Project

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Auto_Bio_Grafie als Performance. Ein tanzhistoriografisches Innovationsfeld

English title Auto_Bio_Graphy as Performance. A field of dance historiographic innovation
Applicant Thurner Christina
Number 192436
Funding scheme Project funding
Research institution Institut für Theaterwissenschaft Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Theatre and Cinema
Start/End 01.09.2020 - 31.08.2024
Approved amount 787'029.00
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Keywords (14)

Tanzgeschichte; Oral History; Autobiografie; Schweiz; Historiografie; Quellenkritik; Tänzer_innen; Performance; Dance History; Autobiography; Switzerland; Historiography; Source Criticism; Dancers

Lay Summary (German)

Lead
Autobiografien von Tanzschaffenden bieten einen einzigartigen Fundus an Informationen für die Tanzgeschichtsschreibung. Gemeint sind schriftliche ‚Selbstzeugnisse‘ von Tänzer_innen (in Buchform), aber auch mündliche (Oral History-Gespräche mit Zeitzeug_innen) und aufgeführte (Stücke, Choreografien, Performances).
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Auto_Bio_Grafien, d.h. Beschreibungen (grafie) des Lebens (bio) Einzelner durch diese selbst (auto), sind Wissens- und Erfahrungsspeicher. Um daraus Erkenntnisse für die Tanzgeschichtsschreibung zu schöpfen, muss ihr spezifischer Quellenstatus berücksichtigt und stets mit reflektiert werden. Das Projekt verfolgt deshalb ein doppeltes Ziel: Einerseits soll ein historisch, (tanz-)kulturell und medial möglichst breites Spektrum an Darlegungen verschiedener Tänzer_innen-Leben je exemplarisch erfasst, thematisch untersucht sowie im Zusammenhang historiografisch ausgewertet werden; andererseits gilt es, das Verhältnis zwischen den jeweiligen tanzgeschichtlichen Diskursen und den autobiografischen Er-/Zeugnissen zu reflektieren und (neu) zu be-/schreiben. Folgende Fragen sind erkenntnisleitend: Wie ist mit Selbstzeugnissen von Tänzer_innen etwa in Bezug auf ihr Tanzverständnis, die (tanz-) historischen, phänomenalen und medialen Kontexte umzugehen? Wie werden ‚Tanzerfahrungen‘ jeweils präsentiert? Und wie geht man als Historiker_in damit um bzw. welche neuen Erkenntnisse lassen sich im Hinblick auf die Tanzgeschichtsschreibung sowie auf die Autobiografieforschung daraus ableiten?


Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das boomende Genre der Autobiografie wird als Gegenstand (tanz-)wissenschaftlich ernst genommen und historiografisch produktiv gemacht. Ausserdem fokussiert das Projekt auch auf bisher wenig beachtete autobiografische Formen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Hebung von unbekannten Materialien bis – im Falle der Oral History Gespräche mit Zeitzeug_innen (oft im fortgeschrittenen Alter) – gar zur dringenden Daten-‚Rettung‘ und zur Generierung von einzigartigen Quellen.

Direct link to Lay Summary Last update: 26.11.2020

Lay Summary (English)

Lead
Autobiographies of dancers are unique sources of information for dance historiography. By autobiography, what is meant are dancers’ 'personal testimonies' in written form (as books), as well as statements that are spoken (oral history conversations with contemporary witnesses) and performed (pieces, performances and choreographies).
Lay summary

Content and Aim of the Research Project

Auto_Bio_Graphies, i.e. individual’s (auto), descriptions (graphy) of their lives (bio), are records of knowledge and experience. In order to draw knowledge from autobiographical sources for the purpose of dance historiography, their specific status as sources must be further taken into account and reflected upon. The project therefore pursues a twofold objective: first, a broad spectrum of autobiographical sources elaborating upon dancers' lives will be gathered, thematically examined and historiographically evaluated in context; second, the aim is to reflect on and (re) describe / rewrite the relationship between existing dance and historical discourse and the autobiographical testimonies. The following questions motivate this endeavor: How should dance scholars treat the ‘personal testimonies’ of dancers with regard to their understanding of dance, the (dance) historical, phenomenal and medial contexts? How are ‘dance experiences' presented within autobiographical description? What new findings can be derived from these sources, with regard to writing dance historiography as well as autobiography research?

Scientific and Social Context

The booming genre of autobiography is here taken seriously as an object of dance studies and made historiographically productive. The project includes autobiographical forms that have so far been neglected and makes an important contribution to the collection of unknown materials. In particular, oral history discussions with contemporary witnesses (often in the elderly population) are deemed urgent data to 'rescue', thereby generating unique archival sources for dance research.

