Project

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Konflikt und Kooperation. Episteme und Methoden zwischen Kunstgeschichte, Kunst und Ethnologie am Beispiel performativer Bildpraktiken der Vodun

Applicant Küster Bärbel
Number 200691
Funding scheme Project funding
Research institution Kunsthistorisches Institut Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Visual arts and Art history
Start/End 01.08.2021 - 31.07.2024
Approved amount 859'085.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Visual arts and Art history
Ethnology

Keywords (9)

Photography; Transdisciplinarity; Film; Oral History; Performative Art History; Artistic Research; Visual Anthropology; Vodun; Methods of Art History

Lay Summary (German)

Lead
Der Begriff Vodun bezeichnet religiöse Praktiken und Objekte, die dynamische Wissensformen der Überlieferung, Wahrnehmung, Heilung oder Rechtsprechung produzieren. Vodun wurde und wird in westafrikanischen Ländern und afrodiasporischen Kontexten praktiziert und weiterentwickelt. Im Zentrum des Projektes stehen die Bildpraktiken des Vodun in der materiellen Kultur, in bildender Kunst, Film und Musik sowie im virtuellen Raum. Sie werden mit kunst- und bildwissenschaftlichen, künstlerischen und anthropologisch-ethnologischen Methoden aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht.
Lay summary

Durch Kolonisation und transatlantischen Menschenhandel verbreiteten sich von Westafrika aus die Religion und deren Bildobjekte global. Religiöse Vorstellungen, Götter oder ‚Spirits‘, Objekte und performative Praktiken wurden an jeweils lokale Kontexte teils im Widerstand gegen Machtverhältnisse adaptiert und weiterentwickelt. Bis heute bildet Vodun eine Grundlage der Verhandlung von Identitäten in westafrikanischen und afrodiasporischen Kontexten. 

Frühe westliche Ethnologen und bildliche Darstellungen haben Vodun oft exotisiert. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts suchten die Filmemacherin Maya Deren, die Fotografin Leonore Mau und der Schriftsteller Hubert Fichte mittels Filmen, Fotografien und Texten ein vertieftes Verständnis von Vodun zwischen Kunst und Ethnologie, um diesen Exotismus zu überwinden. In Westafrika, in Haïti und vielen diasporischen Kontexten erlebt Vodun gegenwärtig eine neue Öffentlichkeit und kritische Auseinandersetzung, wird in digitalen Räumen edukativ eingesetzt und in künstlerischen Positionen rückangeeignet (re-appropriation). Angesichts der Notwendigkeit globale Perspektiven der Kunstgeschichte pluralistisch und im Dialog zu entwickeln, erprobt das interdisziplinäre Projekt anhand der Praktiken und Objekte der Vodun auch neue methodische Ansätze in Auseinandersetzung mit ethnologischen und künstlerischen Zugängen. 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Über die verschiedenen Zugänge zum Vodun steht die Methodenreflexion zwischen künstlerischer Forschung, Kunstgeschichte und Ethnologie im Zentrum des Projekts. Die Erprobung einer performativen Kunstgeschichte aus unterschiedlichen geografischen Blickwinkeln leistet insofern einen Beitrag zu einem transkulturellen Umbruch in den Geisteswissenschaften. Im Sinne der Pluralisierung von Überlieferungspraktiken und der Vermittlung von Wissen setzt es dafür ebenso bei historischen wie bei aktuellen Positionen an.

Direct link to Lay Summary Last update: 11.06.2021

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Abstract

Aus den Ansätzen einer transkulturellen Kunstgeschichte, die in den letzten Jahren entwickelt wurden (u.a. Fragen nach Zeitgenossenschaft, multiplen Modernen, Migrationsstudien, postkolonialer Kunstgeschichte, Verflechtungsgeschichte) entstand für das Fach ein neuer Forschungsbedarf, wie methodisch auf diese Fragestellungen zu reagieren sei. Das betrifft die Relativität von Fremdheitskonzepten, die Multiplizierung von Perspektiven und (auch politischen) Strategien der Inkorporierung von „fremden“ Kulturen stellen grundlegende Fragen danach, wie methodisch die eigene Positioniertheit, wie dialogische Prozesse und nicht-hierarchische Formen der Wissensproduktion in der Kunstgeschichte zu integrieren sind. Die Ethnologie blickt hierbei auf eine seit fast sechzig Jahre währende Diskussion zurück. Eine neue sensuelle Ethnologie band künstlerische Praktiken in ihre Forschungsmethoden ein, produzierte dabei jedoch auch blinde Flecken, die insbesondere die Verfasstheit des Kunstfeldes (Bourdieu), Ausstellungskontexte etc. betreffen. Es betrifft aber auch den Austausch mit unterschiedlichen Methodiken und Forschungsinteressen aus verschiedenen kulturellen Kontexten. Hier setzt das Forschungsprojekt an: Einerseits auf Erkenntnissen der Ethnologie aufbauend sollen kunsthistorisch detaillierte Bildanalysen eingebracht sowie künstlerische Produktionskontexte und global rezipierte Ausstellungspraktiken mit ihren Displays auch in historischer Hinsicht untersucht werden. Andererseits sollen explizit Forschungen aus dem Globalen Süden und aus Kulturen, in denen Vodun praktiziert wird, einbezogen werden. Durch eine „performative Kunstgeschichte“ und Ansätze einer „Oral Art History“ wird dabei zudem selbstreflexiven, dialogischen und partizipatorischen Wissenspraktiken entsprochen und so ein Beitrag zu einer methodischen Weiterentwicklung des Fachs geleistet.
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