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Vom Konfliktobjekt zum Konfliktsubjekt - Gesellschaftliche Islamdiskurse aus sozial-wissenschaftlicher und theologisch-sozialethischer Perspektive

English title From Object to Subject: Social Science and Theological-Social Ethical Perspectives on Issues concerning Islam and Conflict
Applicant Schmid Hansjörg
Number 179070
Funding scheme Project funding
Research institution Schweizer Zentrum für Islam und Gesellschaft Universität Freiburg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.01.2019 - 31.10.2023
Approved amount 830'027.00
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All Disciplines (3)

Discipline
Religious studies, Theology
Communication sciences
Sociology

Keywords (7)

christliche und islamische Theologie Theologie; Konflikt; Islam; politischer und medialer Diskurs in der Schweiz; Konfliktsoziologie; Imame; Sozialethik

Lay Summary (German)

Lead
Islamdiskurse nehmen in der Schweiz und vielen anderen Ländern einen zentralen Stellen-wert ein, da anhand von ihnen das Selbstverständnis der Gesellschaft neu ausgehandelt wird und sie dabei auch als Projektionsfläche für unterschiedliche Themen dienen. Muslime sind hier einerseits Konfliktgegenstand, können aber auch in ihrer Rolle als Konfliktsubjekte un-ter anderem auf eigene religiöse Denkmuster zurückgreifen.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Konflikte stellen eine Form der Vergesellschaftung dar, anhand derer Selbstverständnisse, Grenzen und Zugehörigkeiten ausgehandelt werden. Aktuell zeigen sich solche konflikthaften Aushandlungsprozesse in Europa insbesondere beim Thema Islam, wobei zentrale Konfliktgegenstände oftmals in der Figur des Imams personalisiert werden. Das Projekt analysiert zum einen anhand von Medienberichten, politischen Vorstössen und Selbstpositionierungen den öffentlichen Diskurs über Imame in der Schweiz auf der Grundlage konfliktsoziologischer Überlegungen. Zum anderen werden religiös geprägte Konfliktdeutungen anhand von je vier ausgewählten zeitgenössischen Denkern aus der christlichen und muslimischen Tradition untersucht. Die Kombination eines sozialwissenschaftlichen und eines theologisch-sozialethischen Zugangs dient dazu, nicht nur Inhalt, Struktur, Funktion und die Integrationskraft von Konflikten zu beurteilen, sondern auch potentielle religiöse Ressourcen zur Konfliktbewältigung aufzuzeigen.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das Projekt leistet einen Beitrag zum Diskurs über Imame und ihre Rolle in der Schweiz sowie grundsätzlich für den gesellschaftlichen Umgang mit islambezogenen Konflikten. Die theologischen Konfliktdeutungen eignen sich auch als Bezugspunkt für Gegendiskurse zu einerseits salafistischen und andererseits muslimfeindlichen Konfliktidentitäten.

 

Direct link to Lay Summary Last update: 28.05.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Abstract

Konflikte stellen eine Form der Vergesellschaftung dar, anhand derer Selbstverständnisse, Grenzen und Zugehörigkeiten ausgehandelt werden. Damit sind sie konstitutiv für die Formierung der Gesellschaft und in ihrer Ambivalenz auch Motor für sozialen Wandel. Aktuell zeigen sich solche konflikthaften Aushandlungsprozesse in Europa insbesondere bei kontroversen Themen wie Migration oder Religion, wobei in den letzten Jahren islambezogene Konflikte an öffentlicher Präsenz gewonnen haben. Zentrale Konfliktgegenstände werden dabei oftmals in der Figur des Imams personalisiert. In diesen gesellschaftlichen Islamdiskursen sind Imame und Muslime insgesamt nicht nur Konfliktobjekte, sondern auch Konfliktsubjekte, die in ihrem Konflikthandeln unter anderem auf eigene religiöse Denkmuster zurückgreifen. Um diese Wechselbeziehung zu erfassen, sind zwei verschiedene Perspektiven notwendig: Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive können ausgehend von konfliktsoziologischen Ansätzen Inhalt, Struktur und Funktion von Konflikten erschlossen werden. Demgegenüber hilft die sozialethische Perspektive zu verstehen, wie Konflikte theologisch gedeutet werden und welche Umgangsformen sich daraus ergeben. Die Kombination beider Sichtweisen dient dazu, nicht nur die Integrationskraft von Konflikten zu beurteilen, sondern auch potentielle religiöse Ressourcen zur Konfliktbewältigung aufzuzeigen.Das Projekt setzt sich aus vier Teilprojekten zusammen: In Teilprojekt 1 wird anhand von ausgewählten Medienberichten und politischen Vorstössen der öffentliche Diskurs über Imame in der Schweiz auf der Grundlage konfliktsoziologischer Überlegungen inhalts- und argumentationsanalytisch untersucht. Diese Konfliktdynamiken werden mit Selbstpositionierungen von Imamen, die auf Grundlage von Experteninter-views herausgearbeitet werden, ergänzt und kontrastiert. Die Teilprojekte 2 und 3 untersuchen diskurs- und textanalytisch religiös geprägte Konfliktdeutungen, aber auch Potenziale zur Konfliktbearbeitung an-hand von je vier ausgewählten zeitgenössischen Denkern aus der christlichen und muslimischen Tradition. Teilprojekt 4 führt theologisch-sozialethische und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse aus den Teilpro-jekten zusammen. Das Gesamtprojekt bewegt sich somit in einem Dreieck zwischen gesellschaftlichen Islamdiskursen in der Schweiz, Konfliktsoziologie und theologisch-sozialethischer Reflexion, die erstmals auf diese Weise miteinander in Beziehung gesetzt werden. Damit wird ein Beitrag zur Profilbildung und Grundlegung theologisch-sozialethischer Forschung vor allem im Blick auf den Islam geleistet und zugleich der Horizont sozialwissenschaftlicher Religions- und Konfliktforschung angesichts gesellschaftlich höchst aktueller Fragestellungen erweitert.
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