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Lay summary
Psychologische und wirtschaftswissenschaftliche Entscheidungsforschungfokussieren traditionell sehr stark auf die Gewichtung vorhandenerInformationen bei der Wahl der besten Alternative. Wie Experimentezeigten, sind Menschen nicht in der Lage, eine grosse Zahl vonInformationen in mathematisch adäquater Weise gleichzeitig zuberücksichtigen. Das Setting dieser Experimente gibt den Versuchspersonenalle möglicherweise relevanten Informationen vor. Das führt zu einermathematischen „Norm“ für die Wahl der besten Alternative, an diemenschliches Denken nicht hinreichend angepasst zu sein scheint.

Gemeinsam mit dem Theorieansatz der Bounded Rationality argumentieren wir,dass in einer ökologisch validen Entscheidungssituation Informationennicht einfach vorliegen, sondern erst aktiv zusammengetragen werdenmüssen. In diesen Fällen geht es gar nicht darum, die beste allermöglichen Entscheidungen zu treffen, sondern die gewählte Alternative musslediglich dem Anspruchsniveau der sich entscheidenden Person gerechtwerden.

In unseren Experimenten zur sog. Take-the-Best-Heuristik folgten dieVersuchspersonen durchgehend einer absolut rationalen Entscheidungsnorm,wenn sie zuvor die relevanten Informationen aktiv auf einem informationboard aufzudecken hatten und dies gemäss des One-Reason Decision Makingtaten. Der Faktor der Informationssuche erhöhte dabei den Anteil derPersonen, die One-Reason Decision Making einer vollständigen Verarbeitungvon Information vorzogen und sich wie von einem lexikographischen Modellvorhergesagt entschieden, von 1,7% (ohne Informationssuche) auf 50% bzw.60%. Der Faktor Informationssuche hat demnach grossen Einfluss auf dasEntscheidungsverhalten.

Vier Experimentalserien arbeiten derzeit die Rolle der Informationssuchenäher heraus. Danach werden zwei wichtige strukturelle Parameter vonEntscheidungssituationen neu in die Forschung integriert: Zum einen sollmittels eines Optionsschein-Szenarios der Einfluss dynamischerCue-Information ausgelotet werden. Zum anderen wird die Situationsklasseseriellen Vorliegens der Alternativen erkundet.

Mit dieser empirisch fundierten theoretischen Ausweitung soll dasbeantragte Projekt nicht nur einen wichtigen Beitrag in derGrundlagenforschung der Entscheidungspsychologie leisten. Gleichzeitigsoll es die Türe zu einer anwendungsorientierten Alternative zumBehavioral Finance-Ansatz in der Wirtschaftspsychologie öffnen.