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Anerkennung früher erworbener Kompetenzen im kollektiv organisierten Berufsbildungssystem der Schweiz: Eine vergleichende Fallstudie zu Umsetzungsprozessen in fünf Kantonen aus konventionstheoretischer Perspektive

English title Recognition of prior learning in Switzerland’s collectively organised skill formation system: A comparative case study on implementation processes in five cantons from a sociology of conventions perspective
Applicant Maurer Markus
Number 200826
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Pädagogische Hochschule Zürich
Institution of higher education Pädagogische Hochschule Zürich - PHZH
Main discipline Education and learning sciences, subject-specific education
Start/End 01.05.2021 - 30.04.2025
Approved amount 326'952.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Education and learning sciences, subject-specific education
Sociology

Keywords (6)

Anerkennungsverfahren; Schweiz; Berufsbildung; Soziologie der Konventionen; recognition of prior learning; Fallstudie

Lay Summary (German)

Lead
Das Projekt untersucht die kantonalen Unterschiede in der Anerkennung von bereits erworbenen Kompetenzen in der Berufs- und Erwachsenenbildung. Ziel ist, einen Beitrag zur internationalen Forschungsdebatte über die Anerkennungsthematik zu leisten und dabei die Umsetzungsebene in den Fokus zu rücken.
Lay summary

Formale Bildungsabschlüsse haben seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weltweit an Bedeutung gewonnen. Aus wirtschafts- und sozialpolitischen Gründen wurde die Durchlässigkeit der Bildungssysteme zunehmend gefördert und damit auch die Anerkennung früher erworbener Kompetenzen an die formale Bildung. Anerkennungsverfahren sind insbesondere für Personen im Erwachsenenalter mit nichtlinearen Karrieren und für Personen ohne nationalen Bildungsabschluss relevant. In jüngster Zeit ist die bildungspolitische Debatte zu Anerkennungsfragen weitgehend durch die Themen Fachkräftemangel und Integration von Migrantinnen und Migranten geprägt.

Im stark wirtschaftlich geprägten Berufsbildungssystem der Schweiz sind trotz nationaler Steuerung die regionalen Unterschiede bei der Regulierung und Implementierung der Anerkennung früher erworbener Kompetenzen erheblich und weitgehend unerforscht. Das Projekt untersucht vor diesem Hintergrund die Entstehung und unterschiedliche Gestaltung der Anerkennungsverfahren in der beruflichen Grundbildung der Schweiz. Hierzu werden Fallstudien in fünf Kantonen für den Zeitraum zwischen 1995 und 2010 durchgeführt.

Das Vorhaben trägt zur Debatte über die «recognition of prior learning» in den Bildungswissenschaften bei und zu einem besseren Verständnis, wie die Anerkennungsverfahren in der Schweizer Berufs- und Erwachsenenbildung auf der Ebene der Kantone umgesetzt werden. Somit sind durch das Projekt auch wissenschaftliche Grundlagen für Massnahmen in der Bildungs-, Arbeitsmarkt-, Sozial- und Migrationspolitik zu erwarten.

Direct link to Lay Summary Last update: 29.04.2021

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
169470 The contribution of vocational skills development to inclusive industrial growth and transformation: An analysis of critical factors in 6 countries 01.09.2017 r4d (Swiss Programme for Research on Global Issues for Development)

