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The Political Economy of Attention and Electoral Accountability

English title The Political Economy of Attention and Electoral Accountability
Applicant Stutzer Alois
Number 200946
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Wirtschaftswissenschaftliches Zentrum, WWZ Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline Economics
Start/End 01.05.2021 - 30.04.2024
Approved amount 312'197.00
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Keywords (6)

Politische Rechenschaftspflicht; Medienaufmerksamkeit; Politische Information; Wählerwissen; Wahlkampffinanzierung; Interessengruppen

Lay Summary (German)

Lead
Die Verfügbarkeit von politischer Information ist eine notwendige, nicht aber hinreichende Bedingung für eine Politik, die dem Willen der Bürger entspricht. So müssen erst Medienschaffende und dann die Medienkonsumenten der politischen Information Aufmerksamkeit schenken, damit sie bei Wahlentscheidungen berücksichtigt wird. Die Wirksamkeit von Wahlen als grundlegender Selektions- und Kontrollmechanismus in einer Demokratie hängt also davon ab, wie viel Aufmerksamkeit der Politik in den Medien beigemessen wird. Dieses Forschungsprojekt setzt sich aus drei Bausteinen zusammen, welche die empirische Relevanz von Medienaufmerksamkeit untersuchen. Im Kern geht es dabei um die Auswirkungen auf das Verhalten von Politikern und deren Orientierung an den Interessen der Bürger.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

In diesem Projekt werden allgemeine Mechanismen zur politischen Ökonomie der Aufmerksamkeit untersucht und auf ihre empirische Relevanz hin überprüft. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf drei spezifischen Aspekten, welche mit den drei Kernbausteinen des Forschungsprojekts angegangen werden sollen.

(i) Reduziert Aufmerksamkeit, die sich auf die Politik richtet, kurzfristiges opportunistisches Verhalten von Politikern, wenn sich diese mit gegensätzlichen Forderungen von Wählern und spezifischen Interessengruppen konfrontiert sehen? Dabei liegt der Fokus auf Forderungen und Erwartungen, die sich einerseits aufgrund von direkter andererseits aber auch von unabhängiger Wahlkampfunterstützung von Seiten der Interessengruppen ergeben. Letztere stammen von Akteuren, die ihre Ziele im politischen Prozess verfolgen, indem sie "unabhängig" (d.h. ohne eine offizielle Koordination mit den dabei begünstigten Kandidatinnen und Kandidaten) Kampagnen für oder gegen Politiker führen sowie sich für bestimmte Themen engagieren, die bei Wahlen und Volksabstimmungen relevant sind. Das "Einflussmotiv" hinter solchen Ausgaben (im Vergleich zur direkten Wahlkampfunterstützung) wurde bisher nicht systematisch empirisch untersucht. Die empirische Beobachtung einer potentiellen Austauschbeziehung als Folge unabhängiger Wahlkampfunterstützung wäre dabei kritisch zu sehen, da sie die Motivation zur verantwortungsvolle Vertretung der Wählerinteressen untergraben könnte (und oft illegal ist)

(ii) Beeinflusst die räumliche Übereinstimmung von politischen Märkten und Medienmärkten die Anreize für die Medien, einzelnen Politikern Aufmerksamkeit zu schenken, und in der Folge das Wissen der Bürger über ihre Repräsentanten und deren Anreize die Wählerpräferenzen zu repräsentieren? Bisher wurde die strukturelle Variation in der Aufmerksamkeit auf die Politik, die auf die Kongruenz von Medienmärkten und politischen Märkten zurückzuführen ist, nur für das Medium Presse untersucht. In diesem Projekt wird zum ersten Mal untersucht, welche Rolle das Fernsehen in diesem Zusammenhang einnimmt. Wie bei den sozialen Medien ist die Vermutung, dass sich das Fernsehen stark an einzelnen prominenten Personen orientiert.

(iii) Hat die Kongruenz von politischen Märkten und Medienmärkten bei Printmedien entsprechend einen anderen Effekt auf die Aufmerksamkeit, das Wählerwissen und die Repräsentation von Bürgerinteressen als beim Fernsehen?

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das Forschungsprojekt soll neue wissenschaftliche Einsichten liefern zu Medienaufmerksamkeit und deren Wirkung auf politische Entscheide. Die Forschungsfragen werden mithilfe eines neuen Ansatzes zur Erfassung von Wählerpräferenzen untersucht. Die Erkenntnisse aus dem Projekt können für die Ausgestaltung von Rahmenbedingungen genutzt werden, welche auf eine verbesserte politische Repräsentation von Bürgerinteressen durch die Verfügbarkeit von politischer Information abzielt.

Direct link to Lay Summary Last update: 15.04.2021

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
182897 NCCR On the Move: The Migration-Mobility Nexus (phase II) 01.06.2018 National Centres of Competence in Research (NCCRs)

Abstract

Damit die repräsentative Demokratie funktioniert, müssen die Bürgerinnen und Bürger die von ihnen gewählten Politikerinnen und Politiker bei regelmässigen Wahlen zur Rechenschaft ziehen können. Eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Selektion und Kontrolle über den Wahlprozess liegt dabei in der Transparenz des demokratischen Prozesses. Informationen über aktuelle politische Geschehnisse, die involvierten Akteure und ihre Entscheide sollten für die unabhängige Berichterstattung zugänglich sein. In unserem Projekt untersuchen wir die darauf aufbauende These, dass die blosse Verfügbarkeit von Information jedoch noch nicht ausreichend ist. Um relevant für das Verhalten von Politikern zu werden, muss der öffentlich zugänglichen Information auch Aufmerksamkeit von Medienproduzenten und -konsumenten (und somit von den Bürgern) geschenkt werden. Die öffentliche und wissenschaftliche Debatte über Transparenz in der Politik (z.B. im Rahmen der Transparenzinitiative in der Schweiz) ist daher notwendig, wird aber idealerweise durch ein besseres Verständnis darüber ergänzt, wie Institutionen, die Struktur der Medienmärkte und die Medientechnologie die Allokation der knappen Ressource Aufmerksamkeit beeinflussen.Dieses Forschungsprojekt untersucht allgemeine Mechanismen zur politischen Ökonomie der Aufmerksamkeit und testet deren empirische Relevanz. Zunächst wird erforscht, ob ein kurzfristiger Rückgang an Aufmerksamkeit für das politische Geschehen dazu führt, dass sich Politiker stärker opportunistisch Verhalten, wenn sie mit gegensätzlichen Interessen von Wählern und anderen Stakeholdern konfrontiert sind. Zweitens wird untersucht, ob die räumliche Übereinstimmung von politischen Märkten und Fernsehmärkten die Anreize für Fernsehsender beeinflusst, einzelnen Politikern Aufmerksamkeit zu schenken, und ob sich dies im Wissen der Bürger über ihre Vertreter und dem Verhalten der Politiker niederschlägt. Beim dritten Baustein dieses Projekts fragen wir uns, wie sich die Interaktion zwischen politischen Märkten und Medienmärkten unterscheidet je nach Typ des Mediums. Insbesondere wollen wir untersuchen, inwiefern die relativ stärker themenfokussierte Presse eher der Kontrolle dient, um Fehlverhalten von Politikern zu reduzieren, als das stärker personenfokussierte Fernsehen. In jedem der drei Teile zielen wir darauf ab, institutionelle Umstände zu nutzen, die eine quasi-experimentelle Interpretation der beobachteten Korrelationen erlauben.
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