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Flüchtiges Sammeln. Voraussetzungen und Möglichkeiten der Aufnahme von Performancekunst in Sammlungen

English title Collecting the Ephemeral. Conditions and Possibilities of Collecting Performance Art
Applicant Mader Rachel
Number 185437
Funding scheme Project funding
Research institution Hochschule Luzern Design & Kunst
Institution of higher education Lucerne University of Applied Sciences and Arts - HSLU
Main discipline Arts
Start/End 01.10.2019 - 30.09.2023
Approved amount 982'409.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Arts
Visual arts and Art history

Keywords (9)

curatorial studies; Sammlungstätigkeit Kunst; institutional studies; ephemere Kunst; Kunstmarkt; Kunstrecht; Kunstvermittlung; Museumswissenschaft; Performance Kunst

Lay Summary (German)

Lead
Flüchtiges Sammeln. Voraussetzungen und Möglichkeiten der Aufnahme von Performancekunst in Sammlungen
Lay summary

Trotz steigender Popularität von Performancekunst etwa an Biennalen, aber auch in Museumsausstellungen kam es bis anhin lediglich vereinzelt zum Ankauf der daraus hervorgehenden Werke für öffentliche oder private Sammlungen. Das hat ebenso mit dem Selbstverständnis von Performancekünstler*innen zu tun, die eine authentische Erfahrung der Aufführung zum zentralen Bestandteil ihrer Absichten erklären, wie mit der Flüchtigkeit der Werke, die Sammlungen vor grundsätzliche Schwierigkeiten stellt.

 

Im letzten Jahrzehnt entwickelten allem voran grosse Museen (u.a. Tate Modern London, Salomon R. Guggenheim Museum New York) Modelle für den Ankauf von Live-Performances. Dabei müssen Formate und Modalitäten der Wiederaufführung jeweils mit den Künstler*innen ausgehandelt werden. Ebenso müssen in den Institutionen selbst neue kuratorische und konservatorische Sachkompetenzen erarbeitet werden. Dies schliesst sowohl praxisbasiertes wie auch theoretisch ausgerichtetes Wissen und unterschiedliche Felder ein. Die schweizerischen, vergleichsweise kleinen Museen haben dafür häufig keine Kapazitäten.

 

Mit Rücksicht auf diese Ausgangslage erarbeitet das Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit internationalen Expert*innen, nationalen Kooperationspartner*innen und Künstler*innen ein Online-Kompendium, in dem das nötige Wissen systematisiert dargestellt und Fallbeispiele vorgestellt werden. Das Projekt versteht sich als anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Es kombiniert action-based Methoden (u.a. Entwicklung von künstlerischen Modellfällen) mit theoretisch basierten Analysen diskursiver Topoi, die das Verständnis und die Rezeption von Performancekunst prägen.

Direct link to Lay Summary Last update: 23.09.2019

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Neuerdings wächst das Interesse an performativen Kunstpraktiken an. Aber die steigende Beachtung hat vorerst nur vereinzelt zum Ankauf der daraus hervorgehenden Werke für öffentliche und private Sammlungen geführt. Das hat ebenso mit dem Selbstverständnis von Performance-Künstler*innen, die eine authentische Erfahrung der Aufführung zum zentralen Bestandteil ihrer Absichten erklären, zu tun wie auch mit den Aufgabenstellungen der Sammlungen und den vorhandenen Kompetenzen. Die Flüchtigkeit der Werke stellt sie vor grundsätzliche Schwierigkeiten. Jüngst werden jedoch Durchbrüche erzielt. Einige Ausstellungshäuser vor allem in Großbritannien und den USA haben Ankäufe getätigt und suchen nach Wegen, die dabei anfallenden neuen Herausforderungen zu meistern. Für Sammeln, Bewahren und Vermitteln als die drei Kernaufgaben des Museums stellen sich diese Herausforderungen unterschiedlich, aber gleichermaßen dringlich dar. Umfang und Format des Werks müssen mit den Künstler*innen erst ausgehandelt werden. Vorgehensweisen für die erneute Aufführung als eine Form der Ausstellung und Vermittlung des Werks müssen bestimmt werden. Ein neuer Bereich kuratorischer und konservatorischer Sachkompetenz muss entstehen. Dieser Bereich schliesst sowohl praxisbasiertes als auch theoretisch ausgerichtetes Wissen ein: Sammelstrategien sind zu entwickeln; die Gesetzeslage ist auf Möglichkeiten und Beschränkungen hin zu prüfen; institutionellen Abläufe sind anzupassen; neue Vermittlungsformate sind zu entwickeln.Projektziel und Vorgehensweise: Als Grundlage für Aushandlungsprozesse, die zum Sammeln von Performancekunst führen können, ist nebst der Entwicklung neuer praktischer Kompetenzen auch die Reflexion von grundlegenden Parametern nötig. Dazu gehören die Entwicklung kritischer kunstwissenschaftlicher Begriffe von Performancekunst mit Rücksicht auf ihre jüngste Entwicklung ebenso wie Kenntnisse der Praktiken des Sammelns von Kunstformen, die in ihrer Zeit als nicht umstandslos musealisierbar galten (z. B. Fotografie, Video, Land Art, Konzeptkunst). Bei ersten Ankäufen von Live-Performancekunst durch Museen hat sich gezeigt, dass für die Gewährleistung solcher Kompetenzen Anstrengungen, die kleinere Ausstellungshäuser kaum allein erbringen können, nötig sind. In der Schweizer Museumslandschaft ist diese Ausgangslage der Normalfall. Hier setzt unser Projekt an. Action-based Research soll das Vorgehen bestimmen; Vertreter*innen öffentlicher und privater Sammlungen und Künstler*innen werden als Beteiligte einbezogen. Anhand von Modellfällen werden neue Herausforderungen benannt und im Austausch mit internationalen Expert*innen untersucht. Dieses Vorgehen soll dafür sorgen, dass der Schweizer Ausgangslage entsprochen und zugleich von innovativen Ansätzen des Auslands profitiert werden kann. Die Ergebnisse werden in einem Kompendium gesammelt und, begleitet von einer Reihe von grundlegenden Forschungstexten, in einer Online-Veröffentlichung der Fachwelt und einem größeren Leserkreis zugänglich gemacht.Relevanz: Unser Vorhaben schliesst an vom Kompetenzzentrum Kunst, Design & Öffentlichkeit an der HSLU durchgeführte Projekte an (‚Problemzone Sammlung‘ 2017 sowie Forschungsprojekte im Bereich ‚Institutional Studies‘). Das Projekt leistet nicht nur einen Beitrag zur längst fälligen Aufnahme von Performancekunst in Sammlungen als privilegiertem Ort kulturellen Gedächtnisses. Es dient zudem der Anregung einer grundsätzlichen Debatte über Sammeltätigkeit angesichts der Zunahme ephemerer künstlerischer Praktiken trotz einem vom Kunstmarkt weiterhin bevorzugt geförderten objektzentriertem Sammeln. Die Erkenntnisse fliessen ausserdem in den BA/MA-Unterricht der HSLU ein.
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