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Unterstützung des Leseverstehens im Fach Geschichte

English title Supporting reading comprehension in history
Applicant Schmellentin Claudia
Number 200821
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut Sekundarstufe I und II Forschung und Entwicklung Pädagogische Hochschule der FHNW
Institution of higher education Pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz - PH-FHNW
Main discipline Education and learning sciences, subject-specific education
Start/End 01.09.2021 - 31.08.2024
Approved amount 376'639.00
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Keywords (5)

sprachbewusster Fachunterricht; Leseverstehen im Fach Geschichte; didaktische Anleitung von Leseprozessen; schulische Fachsprachen; Lesedidaktik

Lay Summary (German)

Lead
Historisches Wissen wird in hohem Mass mithilfe von Texten vermittelt und angeeignet. Die Anforderungen, die die Geschichtstexte an die Jugendlichen stellen, übersteigen jedoch häufig die vorhandenen Lesekompetenzen. Mit diesem Projekt soll diese Lücke geschlossen und das historische Lernen mit Texten für alle Lernende verbessert werden.
Lay summary

Inhalt und Ziele

Ziel dieses SNF-Projektes ist es, empirisch fundiertes Wissen darüber zu generieren, welche lesedidaktischen Massnahmen dazu führen, dass auch sprachschwächere Schüler und Schülerinnen der Sekundarstufe I Zugang zum historischen Lernen aus Texten erhalten. 

Mittels Leseprozessbeobachtungen wird ermittelt, welche Schwierigkeiten die Lernenden im Umgang mit den Schulbuchtexten haben. Daraus werden konkrete lesedidaktische Massnahmen in Form von lesesteuernden Aufgaben abgeleitet. Die Wirksamkeit dieser Massnahmen wird in einer weiteren Studie überprüft.   

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Die PISA-Studien haben gezeigt, dass mangelnde Lesekompetenzen zu Lernbenachteiligungen in allen Fächern führen. Betroffen sind insbesondere Lernende aus bildungsfernen Familien, denen die bildungssprachlichen Praktiken aus ihrem ausserschulischen Umfeld weniger bekannt sind. Gleichzeitig werden diese in der Schule häufig vorausgesetzt ohne wirklich gelehrt zu werden. Die im Projekt entwickelten lesedidaktischen Massnahmen sollen auf andere Fächer übertragen und in den Fachunterricht implementiert werden. Damit sollen die herkunftsbedingten Bildungsnachteile verringert werden. 

