Project

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Antikommunistische Organisationen und Netzwerke in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz von 1945-1990

English title Anticommunist organisations and networks in german-, french- and italian-speaking Switzerland, 1945-1990
Applicant Blatter Bettina
Number 184325
Funding scheme Doc.CH (until 2020)
Research institution Departement Geschichte Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline Swiss history
Start/End 01.03.2019 - 28.02.2023
Approved amount 238'750.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Swiss history
General history (without pre-and early history)

Keywords (4)

Antikommunismus; Netzwerkanalyse; Kalter Krieg; Geistige Landesverteidigung

Lay Summary (German)

Lead
Das Forschungsprojekt untersucht die antikommunistische Bewegung in der Schweiz im Kalten Krieg und nimmt dabei die Unterschiede zwischen der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz in den Blick sowie auch die transnationalen Netzwerke der Bewegung.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Das Projekt behandelt Antikommunismus in der mehrsprachigen Schweiz und konzentriert sich auf die drei Sprachregionen und auf grenzüberschreitende Interaktionen mit Nachbarländern. Dabei spielen die bedeutendsten antikommunistischen Organisationen der jeweiligen Landesteile eine Schlüsselrolle: Der Schweizerische Aufklärungsdienst, Rencontres Suisses und Coscienza Svizzera hatten jeweils einen ähnlichen Stellenwert, weswegen sie sich für die Erforschung des schweizerischen Netzwerkes eignen. Die Organisationen wollten die Bevölkerung über die „kommunistische Gefahr“ aufklären und waren, unter anderen Namen, der Geistigen Landesverteidigung des Zweiten Weltkrieges entwachsen. Nach Kriegsende setzten die Organisationen die Zusammenarbeit fort - jedoch zeigten sich Gräben zwischen der Deutsch- und Westschweiz bzgl. der Einschätzung der sogenannten „kommunistischen Gefahr“. Vor diesem Spannungsfeld untersucht das Projekt, ob von einem gemeinsamen, allgemeingültigen nationalen Feindbild gesprochen werden kann, inwiefern die Organisationen das Selbstverständnis der Schweiz als Abwehrnationüber die Sprachgrenzen hinweg zementierten sowie auch welche Rolle die angrenzenden Staaten spielten. Durch die Kombination der Methoden der historischen Netzwerkanalyse und der Ideengeschichte werden zentrale Akteure und deren Vernetzung untersucht sowie Konzepte von Bedrohungswahrnehmung und nationaler Identität. Auch werden grenzüberschreitende Interaktionen mit den Nachbarstaaten miteinbezogen. Das Projekt deckt den Zeitrahmen von 1945-1990 ab und basiert auf umfassenden und noch weitgehend unerforschten Quellenbeständen staatlicher und privater Archive.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Die Einsicht in die Spielarten des Antikommunismus in der Schweiz trägt zu einem besseren Verständnis der Schweiz im Kalten Krieg bei. Mit der sprachregional vergleichenden und transnationalen Dimension liefert das Projekt einen innovativen Beitrag zur Geschichte der Schweiz im Kalten Krieg. Weiter wird eine historische Perspektive auf die Neue Rechte ermöglicht, welche z.T. im antikommunistischen Milieu verortet werden kann.

Direct link to Lay Summary Last update: 06.03.2019

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Jahrestagung der Basel Graduate School of History Talk given at a conference Antikommunismus in der Schweiz 26.09.2019 Basel, Switzerland Blatter Bettina;


Abstract

Das Forschungsprojekt untersucht die antikommunistische Bewegung in der Schweiz im Kalten Krieg, mit besonderem Blick auf die Unterschiede zwischen der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz und die transnationalen Netzwerke der Bewegung. Das Projekt schliesst an aktuelle Forschungen zur Geschichte des Antikommunismus an, sowohl an den schweizerischen wie an den internationalen Forschungsstand. Bisherige Forschungsprojekte haben sich lediglich auf einzelne Landesteile der Schweiz konzentriert und sich nur punktuell mit antikommunistischen Akteuren, Organisationen und Tätigkeiten befasst. In meinem Projekt werden drei bedeutsame, antikommunistische Organisationen der verschiedenen Sprachregionen der Schweiz in den Blick genommen - der Schweizerische Aufklärungsdienst, Rencontres Suisses und Coscienza Svizzera. Es wird mit drei verschiedenen Untersuchungsebenen gearbeitet, woraus sich auch die Fragestellungen ableiten. Die Untersuchungsebene der Akteure wird mit einer historischen Netzwerkanalyse untersucht, da nach zentralen Akteuren ausgewählter Organisationen gefragt wird, welche Verbindungen initiierten und aufrechterhielten, um für einen Austausch unter den Organisationen zu sorgen. Dabei wird die sozialwissenschaftliche Netzwerkforschung mit der traditionellen historischen Forschung kombiniert. Mithilfe einer Quellenkritik werden die komplexen Beziehungsstrukturen eines sozialen Netzwerkes erhoben, anhand einer komplexitätsreduzierenden Software analysiert, u.a. unter Zuhilfenahme des digitalen Tools Gephi, und die Ergebnisse zusammen mit einer traditionellen Quellenauswertung interpretiert. Auf einer Untersuchungsebene der Programmatiken wird mit einem Ansatz der Ideengeschichte gearbeitet, um zu untersuchen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten bezüglich Bedrohungswahrnehmung, nationaler Identität und Kohäsion existierten und welche Ansätze und Ideen Gegenstand von Austausch und Transfer waren. Drittens analysiert das Projekt auf einer transnationalen Ebene die Beeinflussung der Bedrohungsperzeption in den verschiedenen Sprachregionen aufgrund von Kontakten zu antikommunistischen Organisationen der jeweiligen Nachbarstaaten Frankreich, Italien und Deutschland und fragt nach einem Transfer von Ideen. Gestützt auf Vorarbeiten im Rahmen der Masterarbeit wird im Projekt die gesamte Schweiz als heterogene Nation in den Blick genommen, was einen neuen Blickwinkel auf den Antikommunismus in der Schweiz erlaubt. Weiter wird eine historische Perspektive auf die Neue Rechte ermöglicht, welche z.T. im antikommunistischen Milieu verortet werden kann. Die Einsicht in die Spielarten des Antikommunismus in der Schweiz werden zu einem besseren Verständnis der Schweiz im Kalten Krieg beitragen. Das Projekt deckt den Zeitrahmen von 1945-1990 ab und basiert auf umfassenden und noch weitgehend unerforschten Quellenbeständen aus staatlichen Archiven. Das Projekt versteht sich auch als Beitrag zu einer Geschichte der Gegenwart, indem es einen zentralen Aspekt der Vorgeschichte der Neuen Rechten in den Blick nimmt und diese längerfristig in der Nachkriegszeit verortet. Es verweist damit auf die wenig diskutierten Traditionslinien zwischen dem Antikommunismus des Kalten Krieges und den rechtspopulistischen, nationalkonservativen Bewegungen seit den 1990er Jahren. Mit der sprachregional vergleichenden und der transnationalen Dimension liefert das Projekt einen innovativen Beitrag zur Geschichte der Schweiz im Kalten Krieg.
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