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"Der späte Nietzsche". Manuskriptedition des Nachlasses 1885-1889

English title "The Later Nietzsche". Manuscript Edition of the Posthumous Papers 1885-1889
Applicant Thüring Hubert
Number 198240
Funding scheme Editionen
Research institution Deutsches Seminar Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline Philosophy
Start/End 01.01.2021 - 31.12.2021
Approved amount 457'064.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Philosophy
German and English languages and literature

Keywords (6)

Nietzsche; Nachlass; Manuskriptedition; Textgenese; Schreibprozess; Digitale Edition

Lay Summary (German)

Lead
Das deutsch-schweizerische Editionsprojekt „Der späte Nietzsche“ veröffentlicht Friedrich Nietzsches späten Nachlass erstmals vollständig und manuskriptgetreu. Die Manuskriptedition erscheint seit 2001 in der von Giorgio Colli und Mazzino Montinari begründeten Kritischen Gesamtausgabe der Werke als neunte Abteilung (KGW IX). Die Publikation der noch ausstehenden Manuskripte erfolgt zusätzlich in einer an der Universität Basel entwickelten und betreuten digitalen Edition.
Lay summary
Nietzsches später Nachlass, aus dem seine Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche das Phantom-Werk „Der Wille zur Macht“ (1901 bzw. 1906/11) kompiliert hat, wird erstmals als Heft- und Mappenedition publiziert. Dadurch wird zum einen das Ausmaß jener in der Editionsgeschichte beispiellosen Werkfälschung transparent gemacht, zum anderen der Nietzscheforschung eine gesicherte und vollständige Textgrundlage zur Verfügung gestellt. 
Mit der differenzierten Transkription und digitalen Faksimilierung der Handschriften sowie einem editorischen Nachbericht schließt KGW IX die Edition und Kommentierung des späten Nachlasses in KGW ab. Vorrangige Absicht ist es, die Manuskripte in ihrer Gesamtheit zu dokumentieren und den typischen Notatcharakter der Aufzeichnungen aufzuzeigen. Statt (wie in bisherigen Ausgaben üblich) in Form geglätteter Lesetexte einen falsch-eindeutigen Text zu bieten, werden in einer diplomatischen Umschrift alle Korrekturvorgänge, Streichungen, späteren Überarbeitungen etc. wiedergegeben. Und statt die Aufzeichnungen in eine chronologische Ordnung zu zwängen, die sich in vielen Fällen gar nicht ermitteln lässt und darum immer auch editorisch willkürlich bleibt, wird die ursprüngliche topologische Anordnung beibehalten. Die Manuskriptedition ermöglicht dadurch neue Einsichten in den Schreibprozess und die Textgenese beim späten Nietzsche. 
Für das nach Abschluss der Edition der Hefte noch zu edierende Material, die späten Aufzeichnungen auf losen, in Archivmappen gesammelten Blättern, ist zusätzlich eine digitale Edition im Aufbau. In dieser Onlineausgabe werden die Manuskripte mit sämtlichen editorischen Informationen sowohl als Faksimile wie auch in der differenzierten Transkription je einzeln und in synoptischer Darstellung offen zugänglich sowie zitier-, durchsuch- und auswertbar sein.
 
Direct link to Lay Summary Last update: 06.11.2020

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Number Title Start Funding scheme
180902 "Der späte Nietzsche". Manuskriptedition des Nachlasses 1885-1889 01.04.2019 Editionen

Abstract

Das deutsch-schweizerische Editionsprojekt „Der späte Nietzsche“ veröffentlicht Friedrich Nietzsches Nachlass von Frühjahr 1885 bis Januar 1889 erstmals integral und manuskriptgetreu in differenzierter Transkription. Die Manuskriptedition erscheint seit 2001 als Abteilung IX im Rahmen der von Giorgio Colli und Mazzino Montinari begründeten Kritischen Gesamtausgabe der Werke (KGW). Von den geplanten dreizehn Bänden sind elf Bände, die die Edition der späten Aufzeichnungen in Heften umfassen, bereits publiziert (KGW IX 1-11): Notizhefte N VII 1-4, Arbeitshefte W I 3-8 und W II 1-10 sowie Aufzeichnungen aus diversen Heften; die Faksimiles der Manuskripte sind als Digitalisate zusammen mit einem Nachbericht jeweils auf CD-ROM beigegeben. Für die bevorstehende Publikation der späten Aufzeichnungen, die auf losen Blättern in Archivmappen überliefert sind, ist zusätzlich eine von Schweizer Seite aus entwickelte und betreute digitale Edition am Entstehen.Die besondere editionsgeschichtliche Bedeutung der Manuskriptedition des späten Nachlasses liegt in der Auflösung der von Editorenhand aus Nietzsches Nachlass kreierten Phantom-Texte, die seit dem Erscheinen von ‚Der Wille zur Macht‘ (1901 und 1906/11) in den Ausgaben herumgeistern und das Bild Nietzsches wesentlich geprägt haben und immer noch prägen. Auch die einem chronologisch-textgenetischen Mischprinzip folgende Edition der „Nachgelassenen Fragmente“ in KGW VII und VIII (1967ff.) beförderte noch die Wahrnehmung des Nachlasses als eines separaten Bestandes zusätzlicher, problemlos zitier- und interpretierbarer Nietzsche-Texte, die sich vom autorisierten Werk nur graduell zu unterscheiden schienen. Erst die Manuskriptedition vermag diese falsche Wahrnehmung zu korrigieren, indem sie einen neuen, unverstellten Blick auf die nachgelassenen Aufzeichnungen in ihrem typischen Notat- und Entwurfcharakter ermöglicht. Sie erschließt den späten Nachlass, auch viel bislang unbekanntes Textmaterial (Vorstufen, Varianten, Briefentwürfe, Gelegenheitsnotizen), gemäß der topologischen Anordnung der Aufzeichnungen und sie veranschaulicht Schreibprozess und Textgenese mit der Wiedergabe aller Korrekturvorgänge, Streichungen, Überarbeitungen usw. in einer auch editionsphilologisch neue Maßstäbe setzenden differenzierten Transkription.Die Publikation der Aufzeichnungen aus den Archivmappen Mp XIV-XVIII erfolgt als Buchausgabe (KGW IX 12-13) und auf „Nietzsche Online“ im Verlag Walter de Gruyter sowie als Onlineausgabe in Kooperation mit der „Nationalen Infrastruktur für Editionen“ (NIE-INE) an der Universität Basel. Die digitale Edition wird die Einzelblätter mit sämtlichen editorischen Informationen sowohl als Faksimile wie auch in der differenzierten Transkription je einzeln wie auch in einer synoptischen Darstellung in elektronischer Form offen zugänglich („Open Access“) und langfristig verfügbar sowie zitier-, durchsuch- und auswertbar machen. Neben der für die Printausgabe maßgeblichen archivalischen Ordnung lassen sich die Manuskripte in der digitalen Edition auch in editorisch rekonstruierten Anordnungen anzeigen. Durch Verlinkung der entsprechenden Stellen werden die textgenetischen Querverweise zu den Ab-schreibprozessen unmittelbar in die Manuskriptedition integriert. Optional ist die digitale Edition erweiter- und ausbaubar sowie mit anderen Projekten vernetzbar.
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