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Lay summary
Die Schwangerschaft ist (auch) immunologisch gesehen höchst interessant, denn das mütterliche Abwehrsystem muss den Foeten, der Antigene seines Vaters exprimiert, tolerieren, aber gleichzeitig die Kompetenz behalten, Infekte erfolgreich zu bekämpfen. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass eine Rheumatoide Arthritis (=Chronische Polyarthritis) während der Schwangerschaft spontan bessert, aber wenige Wochen nach Entbindung wieder aufflammt. Es ist anzunehmen, dass die immunologischen Aenderungen der Schwangerschaft direkt für die Besserung der Rheumatoiden Arthritis verantwortlich sind und es erscheint wahrscheinlich, dass dies in den Blutzellen messbar wird. Das Studienprotokoll beschreibt ein sogenannt "hypothese-generierendes" Projekt. Zu verschiedenen Zeitpunkten, unter anderem im Dritten Trimester der Schwangerschaft und 24 Wochen nach Entbindung wird in Immunzellen des Blutes untersucht, welche der etwa 30'000 Gene hoch- respektive herunterreguliert sind. Der Vergleich von Zellen aus dem Blut von Patientinnen und von Gesunden erlaubt die Differenzierung zwischen schwangerschaftsbedingten Aenderungen und krankheitsspezifischen Aenderungen. In einem ersten Schritt werden alle mRNA vergleichend analysiert, in einem zweiten Schritt wird untersucht, welche zellulären Programme aktiviert respektive unterdrückt werden. Schliesslich werden die Befunde mit der sogenannten quantitativen PCR überprüft.Dieser methodologische Ansatz erlaubt es, nicht mit einer vorgefassten Annahme (Hypothese) an das Problem heranzugehen, sondern erst auf Grund der erworbenen Daten eine Hypothese zu generieren, die dann in einem folgenden Projekt überprüft werden soll.Die wichtigsten Befunde, die wir bisher publiziert haben dokumentieren eine Herunterregulierung des sogenannt adaptiven Immunsystemes während der Schwangerschaft bei einer relativ hohen Aktivität des angeborenen (innate) Immunsystems. Nach Entbindung wird die Aktivität der beiden Systeme bei Gesunden wieder ausbalanciert, während bei RA Patienten die Aktivität des innate Immunsystemes hoch bleibt.