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Lay summary
Ziele
Woran merken wir, dass wir es mit einem Text zu tun haben? Wovon hängt es ab, dass wir eine Ansammlung sprachlicher Erscheinungsformen als Text wahrnehmen? Dass sich Fragen wie diese in unserem Lektürealltag nur selten (wenn überhaupt!) stellen, ist die Leistung der Textualitätshinweise. Sie signalisieren Texthaftigkeit/Textualität und sorgen auf ebenso unscheinbare wie effektive Weise dafür, dass wir etwas Geschriebenes beim Lesen wie selbstverständlich als eine natürliche Lektüreeinheit und in diesem Sinn als Text wahrnehmen. Was immer uns in unserem kommunikativen Alltag als ein lesbares Etwas erscheinen mag - ein Buch, ein Zeitungsartikel, ein Brief, eine Aufschrift, eine Internetseite, ein Graffiti auf einer Häuserwand -, steht nicht von vornherein fest, sondern ist gerade in seiner vermeintlichen Natürlichkeit durch und durch gemacht. Die Orientierung an Textualitätshinweisen hilft dabei, dieses „making of“ sichtbar zu machen. Was ein Text „ist“, ergibt sich also erst beim Lesen: Lesen ist das Aufnehmen und Verarbeiten, das Auswerten und Verstehen von Textualitätshinweisen. Das allgemeine Ziel des Projekts besteht darin, diese routinehaft selbstverständliche Lektüre gegen den Strich zu bürsten und als Prozess der Erzeugung von Texthaftigkeit sichtbar zu machen. Deshalb ist die Rekonstruktion von Textualitätshinweisen und ihre Systematisierung das Hauptziel des Projekts. Damit sind zwei weitere Ziele verbunden: die Merkmale von Textualität herauszuarbeiten, auf die sich die Textualitätshinweise beziehen, und die Quellen von Textualität zu identifizieren, aus denen Textualitätshinweise schöpfen.

Kontext und Bedeutung
Die wissenschaftliche Bedeutung des Projekts liegt in der Neubelebung des für die Textlinguistik zentralen Konzeptes der Textualität. Über die textlinguistische Fachöffentlichkeit hinaus verspricht das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Lehr- und Lernbarkeit textlinguistischer Analyse, der sich positiv für die Didaktisierung der Textlinguistik auswirken dürfte. Vor allem für den Deutschunterricht könnte eine am Gegenstand des Textes ausgerichtete linguistische Analyse viele Impulse geben, zumal mit der angestrebten Einbeziehung literarischer Texte ein Beitrag zur Verbindung linguistischer und literaturwissenschaftlicher Vorgehensweisen geleistet werden soll.

Wissenschaftlicher Rahmen und Methodologie Den wissenschaftlichen Rahmen des Vorhabens liefert die Textlinguistik, für die das Nachdenken über Texthaftigkeit/Textualität von Anbeginn im Zentrum steht. So gibt es ein nach wie vor immer wieder aufgegriffenes Konzept von Textualität, in dem sechs grundlegende Merkmale vorgeschlagen wurden. Sowohl das Konzept als auch die vorgeschlagenen Textualitätsmerkmale werden dem heutigen Stand textlinguistischer Forschung allerdings nicht mehr gerecht. Einer Fülle ertragreicher empirischer Untersuchungen steht deshalb in theoretisch-methodologischer Hinsicht das Desiderat eines theoretisch integrativen Konzeptes gegenüber. Zu einem solchen Konzept soll das Projekt einen Beitrag liefern.