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Konfliktreiche Interaktionsgeschichten zwischen Eltern und AkteurInnen der Schule in Deutschland und der Schweiz - Eine qualitative Untersuchung der Elternperspektive auf Schule

Applicant Künzle Sabrina
Number 184029
Funding scheme Doc.Mobility
Research institution
Institut für Forschung, Entwicklung und Evaluation Pädagogische Hochschule Bern
Institut für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institution of higher education Institution abroad - IACH
Main discipline Sociology
Start/End 01.02.2019 - 31.01.2020
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All Disciplines (2)

Discipline
Sociology
Education and learning sciences, subject-specific education

Keywords (5)

Interaktionsgeschichten; Schule; SchulakteurInnen; Elternperspektive; Konflikt

Lay Summary (German)

Lead
Für die Schule stellt die Zusammenarbeit mit Eltern einen zentralen Aufgabenbereich dar. Trotz vielseitiger Bemühungen, das Verhältnis zwischen Eltern und Schule zu stärken, zeigen bisherige Forschungsergebnisse, dass dieses von Ambivalenzen und Spannungen geprägt ist.
Lay summary

Um zu verstehen, wie Zusammenarbeit gefördert werden kann, erscheint es gewinnbringend, Bedingungen und Prozesse des Nicht-Gelingens der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule aus der Elternsicht zu analysieren. In meinem Dissertationsvorhaben interessiere ich mich dafür, wie Eltern in Deutschland und der Schweiz a) konfliktreiche Interaktionsgeschichten mit schulischen AkteurInnen erleben und b) in ihren Interpretationen dieser Interaktionssituationen Bedeutung herstellen. Anhand von fokussierten narrativen Interviews wird rekonstruiert, wie es aus Sicht der Eltern zu Schwierigkeiten in der Interaktion mit SchulakteurInnen kommt und wie sie damit umgehen. Mit der Analyse von konfliktreichen Interaktionsgeschichten kann der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule sowie deren pädagogische Praxis aus Elternsicht reflektiert werden. Dies trägt dazu bei, Schule aus elterlicher Perspektive und die elterliche Rolle darin besser zu verstehen.

Damit wird ein Beitrag zur Erforschung der Elternperspektive auf Schule geleistet. Die Ergebnisse können auf Professionalisierungstheorien bezogen werden und zu deren Weiterentwicklung beitragen. Zusätzlich liefern die Erkenntnisse wichtige Impulse für die Lehreraus- und Weiterbildung.

Direct link to Lay Summary Last update: 17.12.2018

Responsible applicant and co-applicants

Name Institute

Abstract

Für die Schule stellt die Zusammenarbeit mit Eltern einen zentralen Aufgabenbereich dar, welcher in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Trotz vielseitiger Bemühungen, das Verhältnis zu stärken, zeigen bisherige Forschungsergebnisse, dass dieses von Ambivalenzen und Spannungen geprägt ist (u. a. Xyländer, 2011; Ulrich, 2015). Um zu verstehen, wie Kooperation gefördert werden kann, erscheint es gewinnbringend, Bedingungen und Prozesse des Nicht-Gelingens der Kooperation zwischen Eltern und Schule zu analysieren. Interaktionen zwischen Eltern und SchulakteurInnen werden von institutionell-organisatorischen (Macht)Strukturen beeinflusst und geregelt. Die Perspektive auf das Machtverhältnis beinhaltet gerade im Zusammenhang mit Fragen nach der Zuständigkeit und dem Verfügungsrecht über die Kinder besonderes Konfliktpotential für das Eltern-Lehrer-Verhältnis (Ecarius, 2006). Das vorliegende Forschungsvorhaben ist im symbolischen Interaktionismus (Mead, 1968; Blumer, 1973) verortet, insbesondere die Theorie der Interaktionskonstitution (Kallmeyer & Schütze, 1976) bildet einen zentralen theoretischen wie analytischen Rahmen. Interaktionsgeschichten werden aus der Perspektive der Eltern, die sich in einer Erzählung auf die abgelaufenen Interaktionsprozesse beziehen, betrachtet. Dadurch können spezifisch Interpretations- und Bedeutungsproduktionsprozesse der Eltern rekonstruiert werden. Dies ist zusätzlich von Bedeutung, wenn vom Thomas-Theorem ausgegangen wird: „If men define situations as real, they are real in their consequences“ (Thomas & Thomas, 1928). In meinem Dissertationsvorhaben interessiere ich mich dafür, wie Eltern a) konfliktreiche Interaktionsgeschichten mit schulischen AkteurInnen erleben und b) in ihren Interpretationen dieser Interaktionssituationen Bedeutung herstellen. Im Zusammenhang des Doc.Mobility-Stipendiums ist eine Vergleichsuntersuchung zwischen Deutschland und der Schweiz geplant. Der kontrastive Vergleich von elterlichen Erfahrungen und Deutungen in Deutschland und der Schweiz ermöglicht die Bildungssysteme, Differenzen im Elternrecht und dem Diskurs zum Eltern-Schule-Verhältnis in Bezug auf Handlungsmöglichkeiten und Strategien zu beziehen und gegenseitig mit einem ‚Blick von aussen‘ zu beleuchten. Dieses Vorgehen erlaubt eine differenzierte Ausarbeitung des theoretischen Modells und verspricht einen zusätzlichen Erkenntniszugewinn. Das Forschungsvorgehen orientiert sich an der Grounded Theory Methodologie (Glaser & Strauss, 1967). Die Datenerhebung erfolgt über fokussierte narrative Interviews mit Elternteilen schulpflichtiger Kinder. Ausgewertet wird das Datenmaterial mittels der soziolinguistischen Prozessanalyse (Schütze, 2016). Zusätzlich wird für die Analyse der Interaktionen auf die sozialwissenschaftliche Sprach- und Bedeutungsanalyse (Schütze, 1978) zurückgegriffen. Es ist zu erwarten, dass die Erkenntnisse in mehrfacher Weise fruchtbar gemacht werden können. Sie leisten einen wissenschaftlichen Beitrag zur Erforschung der Elternperspektive auf Schule, können auf Professionalisierungstheorien bezogen werden und zu deren Weiterentwicklung beitragen. Zusätzlich liefern die Erkenntnisse wichtige Impulse für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen.
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