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Lay summary
Das Projekt beschäftigt sich mit dem Wandel der schweizerischen Lehrerinnen- und Lehrerbildungspolitik. Es fokussiert dabei Steuerungsfragen und leistet damit einen Beitrag zur Analyse von Reformprozessen im Politikfeld der Education Governance.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung seit 1990 eine grundlegende Veränderung bildungspolitischer Ziele und Strukturen stattgefunden hat. Vor dem Hintergrund der Dynamik zwischen kantonalen Reformen, zunehmendem gesamtschweizerischen Harmonisierungsanspruch und internationalen Vorgaben für die Diplomanerkennung in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung stellen sich die Fragen, ob und allenfalls wie sich eine gesamtschweizerische Steuerung auf interkantonaler Ebene etablieren konnte, wie der gesamtschweizerische Steuerungsanspruch in Form der Diplomanerkennungsreglemente der EDK sich auf die kantonalen Reformprojekte auswirkte, wie sich die kantonalen Reformen auf diese neue Situation einstellten, allenfalls wie und in welchen Bereichen sich die Kantone übergeordneten Steuerungsversuchen in ihren verfassungsmässig gesicherten Kompetenzbereichen zu widersetzen oder die gesamtschweizerische Steuerung in ihrem Sinne zu beeinflussen versuchten.
Untersuchungsgegenstand ist der gesamte Lehrerinnen- und Lehrerbildungsbereich, welcher durch die EDK geregelt wird, d.h. alle Studiengänge für die Vorschul-, die Primar- und die Sekundarstufen I und II sowie die Schulische Heilpädagogik. Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts stehen bildungspolitische Diskurse sowohl auf gesamtschweizerischer als auch auf kantonaler Ebene. Ziel ist es, diskursive Prozesse, Akteurkonstellationen sowie Ideen, Strategien, institutionelle Konzepte und Programme und deren Veränderung zu analysieren. Nationale und internationale Entwicklungen und Akteure werden dann in die Analyse einbezogen, wenn sie für das Verstehen wichtige Informationen liefern.
Der Komplexität des Untersuchungsgegenstandes entsprechend stützt sich das Vorhaben auf Theorien des akteurszentrierten Institutionalismus, in Teilaspekten auf die Systemtheorie und Theorien der vergleichenden Politikwissenschaft, und bedient sich unterschiedlicher Methoden der Wissensgenerierung und Erkenntnisgewinnung: Dokumentenanalyse, computergestützten Datenanalyse unter Verwendung der Techniken und Verfahren des Grounded Theory-Ansatzes (Atlas.ti), semi-standardisierte Leitfadeninterviews, Netzwerkanalyse sowie Expertinnen- und Expertenhearings.