Project

Back to overview

Materialisierte Erinnerungen (in) der Landschaft

English title Materialized Memories in/of the Landscape
Applicant Gau Sönke
Number 185122
Funding scheme Project funding
Research institution Departement Kulturanalysen und Vermittlung Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Institution of higher education Zurich University of the Arts - ZHdK
Main discipline Arts
Start/End 01.10.2019 - 30.09.2023
Approved amount 490'818.00
Show all

All Disciplines (2)

Discipline
Arts
Ethnology

Keywords (8)

Mittelland; Schweiz; Kunst & Ethnografie; Gedächtnisforschung; Künstlerische Forschung; Panzersperren; Erinnerungskultur

Lay Summary (German)

Lead
Das transdisziplinäre Forschungsprojekt fragt nach Aneignungspraktiken und Umdeutungen von ausgemusterten Panzersperren. Im Fokus steht dabei die raumpolitische, ästhetische und erinnerungskulturelle Dimension. Ein gemeinsamer Feldzugang und die Erprobung geteilter Verfahrensweisen lotet das «Miteinander» und «Gegeneinander» von Kunst und Ethnografie aus.
Lay summary

Das künstlerisch-ethnografische Forschungsprojekt «Materialisierte Erinnerungen (in) der Landschaft» fragt, von wem und wie die Panzersperren als Objekte in der Landschaft des Schweizer Mittellandes aktuell mit Bedeutung versehen werden. Die Panzersperren im Schweizer Mittelland als alltägliche und eher unprätentiöse Objekte blieb in der bisherigen Forschung zu Festungsbauten oft unbeachtet. Doch welche Deutungen erfahren sie als sichtbare, aber alltägliche Artefakte an der Landschaftsoberfläche durch unterschiedliche Akteur*innen? Welchen Bedeutungswandel durchliefen sie nach ihrer Ausmusterung vor 30 Jahren und wie wirken sie heutzutage auf regionale Identitätsbildungsprozesse? Das Forschungsprojekt fokussiert dabei auf die ästhetische, raumpolitische und (alltags-)kulturelle Dimension der Panzersperren und auf Formen ihrer Umnutzung sowie Aneignung. Es fragt, wie beispielsweise politische Gemeinden und Schulen, die nationale und kantonale Denkmalpflege, militärhistorische Vereine, Naturschutzvereine aber auch Künstler*innen, Landwirt*innen, Spaziergänger*innen und Anwohner*innen sich die Panzersperren aneignen, diese umnutzen, wahrnehmen oder ins Landschaftsbild integrieren.

Das Forschungsprojekt nähert sich den Panzersperren mit einem explorativen künstlerisch-ethnografischen Forschungsdesign: Die künstlerische und ethnografische Zusammenarbeit zeichnet sich durch einen gemeinsamen Feldzugang aus und fokussiert dabei auf geteilte Verfahrensweisen. So verspricht das Projekt neben dem inhaltlichen Fokus auch einen Beitrag zum Verhältnis von künstlerischer und ethnografischer Forschung als dialogische Verfahrensweise zu leisten und positioniert sich innerhalb des Diskurses um das Forschen mit und durch die Kunst.

