Project

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Orte der Sozialpädagogik in der Gesellschaft - Praktiken der Relationierung und Gestaltung

English title Places of social pedagogy in society - practices of relationing and (re)shaping
Applicant Reutlinger Christian
Number 188925
Funding scheme Project funding
Research institution Institut für Soziale Arbeit und Räume Fachhochschule St. Gallen FHO Fachhochschule Ostschweiz
Institution of higher education Eastern Switzerland University of Applied Sciences - OST
Main discipline Social work
Start/End 01.06.2020 - 31.05.2024
Approved amount 440'244.00
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All Disciplines (3)

Discipline
Social work
Sociology
Social geography and ecology

Keywords (7)

offen Kinder- und Jugendarbeit; Pädagogischer Ort; stationären Unterbringung und Erziehung ; spatial turn; Aneignung; Soziale Arbeit; Sozialpädagogik

Lay Summary (German)

Lead
Transformationsprozesse der vergangenen Jahrzehnte wie Globalisierung, Digitalisierung oder politische Umbrüche führen zu einer Veränderung der Welt in räumlicher Hinsicht und im Ergebnis zu einem komplexen und dynamischen gesellschaftlichen Gefüge. Kinder und Jugendliche müssen sich beim Hineinwachsen in dieses Gefüge die Zusammenhänge erst aneignen. Sozialpädagog*innen unterstützen junge Menschen bei diesen Aneignungsprozessen, indem sie pädagogische Orte professionell gestalten. In diesem Gestaltungsprozess pädagogischer Orte vermitteln sie zwischen Individuum und gesellschaftlichem Gefüge resp. setzen sie Orte der Sozialpädagogik in Beziehung zum gesellschaftlichen Gefüge. Diese pädagogischen Praktiken stellen den Gegenstand des Forschungsvorhabens dar.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojektes

Wie Orte der Sozialpädagogik konkret zum gesellschaftlichen Gefüge in Beziehung gesetzt werden, wird im Projekt ausgehend von der professionellen Praxis differenziert beschrieben und systematisch aufgearbeitet. Die Erkenntnisse bieten Professionellen der Sozialpädagogik Reflexionsgrundlagen, damit sie ihre Praktiken der Ortsgestaltung bewusst in den Blick nehmen können. Sie tragen dazu bei, die bisherigen auf den Sozialraumbegriff enggeführten Reden vom Raum in der Sozialpädagogik mit einem empirisch fundierten, praxisnahen Konzept des Ortes anzureichern.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Mit der empirischen Erforschung pädagogischer Orte und ihrer Relationierung zum gesellschaftlichen Gefüge führt das Projekt exemplarisch aus, was in konzeptioneller Hinsicht länger schon gefordert wird: systematisch pädagogische Praktiken in ihrer räumlichen Dimensionierung aufzuschliessen. In der Konsequenz führen die erwarteten Ergebnisse dazu, den Sozialraumdiskurs aus einer sozialpädagogischen Perspektive zu erweitern.

Direct link to Lay Summary Last update: 26.08.2020

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
169370 Bewältigung von drohendem Wohnungsverlust - die soziale Seite gebietsbezogener baulich-planerischer Strategien (WOHNSOG) 01.04.2017 Project funding
64698 Jugend und Stadt im Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft - ein schweizerisch - europäischer Städtevergleich (J&S). 01.07.2003 Fellowships for advanced researchers
167808 Children’s Geographies und räumliche Verdichtung - Der englischsprachige Diskurs zu Kindern und verdichtetem Raum und seine Anschlussstellen zum deutschsprachigen Diskurs um kinderfreundliche Siedlungsentwicklung 01.05.2016 International short research visits
116246 Rekonstruktion des Sozialraums Schule im Kontext von Quartiersentwicklung am Bsp. zweier Quartiere in der Stadt Schaffhausen 01.04.2007 DORE project funding
124651 Massnahmen im öffentlichen Raum. Eine vergleichende Analyse kommunaler Strategien im Umgang mit aktuellen Formen der Unordnung. 01.04.2009 DORE project funding
136513 Global cities, gated communities und alltägliche Unterstützung in transnationalisierten Nachbarschaften 01.05.2011 International short research visits
153167 Praktiken pädagogischer Ortsgestaltung. Eine ethnographische Studie im sozialpädagogischen Feld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (kurz: Porta OKJA) 01.05.2014 Project funding

