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Religionskritik im Nahen Osten und ihre Transformation angesichts neuer Erfahrungsräume und Erwartungshorizonte (1930-er bis 1990-er Jahre)

English title Criticism of Religion in the Middle East and its transformation in the face of new spaces of experience and expectation horizons (1930s to 1990s)
Applicant Tolino Serena
Number 192189
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Other languages and literature
Start/End 01.05.2020 - 30.04.2023
Approved amount 400'000.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Other languages and literature
Philosophy

Keywords (20)

Atheismus; Ägypten ; Toleranz; Global Conceptual History; Religionsphilosophie; Liberalismus; Syrien; Iran; Libanon; Global Intellectual History; Säkularismus; Agnostizismus; Marxismus; Sozialismus; Wissensgeschichte; Islam; Freiheit; Begriffsgeschichte; Religionskritik; Intoleranz

Lay Summary (German)

Lead
Das Projekt hat zum Ziel, die religionskritischen Ansätze und Konzepte in der Zeit der Dekolonisierung und der etablierten arabischen Nationalstaaten und des Irans zu erfassen und ihre Transformation im Verlaufe von ungefähr siebzig Jahren zu analysieren und zu deuten. Es schliesst unmittelbar an das Projekt “Philosophische Religionskritik im Nahen Osten - Geschichten west-östlicher Verflechtungen” an.
Lay summary
Das Forschungsprojekt will die Ideologisierung und Polarisierung sowie die implizite Religionskritik der 1930-er bis 1990-er Jahre in den Blick nehmen und anhand der Schriften wirkmächtiger ägyptischer, iranischer, libanesischer und syrischer Intellektueller sowie einflussreicher Zeitschriften erschliessen. In dieser von innenpolitischen und innergesellschaftlichen Erfahrungen und Erwartungen stark geprägten Zeit gewannen zuvor unscharf verwendete Begriffe an Klarheit, nicht zuletzt durch die Schaffung von eindeutigen Gegenbegriffe  wie etwa bidini (persisch “Religionslosigkeit”) zu din (“Religion”). Zugleich tritt neben die um die Wende zum 19. Jahrhundert gepflegte explizite Religionskritik vermehrt eine implizite Religionskritik, sei es durch Ausblendung oder ‘Aushöhlung’ der Religion oder durch philosophisch-literarische Darbietung religiöser Stoffe in Form von Parabeln und Erzählungen. Ein weiterer Transformationseffekt ist eine Verwissenschaftlichung des Religionskonzepts in Form von Religionsphilosophie.

Das Projekt versteht sich als Beitrag zur Islam- und Nahostwissenschaft, Philosophie, Komparativen Philosophie und Religionswissenschaft, zur Modernitäts-, Orientalismus- und Okzidentalismusforschung sowie zur Begriffs- und Wissensgeschichte, zur Histoire croisée, Kommunikations- und Kulturkontaktgeschichte und zur Global Conceptual und Global Intellectual History.
Direct link to Lay Summary Last update: 18.04.2020

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
172812 Philosophische Religionskritik im Nahen Osten - Geschichten west-östlicher Verflechtungen 01.05.2017 Project funding (Div. I-III)
152726 Grundriss der Geschichte der Philosophie (Ueberweg): Philosophie in der islamischen Welt 01.04.2014 Project funding (special)

Abstract

Titel des Gesamtprojekts: Religionskritik im Nahen Osten und ihre Transformation angesichts neuer Erfahrungsräume und Erwartungshorizonte (1930-er bis 1990-er Jahre) / Criticism of Religion in the Middle East and its transformation in the face of new spaces of experience and expectation horizons (1930s to 1990s) 1. Zusammenfassung des ForschungsplanesDas Projekt schliesst unmittelbar an das noch laufende Projekt “Philosophische Religionskritik im Nahen Osten - Geschichten west-östlicher Verflechtungen” (Beitrag Nr. 100015_172812 / 1) an. Dessen Ausgangsthesen haben sich als sehr tragfähig erwiesen und dienen auch dem Anschlussprojekt als Basis, doch werden in der Folge nicht mehr die durch unmittelbaren Kontakt und Wissenstransfer gekennzeichneten religionskritischen Positionen im Zeitalter des Imperialismus und der ersten modernen Staatsbildungen im Nahen Osten im Vordergrund stehen. Der Fokus wird stattdessen auf der Transformation religionskritischer Konzepte in der Zeit der Dekolonisierung und der etablierten Nationalstaaten liegen. Diese Transformation, so eine neu hinzukommende These, ist in erster Linie von innenpolitischen und innergesellschaftlichen Erfahrungen und Erwartungen geprägt. Diese bewirken zum einen eine Ideologisierung und Polarisierung, etwa durch die Schaffung “korrespondierend-antonymischer Gegenbegriffe” (Leonhard 1998), etwa "bidini" (persisch “Religionslosigkeit”) zu "din" (“Religion”). Zum anderen tritt neben die explizite Religionskritik vermehrt eine implizite Religionskritik, sei es durch Ausblendung oder ‘Aushöhlung’ der Religion (so bei arabischen und iranischen Wortführern des sozialistischen Realismus) oder durch philosophisch-literarische Darbietung religiöser Stoffe in Form von Parabeln und Erzählungen. Ein weiterer Transformationseffekt ist eine Verwissenschaftlichung des Religionskonzepts in Form von Religionsphilosophie, die seit den 1990-er Jahren erstmals akademisch in einigen arabischen Staaten und in Iran Fuss fasst. Das Forschungsprojekt will die Ideologisierung und Polarisierung sowie die implizite Religionskritik der 1930-er bis 1990-er Jahre in den Blick nehmen und anhand der Schriften wirkmächtiger ägyptischer, iranischer, libanesischer und syrischer Intellektueller sowie einflussreicher Zeitschriften erschliessen. Als theoretischer Rahmen und methodischer Ansatz dienen Reinhart Kosellecks Begriffsgeschichte (Koselleck 1972, 2006, 2017) und deren Erprobung in aussereuropäischen Kontexten (Reinhart Koselleck-Projekt 2019-2024, Leitung R. Elberfeld; Pernau 2018; Zemmin 2018; Pernau/Sachsenmeier 2016; Schulz-Forberg 2014). PB 1 (Mahdi Rezaei-Tazik) untersucht Schriften der iranischen Intellektuellen Taqi-ye Arani (1903-1940), Ali-ye Dašti (1894-1982), Šogaoddin-e Šafa (1918-2010) und Arameš-e Dustdar (geb. 1931/2); das Textkorpus von PB 2 (Sevinç Yasargil) bilden arabische liberale, marxistische und sozialistische Kulturzeitschriften sowie philosophische Fachzeitschriften; PB 3 (Antragstellerin, Anke von Kügelgen) jene von Taha Husain (1889-1973), Abdallah al-Qasimi (1907-1996), Fuad Zakariyya (1928-2010), Sadik Jalal al-Azm (1934-2016), Tayyib Tizini (1938-2019) und Nasif Nassar (geb. 1940). Zu den religionskritischen Konzepten der genannten Autoren und Zeitschriften liegen bislang weder systematische Einzeluntersuchungen noch vergleichende Studien vor. Die Forschungsergebnisse der drei Teilprojekte sollen in Form von Artikeln in (peer-reviewed) Fachzeitschriften und einer Monographie zur iranischen Religionskritik sowie auf Konferenzen, in Lehrveranstaltungen und auf Online-Plattformen, die ein breiteres Publikum ansprechen, öffentlich gemacht werden.
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