Direct link to Lay Summary Last update: 01.07.2019

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Abstract

Das künstlerisch-ethnografische Forschungsprojekt «Materialisierte Erinnerungen (in) der Landschaft» fragt nach den Bezeichnungspraktiken unterschiedlicher Akteur/-innen, die sich als (erinnerungskulturelles) Ensemble an ausgewählten Orten um die Panzersperren gebildet haben. Forschungsleitend ist die These, dass den Panzersperren eine wichtige Rolle in der regionalen Identitätskonstruktion und Erinnerungskultur zukommt. Den Ausgangspunkt dieser Forschungsfrage bilden zwei teils kontradiktorische Diskursstränge, die sich im Zuge der erinnerungskulturellen Wende in den 1990er Jahren in der Schweiz entwickelt haben. Einerseits erfuhr der Réduit-Mythos, das in der Nachkriegszeit prägende Narrativ der Schweiz als neutrale und wehrhafte Nation mit einer humanitären Tradition, eine irreversible Erschütterung. Gleichzeitig setzte durch die Armeereform 1995 die Denkmal-Werdung der militärhistorischen Bauten der ehemaligen Alpenfestung ein. Dies führte dazu, dass die Denkmalpflege die Bauten inventarisierte und als national oder regional bedeutend klassifizierte. Damit erfahren sie im Moment ihrer Dekonstruktion eine kulturhistorische Aufwertung. Und es kam zu einer Situation der Deutungsoffenheit, die eine produktive Ausgangsbasis für künstlerische Arbeiten und Forschungen bildete, die wiederum in das Feld der Geschichtspolitik intervenierten oder die ausrangierten Bunker für Kunstprojekte nutzten. Zudem entstanden in den Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften eine Vielzahl von Forschungsprojekten, die sich im Feld der Gedächtnisforschung und Erinnerungskultur positionierten.Der bisherige Fokus der künstlerischen wie wissenschaftlichen Forschung im Zusammenhang mit den Festungsbauten richtete sich jedoch auf die Bunker und Alpen als symbolträchtige Bilder und Imaginationsräume. Die Rolle der Panzersperren im Schweizer Mittelland als alltägliche und eher unprätentiöse Objekte wurde vernachlässigt und stellt ein Forschungsdesiderat dar: Welche Deutungen die Panzersperren als sichtbare, aber alltägliche Artefakte an der Landschaftsoberfläche von unterschiedlichen Akteur/-innen erfuhren, welchen Bedeutungswandel sie nach der erinnerungskulturellen Wende durchliefen, und ob bzw. wie sie auf regionale Identitätsbildungsprozesse wirken, ist bislang weitgehend unerforscht. Das Forschungsprojekt fokussiert dabei auf die ästhetische, raumpolitische und (alltags-)kulturelle Dimension der Panzersperren und auf Formen ihrer Umnutzung sowie Aneignung. Es fragt, wie bspw. politische Gemeinden und Schulen, die nationale und kantonale Denkmalpflege, militärhistorische Vereine, Naturschutzvereine aber auch Künstler/-innen, Landwirt/-innen, Spaziergänger/-innen und Anwohner/-innen sich die Panzersperren aneignen, diese umnutzen, wahrnehmen oder ins Landschaftsbild integrieren.Als exploratives Forschungsdesign, welches sowohl für die künstlerische wie auch qualitative Forschung charakteristisch ist, will das Forschungsprojekt erste Erkenntnisse hinsichtlich der Bedeutung der Panzersperren als erinnerungskulturelle Artefakte im Schweizer Mittelland liefern. Zudem bietet es mit seinem transdisziplinären Zugang Anschlussmöglichkeiten für vertiefende Forschungen aus unterschiedlichen Disziplinen wie beispielsweise der Geschichtswissenschaft, der Sozial- und Kulturwissenschaften oder Humangeografie. Die künstlerische und ethnografische Zusammenarbeit zeichnet sich durch einen gemeinsamen Feldzugang, geteilte Methoden wie Archivbesuche, Beobachtungen, Spaziergänge, Interviews und Videoaufzeichnungen und einer anvisierten Ausstellung als Projektresultat aus. Indem die Forschung in einem zyklisch-iterativen Prozess erste Ergebnisse und Daten jeweils wieder ins Untersuchungssetting zurückspielt, um sie gemeinsam mit den Akteur/-innen vor Ort weiterzuentwickeln, verspricht das Projekt einen weiteren Beitrag zum Verhältnis von künstlerischer und ethnografischer Forschung als dialogische Verfahrensweise zu leisten und positioniert sich innerhalb des Diskurses um das Forschen mit und durch die Kunst.
-