Lead


Lay summary
Im Forschungsprojekt wird aus der Perspektive des Dialogs von Individuen - analog zur Erschliessung von Strukturen aus der Perspektive der Lebenswelt - die Begegnung unterschiedlicher Erinnerungsgemeinschaften analysiert. Anhand von israelisch-palästinensischen Gesprächen wird gezeigt, welche nationalen Narrative die AkteurInnen transportieren. Von zentralem Interesse ist dabei, das Wechselspiel zwischen persönlichen Erinnerungen und kollektivem Gedächtnis in den Dialogen zu klären. Es wurden leitfadengestützte, offene Interviews mit Teilnehmenden aus grassroot-Dialoggruppen geführt. Befragt wurden BürgerInnen aus West- und Ostjerusalem, aus Beit Sahour und Nablus, welche in grassroot-Dialoggruppen zur Zeit der ersten Intifada teilnahmen sowie Aktivistinnen beider Seiten, die im Rahmen feministischer NGO's seit 1994 eine dialogische Zusammenarbeit pflegen. Neben Unterschieden im historischen Kontext, dem organisatorischen Rahmen und der politischen Zielsetzung konnten auch Überlappungen in den Wahrnehmungen, den Motiven und Einschätzungen der Teilnehmenden aufgezeigt werden. Ergänzt werden diese Perspektiven mit der Analyse eines 1993 in Buchform publizierten Dialogs zwischen einem ehemaligen Mitarbeiter des Militärgouverneurs in Gaza und der Westbank, Zvi Elpeleg, und dem damaligen PLO-Repräsentanten in Paris, Ibrahim Souss. Die Analyse dieses schriftlichen Dialogs zwischen halb-offiziellen Repräsentanten soll die Themen und Schwerpunkte des exemplarischen Gesprächs zwischen PalästinenserInnen und Israelis verdeutlichen. Durch die historische Aufarbeitung von Dialogen werden Einsichten in die Schwierigkeiten und Chancen des Gesprächs zwischen Israelis und PalästinenserInnen möglich. Für eine politische Lösung sind Verhandlungen, in denen beide Seiten strategische Ziele verfolgen, zentral. Um die Voraussetzungen einer Lösung zwischen den Menschen selbst zu schaffen, braucht es aber Begegnungen zwischen Menschen, die sich prinzipiell einander öffnen. Vertiefte Einsichten über solche Begegnungen in der Vergangenheit könnten aufzeigen, worauf in zukünftigen Dialogen Wert zu legen wäre.