Project

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Mensch und Haus. Wohnen, Bauen und Wirtschaften in der ländlichen Schweiz

English title People and Houses. Dwelling, Constructing and House Keeping in Rural Switzerland
Applicant Leimgruber Walter
Number 189398
Funding scheme Project funding
Research institution Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline Ethnology
Start/End 01.06.2020 - 31.05.2024
Approved amount 1'200'000.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Ethnology
General history (without pre-and early history)

Keywords (14)

Bauernhaus; Baugeschichte; Biographieforschung; Genealogische Forschung; Familienforschung; Agrargeschichte; Landwirtschaft; ländliches Leben; Citizen Science; digital humanities; Dorf; Region; Schweiz; Freilichtmuseum Ballenberg

Lay Summary (German)

Lead
Das Projekt untersucht an ausgewählten Fallbeispielen des Museums den Zusammenhang der Lebensgeschichten von Bauernhäusern und von den Menschen, die in ihnen gelebt haben. Der Untersuchungszeitraum reicht von der Gegenwart soweit in die Vergangenheit, wie Quellen zu finden sind. Baugeschichte, Archivrecherchen, Bildquellen und mündliche Zeugnisse werden erschlossen.
Lay summary

Landschaft und Landwirtschaft in der Schweiz verändern sich rasant. Viele alte Bauernhäuser als Zeugen ländlichen und dörflichen Lebens sind längst abgerissen oder stehen im Freilichtmuseum Ballenberg. Das Projekt untersucht an ausgewählten Fallbeispielen des Museums den Zusammenhang der Lebensgeschichten von Bauernhäusern und von den Menschen, die in ihnen gelebt haben. Es zeigt diese Verwobenheiten in den konkreten Praktiken des Bauens, Lebens, Wohnens und Wirtschaftens im Laufe der Generationen. Haus und Mensch werden in ihrer wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Wechselwirkung untersucht, wobei beide als Akteure mit eigener Wirkmächtigkeit gesehen werden. Einrichtungen, Nebengebäude, Tiere, Umschwung und bewirtschaftete Grundstücke werden ebenfalls einbezogen.

Der Untersuchungszeitraum reicht von der Gegenwart soweit in die Vergangenheit, wie Quellen zu finden sind. Baugeschichte, Archivrecherchen, Bildquellen und mündliche Zeugnisse werden erschlossen. 

Das Projekt fragt mit einem interdisziplinär ausgerichteten Ansatz nach den Wechselwirkungen von Mensch, materieller Kultur, Natur und Lebensweise und verknüpft bauhistorische, sozial- und wirtschaftsgeschichtliche, kulturanthropologische und biographische Ansätze. Dabei fokussiert es auf die Transformationsprozesse, auf Wandel und Krisen. Es arbeitet eng mit Familienforschenden, Forschenden zur Agrargeschiche und lokalen historischen Vereinen zusammen und bezieht im Rahmen von Citizen Science auch eine weitere Bevölkerung mit ein. Die erhobenen Daten werden in einer Datenbank öffentlich zugänglich gemacht. 

Direct link to Lay Summary Last update: 02.04.2020

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Abstract

Eine landwirtschaftlich geprägte, harmonische Landschaft mit freiheitsliebenden Bauern in einem gepflegten Haus gehört zu den markantesten Stereotypen der Schweiz. Dieses Bild ist eng mit dem wissenschaftlichen Interesse an Bauern und ihren Häusern verwoben. Die Bauernhausforschung in der Schweiz hat von diesem Bild ebenso profitiert, wie sie es verfestigt, es besonders in den letzten Jahrzehnten aber auch zunehmend differenziert und entromantisiert hat. Das Freilichtmuseum Ballenberg (abgekürzt FMB) ist seit 1978 der zentrale Ort, an dem ländliches Leben ausgestellt und vermittelt wird. Hier differenziert sich das Bild der bäuerlichen Schweiz und soll sich durch die Anwendung von aktuellen Ansätzen der Haus-, Biografie- und der Baubetriebsforschung auf die „vormuseale Biographie” ausgewählter Ballenberghäuser und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner im Rahmen des vorliegenden Projektes weiter differenzieren. Einrichtungen, Nebengebäude, Tiere, Umschwung und bewirtschaftete Grundstücke werden ebenfalls einbezogen.Nachdem Häuser und Personen lange als gegebene Einheiten festgeschrieben wurden, wählt das Projekt einen praxeologischen Zugang und versteht beide als Akteure mit eigener Wirkmächtigkeit. Sowohl Personen als auch Häuser sind - entgegen strukturalistischer Menschen- und Hausbilder - nie "fertig" und abgeschlossen, sondern verändern sich stetig weiter. Auch in einem scheinbar auf Stabilitäten beruhenden ländlich-vormodernen Leben existieren keine fixen Gegebenheiten. Vielmehr änderten sich menschliche Verhaltensweisen, familiäre Situationen und Lebensstil auch hier mit Krisen, Umbrüchen und neuen Erkenntnissen und wurden landwirtschaftliche Häuser immer wieder um- und weitergebaut und neu genutzt. Person und Haus verstehen wir deshalb als Versammlungen von „multiple entanglements” und in diesem Sinn als „biographical objects” , die sich mit Feldforschung und ethnografischen wie auch mit archivalischen und baugeschichtlichen Ansätzen entschlüsseln lassen. Teilprojekt A untersucht aus historisch-biografischer Perspektive die Geschichte der Bewohnerinnen und Bewohner einiger Häusern aus verschiedenen Regionen. Es stützt sich dabei auf Daten aus Citizen Science Vorhaben, Archivrecherchen und genealogischer Forschung, deren Potential gerade durch die Digitalisierung gegenwärtig steigt. Teilprojekt B nimmt aus baugeschichtlicher, baukonstruktiver und handwerklicher Perspektive den Prozess des Bauens, des Umbauens und des Weiterbauens der jeweiligen Häuser in den Fokus. Im Rahmen des Projektes wird im FMB eine Datenbank zum ländlichen Leben in der Schweiz aufgebaut. Das Projekt ist eine Kooperation des Seminars für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel, der Hochschule Luzern - Technik & Architektur, dem FMB, des Digital Humanities Lab der Universität Basel, dem Institut für Denkmalpflege und Bauforschung der ETH Zürich, der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, der Schweizerischen Gesellschaft für Familienforschung und verschiedener lokaler und regionaler historischer Vereine.
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