Direct link to Lay Summary Last update: 16.07.2021

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
146395 Textverstehen in naturwissenschaftlichen Schulfächern 01.09.2013 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Ziel des beantragten Projektes ist es, empirisch fundiertes Wissen darüber zu generieren, wie Leseverstehensprozesse auf der Sekundarstufe I im Fach Geschichte lesedidaktisch unterstützt werden können und so das historische Lernen mit Texten allen Lernenden zugänglich gemacht wird. Historisches Wissen wird in hohem Mass mithilfe von Texten vermittelt und angeeignet (Rüsen, 2008). Die Anforderungen, die die Geschichtstexte an die literalen Kompetenzen der Jugendlichen auf der Sekundarstufe I stellen, übersteigen jedoch häufig die vorhandenen Kompetenzen. Von Borries et al. (2005) konnten in einer quantitativen Studie nachweisen, dass beim Verstehen der Schulbuchtexte gravierende Defizite bestehen, die sie vor allem als Problem der Schulbuchkonstruktion diskutiert haben. In verschiedenen Studien wurde in den letzten Jahren versucht, der Diskrepanz von vorhandenen und fürs Lernen notwendigen literalen Kompetenzen textseitig, also durch Textanpassungen zu begegnen. Die Wirksamkeit dieser rein textseitigen sprachlichen Massnahmen ist jedoch meist eher mittelmässig (vgl. u.a. Schmitz, 2016) und auch aus fachlichen Gründen lassen sich Schulbuchtexte nicht beliebig vereinfachen: Mit den Texten werden komplexe und auf der Sekundarstufe I auch immer abstraktere Inhalte vermittelt, was sich auch in einer gewissen sprachlichen Komplexität widerspiegelt. Zwar haben Geschichtstexte der Sekundarstufe I vor allem in Bezug auf Kohärenz durchaus Verbesserungspotenzial (u.a. Handro, 2020), da jedoch in den letzten Jahren im Zuge der Einführung des Lehrplan 21 vollständig neue Lehrmittel entwickelt und eingeführt wurden, Textbearbeitungen in diesen also für die nächsten Jahre nicht erwartbar sind, wird im beantragten Projekt nach dem lesedidaktischen Potenzial zur Verbesserung der Leseverstehensleistungen gefragt. Aus lesedidaktischer Sicht sind sowohl text- als auch aufgabenseitige lesedidaktische Massnahmen denkbar: Schrader (2020) betont das textseitige didaktische Potenzial von Darstellungstexten. Sie fordert, dass in diesen die impliziten historischen Denkoperationen explizit gemacht werden (z.B. in Form von advance organizer). Diese an geschichtsdidaktischen Zielen orientierten Kohärenzbildungshilfen liessen sich im Unterricht auch mündlich einsetzen und sind daher nicht an die Schulbuchtexte selbst gebunden. Im beantragten Projekt soll zum einen die Wirksamkeit dieser globalen metatextuellen Kohärenzbildungshilfen überprüft werden. Zum anderen soll jedoch auch die Wirksamkeit aufgabenseitiger lesedidaktischer Massnahmen überprüft werden: U.a. fordert Kintsch (2009), dass lesebedingte Lernprozesse im Fachunterricht lesedidaktisch kleinschrittig angeleitet werden müssen. Lindauer et al. (2013) haben dazu ein Konzept entwickelt, bei dem sowohl Lesehandlungen als auch Verstehensprozesse auf allen Verstehensebenen mittels Aufgaben gesteuert werden. Dieses Konzept berücksichtigt auch fachspezifische Besonderheiten. Handro (2018) schlägt ebenfalls ein Modell zur Strukturierung von Lesestrategien in historischen Lehr- und Lernprozessen vor, das mit dem Konzept von Lindauer et al. (2013) kompatibel ist. Basierend auf diesen beiden Modellen sollen in interdisziplinärer Zusammenarbeit aus Sprach- und Geschichtsdidaktik Leseverstehensprozesssteuerungen (LVPS) entwickelt und deren Wirksamkeit überprüft werden. Das Projekt verfolgt folgende Fragestellung:Forschungsfrage: Wie lässt sich das Verstehen von Geschichtslehrmitteltexten mithilfe von lesedidaktischen Massnahmen (text- und aufgabenseitig) bei AchtklässlerInnen so anleiten, dass das historische Lernen mit diesen Texten besser gelingt?Die Fragestellung wird mit einem mixed methods design bearbeitet, das in vier Phasen gegliedert ist: In Phase I wird ein gut verständlicher Geschichtslehrmitteltext mit textseitig lesedidaktisch orientierten Kohärenzbildungshilfen entwickelt. Dieser kommt in allen nachfolgenden empirischen Studien zum Einsatz. In Phase II wird in qualitativen Leseprozessbeobachtungen untersucht, welche Verstehensschwierigkeiten bei der Bearbeitung dieses Textes bei AchtklässlerInnen auftauchen. Aufgrund der Ergebnisse dieser Problemanalyse zur Textverständlichkeit wird in Phase III eine aufgabenseitige Leseverstehensprozesssteuerung entwickelt, welche den Leseverstehensprozess zu diesem Text anleiten und strukturieren soll. In der letzten Projektphase IV werden sowohl die textseitigen Kohärenzbildungshilfen als auch die aufgabenseitige Leseverstehensprozesssteuerung mithilfe einer quantitativen Interventionsstudie auf ihre Wirksamkeit hin untersucht. Zusätzlich werden qualitative Leseprozessbeobachtungen mit Eyetracking eingesetzt, um die Ursachen für die Wirksamkeit der lesedidaktischen Massnahmen näher bestimmen zu können.
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