Abstract

Als Konsequenz der Bildungsexpansion haben die formalen Bildungsabschlüsse für die gesellschaftliche Ordnung weltweit an Bedeutung gewonnen. Dabei wurde seit den 1990er Jahren mit steigendem Anliegen der Durchlässigkeit von Bildungssystemen der Aspekt der Anerkennung früher erworbener Kompetenzen an die formale Bildung aus wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen befördert. Anerkennungsverfahren sind insbesondere für Personen im Erwachsenenalter mit nichtlinearen Karrieren und Personen ohne nationalen Bildungsabschluss relevant. In jüngster Zeit ist die bildungspolitische Debatte zu Anerkennungsfragen an die formalen Bildungsabschlüsse der Berufsbildung in der Schweiz zusehends vom sog. Fachkräftemangel und der Integration im Migrationsbereich geprägt. Auch die internationale Bildungsforschung beschäftigt sich unter dem Stichwort recognistion of prior learning seit längerem mit der Thematik und fokussiert in erster Linie auf pädagogische Aspekte. Seit einigen Jahren hat sich zudem die vergleichende Berufsbildungsforschung mit einem politikwissenschaftlichen Zugang dem Forschungsbereich angenähert. Allerdings kommen diese historisch-institutionalistisch orientierten Ansätze an ihre Grenzen, wenn es darum geht, die Entwicklungen auf der Umsetzungsebene innerhalb nationaler Regulierungen zu verstehen. Gerade im kollektiv organisierten Berufsbildungssystem der Schweiz, welches insgesamt stark wirtschaftlich geprägt und national gesteuert ist, sind die kantonal unterschiedlichen Entwicklungen bei der Regulierung und Implementierung der Anerkennung früher erworbener Kompetenzen an die berufliche Grundbildung erklärungsbedürftig. Das vorliegende Projekt hat vor diesem Hintergrund zum Ziel, die Entstehung und unterschiedliche Gestaltung von Institutionen zur Anerkennung früher erworbener Kompetenzen Erwachsener in der beruflichen Grundbildung der Schweiz vergleichend zu verstehen. Hierzu geht das Forschungsprojekt drei Hauptfragestellungen nach:FF1Wie hat sich die Anerkennung bereits erworbener Kompetenzen beim Berufsabschluss Erwachsener seit dem Berufsbildungsgesetz von 2002 mit Blick auf die Zahl der Abschlüsse in den Kan-tonen entwickelt? Welche Regulierungen und Angebote wurden auf Kantonsebene implementiert?FF2Wie sind die Unterschiede bei der Anzahl von Berufsabschlüssen Erwachsener mit Anerkennung früher erworbener Kompetenzen in den Kantonen zu erklären? Welche Konventionen haben die Akteure bei den Aushandlungen zur Regulierung und Implementierung von Angeboten geleitet?FF3Wie ist es zu erklären, dass sich in den Kantonen unterschiedliche Modelle der Anerkennung etabliert haben?Das Forschungsprojekt klärt diese Fragen im Rahmen von fünf kantonalen Fallstudien. Die Regulierung und Implementierung der Bildungsinstitutionen wird im Zeitraum zwischen 1995 und 2010 in den Kantonen Basel-Landschaft, Genf, Luzern, Waadt und Zürich analysiert. Auf der Basis einer Dokumentenanalyse und Experteninterviews werden allgemeine Prinzipien, welche das Handeln der Akteure bei der Konstruktion, Gestaltung und Reform von Bildungsinstitutionen leiten, vergleichend rekonstruiert. Hierfür wird die Perspektive der Konventionssoziologie (économie des conventions) eingenommen. Das Vorhaben trägt damit zur Debatte über die recognition of prior learning in den Bildungswissenschaften bei und prüft die Anschlussfähigkeit der Konventionssoziologie an historisch-institutionalistische Ansätze der vergleichenden Berufsbildungsforschung. Im Speziellen ist ein besseres Verständnis der Entwicklungen auf Implementierungsebene zu erwarten. Zudem wird die Weiterentwicklung der Konventionssoziologie angestrebt, namentlich hinsichtlich der Institutionalisierung, Persistenz und Transformation von Bildungsinstitutionen. Schliesslich werden empirische Daten zum weitgehend unerschlossenen Feld der Anerkennungsverfahren in der Schweizer Berufs- und Erwachsenenbildung generiert und das Projekt soll wissenschaftliche Grundlagen für die Massnahmen der Bildungs-, Arbeitsmarkt-, Sozial- und Migrationspolitik leisten.
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