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Rabab & Rebec - Erforschung von fellbespannten Streichinstrumenten des späten Mittelalters und der frühen Renaissance und deren Rekonstruktion

English title Rabab & rebec - research on skin-covered bowed string instruments of the late Middle Ages and the early Renaissance, and their reconstruction
Applicant Gartmann Thomas
Number 185331
Funding scheme Project funding
Research institution Fachstelle Forschung Hochschule der Künste Bern Berner Fachhochschule
Institution of higher education Berne University of Applied Sciences - BFH
Main discipline Music, Theatre
Start/End 01.10.2019 - 30.09.2023
Approved amount 479'505.00
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All Disciplines (3)

Discipline
Music, Theatre
Visual arts and Art history
Musicology

Keywords (10)

musicology; music; organology; historical instruments; rabab; historically informed performance (HIP); iconography; musical instrument making; ethnomusicology; rebec

Lay Summary (German)

Lead
Die mit einem Tierfell als Decke bespannten Instrumente Rabab und Rebec gehörten zu den wichtigsten Streichinstrumenten des 14. bis 16. Jahrhunderts und werden in ähnlicher Form noch heute in Marokko gespielt. Eine interdisziplinäre theoretische und praktische Erforschung dieses bisher wenig beachteten Instrumententyps ist die Voraussetzung für dessen ,Reintegration‘ in die historische Aufführungspraxis
Lay summary
Das im 14. Jahrhundert auch als „rabé morisco“ bezeichnete Rabab hatte seinen Ursprung in al-Andalus, jenem Teil Spaniens, der bis zum Fall von Granada 1492 unter muslimischer Herrschaft stand. Von hier aus verbreiteten sich Rabab und Rebec in grossen Teilen Europas und gehörten bis zum frühen 16. Jahrhundert neben der Fidel zu den wichtigsten europäischen Streichinstrumenten. Eine kritische, interdisziplinäre Analyse der erhaltenen Quellen erlaubt Rückschlüsse auf Konstruktion, Spieltechnik, Klanglichkeit, Akustik, Repertoire und den kulturellen Kontext. Zudem werden bei Feldforschungen in Marokko neue musikethnologische Quellen gesammelt und in Beziehung zu den historischen gesetzt. Auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse werden die Instrumente im Sinne einer ,experimentellen Musikwissenschaft‘ rekonstruiert und sowohl vom ensemble arcimboldo als auch von weiteren SpezialistInnen für Alte Musik in der Praxis getestet.

Indem solche ‚neuen’, nachweisorientiert rekonstruierten Instrumente interessierten MusikerInnen zur Verfügung gestellt werden, haben diese – und das Publikum – die Möglichkeit, ihre gewohnte Klangvorstellung zu hinterfragen und zu erweitern. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um das Interesse an der Alten Musik als lebendige Kulturpraxis wach zu halten.

 

Direct link to Lay Summary Last update: 01.05.2019

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
200690 Im Brennpunkt der Entwicklungen: Der Schweizerische Tonkünstlerverein 1975-2017 01.08.2021 Project funding

Abstract

Die mit einem Tierfell als Decke bespannten Streichinstrumente Rabab und Rebec gehörten neben der Fidel und dem Rebec mit Holzdecke zu den wichtigsten und verbreitetsten Streichinstrumenten des späten Mittelalters und der frühen Renaissance. Bild- und Textquellen aus dem 14. Jahrhundert, in welchen das Rabab als "rabé morisco" bezeichnet wird, legen nahe, dass das Instrument eine Verbindung zu den spanisch-andalusischen Mauren hatte. Dies ist insofern interessant, als das noch heute in Marokko in der traditionellen andalusi-Musik verwendete rabab in zahlreichen organologischen und spieltechnischen Details mit den aus dem Spätmittelalter und der frühen Renaissance erhaltenen Rabab- und Rebec-Abbildungen übereinstimmt.Umso erstaunlicher ist die Diskrepanz zwischen den zahlreichen ikonographischen und textlichen Quellen und ihrer nur spärlichen Erforschung sowie damit verbunden einer nur marginalen Präsenz in der aktuellen historischen Aufführungspraxis. Dies hängt möglicherweise auch mit abwertenden Behauptungen zur musikpraktischen Verwendung in der Sekundärliteratur zusammen: So meint Ian Woodfield in The Early History of the Viol (1984), dass das traditionelle marokkanische rabab nur für eine Bordun-Begleitung und nicht für melodisches (bzw. polyphones) Spiel geeignet sei, eine Ansicht, die er dann auf das mittelalterliche Rabab überträgt. Schon Alexis Chottin hatte jedoch in seinem Tableau de la musique marocaine (1939) detailliert beschrieben, dass das rabab in der andalusi-Musik keineswegs einen Bordun, sondern eine einfache Form der Hauptmelodie spielt. Darüber hinaus gibt es auch bisher noch nicht ausgewertete musikethnologische Tondokumente aus der ersten Hälfte des 20. Jh., die eindrucksvoll die damals noch virtuoseren Qualitäten des rabab hörbar machen und so einen weiteren Anhaltspunkt zur Verwendung des historischen Rabab und Rebec geben können.Das vorliegende anwendungsorientierte Forschungsprojekt versucht anhand einer kritischen musikwissenschaftlichen und kunsthistorischen Analyse der erhaltenen schriftlichen, ikonographischen, organologischen und musikethnologischen Quellen Rückschlüsse auf die Konstruktion, die Spieltechnik, die Klanglichkeit, das Repertoire und den kulturellen Kontext von Rabab und Rebec zu ziehen. Das interdisziplinäre Forschungsteam wird dabei durch PartnerInnen aus verschiedenen weiteren Disziplinen unterstützt. Ausserdem werden mit Feldforschungen in Marokko neue musikethnologische Quellen (Audio/Video) aus der heutigen Zeit geschaffen, die in Beziehung zu den historischen gesetzt werden. Auf der Basis dieser Forschungsergebnisse werden, im Sinne einer "experimentellen Musikwissenschaft", in Zusammenarbeit mit Akustikern, Instrumentenbauern und MusikerInnen, Hypothesen für die Rekonstruktion mehrerer Rababs und Rebecs entwickelt werden. Die rekonstruierten Instrumente werden daraufhin von verschiedenen SpezialistInnen für Alte Musik wie z. B. der Mittelalterklasse der Schola Cantorum Basiliensis und dem ensemble arcimboldo eingehend in der Praxis getestet, in Konzerten präsentiert und diskutiert sowie mit Audio-Aufnahmen dokumentiert. Mit den so gewonnenen und dokumentierten praktischen Erfahrungen sollen die ursprünglichen theoretischen Erkenntnisse überprüft, verfeinert oder auch widerlegt werden. Die gesamten Forschungsresultate werden auf einer Projekt-Website, in verschiedenen Artikeln und Dokumentationen, einer Ikonographie-Datenbank, einem Symposiumsband und einer Dissertation veröffentlicht.
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