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Behindertengerechtes Bauen - Vollzugsprobleme im Planungsprozess

Applicant Manser Joe A.
Number 59735
Funding scheme NRP 45 Future Problems of the Welfare State
Research institution Schweiz. Fachstelle für behindertengerechtes Bauen
Institution of higher education Non-profit organisations (libraries, museums, foundations) and administration - NPO
Main discipline Humanities and Social Sciences
Start/End 01.10.2000 - 30.04.2004
Approved amount 276'654.65
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Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Menschen mit einer Behinderung werden im täglichen Leben auf vielfältigste Weise direkt und indirekt benachteiligt oder diskriminiert. Der Bericht der Dachorganisationenkonferenz der Behindertenhilfe DOK gliedert die Auflistung der vielfältigen Benachteiligungen in 14 Lebensbereiche. Die Behinderung oder Ausgrenzung durch bauliche Barrieren oder Hindernisse gehört zu den offensichtlichen und sehr häufigen Bereichen von Diskriminierungen.
Für eine grosse Anzahl von Menschen mit einer Behinderung hat die bauliche Gestaltung der Umwelt einen massgebenden Einfluss auf ihre Integrationsschancen und -möglichkeiten. Für rund 500 000 Menschen wird die Benützung der baulichen Umwelt durch Hindernisse in unterschiedlichem Ausmass erschwert. Und ca. 50 000 Menschen (Rollstuhlfahrer, stark Gehbehinderte, Blinde, Gehörlose, etc.) werden durch absolute Barrieren von einer Benützung gänzlich ausgeschlossen. So sind z. B. in der Schweiz nach wie vor über 70 % aller Bauten und Räume, welche für das Publikum zugänglich sind, mit einem Rollstuhl nicht benutzbar.

Die Zielsetzungen des behindertengerechten Bauens stellen dementsprechend einen gewichtigen Teilbereich im Rahmen der im Ausführungsplan formulierten Ziele und Forschungsfragen bezüglich Integration und Benachteiligung dar. Eine behindertengerechte Bauweise ist sowohl im sozialstaatlichen als auch im individuellen menschenrechtlichen Kontext von hoher und immer wieder unterschätzter Bedeutung. Wie im DOK-Bericht festgehalten, zielt die Gleichstellung von Behinderten nicht primär auf den Ausbau des Sozialstaates; sondern auf die Gleichberechtigung. Diese soll allen Menschen mit einer Behinderung die Gelegenheit geben, sich so weit wie möglich selber in die Gesellschaft zu integrieren.

Artikel 8 der neuen Schweizerischen Bundesverfassung schützt behinderte Menschen vor direkter und indirekter Diskriminierung und sieht vor, dass der Gesetzgeber Massnahmen ergreift, um Benachteiligungen behinderter Menschen zu beheben. Das Bundesamt für Justiz hat den Auftrag erhalten, ein Gleichstellungsgesetz als indirekten Vorschlag zur Volksinitiative «Gleiche Rechte für Behinderte» auszuarbeiten und noch bis zum Sommer 2000 dem Bundesrat vorzulegen. Das neue Gesetz wird auch Massnahmen im Bereich «Behindertengerechtes Bauen» enthalten.

Gerade der Integrationseffekt, welcher schon nur durch eine behindertengerechte Bauweise erzielt werden kann, ist auch aus ökonomischer Sicht für das sozialstaatliche Handeln von besonderem Interesse. Die Massnahmen erfordern nämlich keine zusätzlichen staatlichen Aufwendungen. Denn diese Integrationsleistungen können in der Regel durchaus im Rahmen der allgemeinen Bautätigkeit durch die private Bauwirtschaft erbracht werden. Behindertengerechtes Bauen wird in der Schweiz seit über 30 Jahren propagiert, jedoch nur partiell angewendet. Dies, obwohl Anforderungen und Lösungen in genügendem Umfang beschrieben, praxisgerecht dokumentiert und verbreitet wurden bzw. sind.

Das Forschungsprojekt will die Ursachen für die unzureichende Berücksichtigung der Bedürfnisse Behinderter bei der Planungs-, Bewilligungs- und Bautätigkeit von Architekten, Baubehörden und Bauherrschaften erforschen.

Weit verbreitet sind falsche Annahmen bezüglich der technischen und finanziellen Machbarkeit (Forschungsteil A), welche bei der Missachtung der Behindertengerechtigkeit oft vorgeschoben werden.

Um beurteilen zu können, wie weit die psychischen Ursachen nicht behindertengerechten Bauens (Forschungsteil B) mit objektiven Barrieren zu tun haben, sind erhärtete Kenntnisse über die technischen und wirtschaftlichen Grenzen der Machbarkeit unerlässlich. Diese sind auch erforderlich, um eine Plausibilisierung der Ergebnisse aus dem Forschungsteil B vornehmen zu können.

Da bisher für beide Fragen keine wissenschaftlich gesicherten Daten vorliegen, müssen beide Forschungsziele parallel und aufeinander abgestimmt, interdisziplinär untersucht und dokumentiert werden. Das Projekt wird in zwei Teilprojekten durchgeführt:


-Projektteil A «Untersuchung zur technischen und finanziellen Machbarkeit», hauptsächliche Bearbeitung an der Professur für Architektur und Baurealisation, Prof. Paul Meyer-Meierling, ETHZ

-Projektteil B «Psychische Ursachen der Missachtung baulicher Bedürfnisse behinderter Menschen», hauptsächliche Bearbeitung am Psychologischen Institut der Universität Zürich, Sozialpsychologie I, Prof. Heinz Gutscher

Die Erkentnisse des Forschungsvorhabens sollen als Grundlagen dienen, um zukünftig weitere gezielte, zusätzliche Massnahmen zu entwickeln, mit welchen den Vollzugsproblemen des behindertengerechten Bauens begegnet werden kann.

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

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