit untersucht worden; desgleichen wurden gewisse Studien zum Zusammenhang zwischen der Struktur des Moleküls und biologischer Aktivität (sog. SAR, oder "structure-activity relationship", Studien) durchgeführt. In beiden Bereichen lassen die bisherigen Studien jedoch wichtige Fragen offen. Eines der Ziele dieses Forschungsprojekts besteht nun darin, einen neuartigen Zugang zur Synthese des Rhizoxins zu entwickeln, der es dann in einem nachfolgenden Schritt auch erlauben sollte, neue Analoga für systematische SAR Studien herzustellen. Letztere sollen die Beantwortung wichtiger Fragen erlauben, die bis anhin nur unzulänglich geklärt sind. Auf diese Weise wird dieses Forschungsprojekt zu einem verbesserten Verständnis der Struktur-Wirkungs-Beziehungen rund um das Rhizoxin führen. Die daraus gewonnen Erkenntnisse könnten dann die Grundlage für die Entwicklung von neuen Wirkstoffkandidaten bilden, die vielleicht ein gegenüber dem Rhizoxin verbessertes therapeutisches Potenzial aufweisen könnten.