Direct link to Lay Summary Last update: 26.11.2020

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Publications

Publication
Dancing Life Stories: Embodied Auto-bio-narratives
Thurner Christina (2021), Dancing Life Stories: Embodied Auto-bio-narratives, in Gianvittorio-Ungar Laura, Schlapbach Karin (ed.), BRILL, Leiden, Boston, 214-233.

Abstract

Das Projekt untersucht aus tanzgeschichtlicher Perspektive autobiografische ‚Erzeugnisse‘ von Tänzer_innen und Choreograf_innen (19. bis 21. Jahrhundert). Obwohl die Autobiografieforschung derzeit u.a. in den Literatur-, Geschichts- und Kulturwissenschaften (wieder) ‚boomt‘, der literarische sowie der Quellen-‚Wert‘ von Autobiografien rege diskutiert und problematisiert wurde/wird, bildet die Erforschung von Autobiografien in der Tanzwissenschaft bisher ein Desiderat. Als Wissens- und Erfahrungsspeicher bieten diese jedoch einen einzigartigen Fundus an oftmals alternativ perspektivierten Informationen für die Tanzgeschichtsschreibung, wobei freilich ihr spezifischer Quellenstatus berücksichtigt und stets mit reflektiert werden muss. Auto_Bio_Grafien, d.h. Beschreibungen (grafie) des Lebens (bio) Einzelner durch diese selbst (auto), begreift die projektierte Forschung in ihrer performativen Verfasstheit zur Konstitution und Ermächtigung des/eines ‚Selbst‘. Der Fokus ist dabei ein doppelter: Einerseits soll ein historisch, (tanz-)kulturell und medial möglichst breites Spektrum an Darlegungen verschiedener Tänzer_innen-Leben je exemplarisch erfasst, thematisch untersucht sowie im Zusammenhang historiografisch ausgewertet werden; andererseits gilt es, das Verhältnis zwischen den jeweiligen tanzhistorischen Diskursen und den autobiografischen Er-/Zeugnissen zu reflektieren und neu zu be-/schreiben. Folgende Fragen sind erkenntnisleitend: Wie ist mit Selbstaussagen von Tänzer_innen etwa in Bezug auf das jeweilige Tanzverständnis, die (tanz-) historischen, phänomenalen und medialen Kontexte umzugehen? Wie werden ‚Tanzerfahrungen‘ jeweils diskursiviert und/oder performativ präsentiert? Und wie ist damit historiografisch zu verfahren bzw. welche neuen Erkenntnisse lassen sich im Hinblick auf die Tanzgeschichtsschreibung sowie auf die Autobiografieforschung daraus ableiten? Ziel ist eine tanzwissenschaftlich fundierte Bearbeitung des Themas. Das Projekt basiert auf interdisziplinärer Forschung zu Autobiografik, nimmt dabei aber disziplinär ein eigenes, weites Korpus zusammenhängend in den Blick, macht dieses fachspezifisch produktiv und wiederum fachübergreifend anschlussfähig. Als konsequente Weiterverfolgung und innovative Erweiterung der bisherigen historiografischen und diskursanalytischen Forschung der Antragstellerin und ihres Teams zielt dieses Projekt (bestehend aus drei Teilprojekten) auf eine Revision der Tanzgeschichte bzw. der Tanzgeschichtsschreibung, indem es den Fokus sowohl auf schriftliche ‚Selbstzeugnisse‘ von Tänzer_innen richtet (d.s. in Buchform publizierte oder als Manuskripte greifbare Autobiografien), als auch auf mündliche (Oral History-Gespräche mit Zeitzeug_innen) und auf aufgeführte (Stücke, Choreografien, Performances) - stets unter Beachtung ihrer jeweiligen Verfahrensweisen und ihres epistemologischen Potentials. Damit schafft das Projekt ein (tanz-)wissenschaftliches Innovationsfeld, das einerseits auf die Gegenstände, andererseits auf Methoden zielt und die Autobiografieforschung erstmalig grundlegend als Teilgebiet der Tanzhistoriografie etabliert. Eine möglichst weite Distribution der Debatten und Forschungsergebnisse erfolgt mittels dreier Monografien (print und open-access), einer begleitenden digitalen Publikation sowie öffentlicher Workshops zum Verhältnis von disziplinärer und interdisziplinärer Autobiografieforschung einerseits und zu Erinnerungs- und Archivierungsprozessen im Tanz andererseits.
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