Abstract

Verschiedene Phänomene und Transformationsprozesse im Zuge von Globalisierung, (Re-)Nationalisierung oder Digitalisierung erhöhen seit den 1960er Jahren die Komplexität im Alltag der Menschen in räumlicher Hinsicht, was gerade junge Menschen vor besondere Herausforderungen stellt. Aneignungsprozesse, im Sinne des „In die Welt Hineinwachsens“ (Colla 2014, S. 168), können unter diesen Voraussetzungen ins Stocken geraten oder ganz zum Stillstand kommen. Davon ausgehend stellt sich aus sozialpädagogischer Sicht die Frage, wie das Aufwachsen junger Menschen in einer solchen Welt pädagogisch begleitet werden kann. Sozialpädagogik schafft - unter Bezugnahme auf die gegebenen Lebensverhältnisse der Kinder und Jugendlichen, aber auch in bewusster Abgrenzung zu diesen - Orte, an denen sich Kinder und Jugendliche sozialpädagogisch vermittelt gesellschaftliche Zusammenhänge aneignen können (Winkler 1988).Bisher ist kaum empirisch untersucht, in welchem Verhältnis diese Orte zur Gesellschaft stehen, die angesichts der Veränderungen ebenfalls nicht länger homogen und einheitlich, sondern vielmehr als vielfältiges Gefüge verstanden werden muss. Um diese Lücke zu schliessen werden im beantragten Projekt Praktiken der pädagogischen Ortsgestaltung fokussiert, in denen Relationen zwischen pädagogischem Ort und gesellschaftlichem Gefüge durch Professionelle hergestellt werden, um die Konstitution des pädagogischen Ortes auszudifferenzieren. Daraus ergeben sich folgende drei Forschungsfragen:1. Welche Relationen stellen Professionelle der Sozialen Arbeit zwischen dem pädagogischen Ort und Entwürfen vom gesellschaftlichen Gefüge her? 2. Wie wirken diese Relationen als Teil der Praktiken pädagogischer Ortsgestaltung auf die (Re-)Produktion des pädagogischen Ortes und dessen konkrete Gestalt? 3. Welche Typen pädagogischer Orte lassen sich hinsichtlich ihrer Relationierung zu Entwürfen vom gesellschaftlichen Gefüge identifizieren?Mit dem Ziel, einen gegenstandsbegründeten Theoriebildungsprozess zu erreichen, wird im beantragten Projekt ein ethnographisches Vorgehen mit dem Gruppendiskussionsverfahren komplementiert. So werden einerseits die sich am pädagogischen Ort manifestierenden Praktiken der Professionellen, andererseits auch das implizite, in Handlungen und Sprechakte eingelagerte In-Bezug-Setzen des pädagogischen Ortes zum entworfenen gesellschaftlichen Gefüge erforscht. Die Auswahl der sechs Fälle folgt entlang zweier sich maximal kontrastierender Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe in der Schweiz. Um eine grösstmögliche Heterogenität der Relationen zwischen dem pädagogischen Ort und den Entwürfen des gesellschaftlichen Gefüges zu erreichen, wird die Offene Kinder- und Jugendarbeit der stationären Unterbringung und Erziehung gegenübergestellt.Mit der empirischen Erforschung pädagogischer Orte führt das geplante Projekt exemplarisch aus, was in konzeptioneller Hinsicht länger schon gefordert wird: die systematische Erkundung pädagogischer Prozesse, Praktiken und Denkweisen in ihrer räumlichen Dimensionierung (Kessl 2016, S. 15). In der Konsequenz führen die zu erwartenden Ergebnisse dazu, den sozialpädagogischen Sozialraumdiskurs, welcher seit den 1990er Jahren in der bundesdeutschen Kinder- und Jugendhilfe diskutiert wird (vgl. bspw. May 2001; May 2016), mit einem empirisch fundierten, praxisnahen Konzept des Ortes anzureichern (Kessl/Maurer 2019). Darüber hinaus kann das Projekt aber auch die Lücken zum interdisziplinären Raumdiskurs zur Re-Figuration von Räumen (Löw 2018; Knoblauch/Löw 2017) schliessen, in dem bisher eine pädagogische Perspektive fehlt.
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