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Geld, Wucher und ökonomische Rationalität am Beginn des langen 20. Jahrhunderts

English title Money, Profiteering, and Economic Rationality at the Beginning of the Long Twentieth Century
Applicant Suter Michael
Number 183816
Funding scheme Return CH Postdoc.Mobility
Research institution Departement Geschichte Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.01.2020 - 30.09.2020
Approved amount 68'083.00
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Keywords (15)

Tansania; Kulturgeschichte; Geld; Währung; Geschichte des Kapitalismus; Österreich-Ungarn; Inflation; Sozialkonflikt; Deutschland; Wirtschaftskrisen; Antisemitismus; Wucher; Wirtschaftsgeschichte; Wissensgeschichte; Kolonialgeschichte

Lay Summary (German)

Lead
Eine Geschichte von Konflikten zum Medium Geld in der Gesellschaft um 1900.
Lay summary

In diesem Forschungsprojekt werden aus kulturgeschichtlicher Perspektive Konflikte um das gesellschaftliche Medium Geld am Beginn des „langen“ 20. Jahrhunderts untersucht. Dazu werden Momente in den Blick genommen, in denen die Zirkulation von Geld und seine Funktion als Wertmassstab in der Wahrnehmung von gesellschaftlichen Akteuren in die Krise gerieten. Versucht wird, anhand solcher Konflikte, in denen Geld plötzlich nicht mehr als neutrales, reibungsloses Medium des Austauschs erschien und zu einem qualitativen Problem geriet, eine „people’s history of money“ in der Zeit zwischen 1870 und 1923 zu schreiben. Um dies zu tun, werden eine Reihe verbundener Fallstudien unternommen: es geht um Debatten über Wucher und die Entstehung des politischen Antisemitismus nach der grossen Wirtschaftskrise von 1873, das Aufkommen der Grenznutzentheorie in der Wirtschaftswissenschaft des Habsburgerreichs, die Einführung der deutschen Rupie im kolonialen Tansania zwischen 1890 und 1914 und die Marktproteste von Frauen in der Weimarer Inflationszeit. In dieser Geschichte spielen Minister, Bankiers und Ökonomen eine Rolle, aber ebenso ländliche Viehhändler, ostafrikanische Bäuerinnen und Bauern sowie Frauen in deutschen Städten in den 1920er Jahren.

Direct link to Lay Summary Last update: 20.12.2019

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
174490 Historische Semantik des Wuchers: Geld, Moral und Alltagsversorgung 1870-1950 01.09.2017 Advanced Postdoc.Mobility

Abstract

In diesem Forschungsprojekt werden Konflikte über das gesellschaftliche Medium Geld zwischen 1870 und 1925 untersucht. Geld gilt in der Moderne als „neutraler“ Massstab des ökonomischen Lebens. Was geschah aber, so die leitende Fragestellung, wenn die Skalierung dieses Massstabs selbst zur Disposition stand? In drei Fallstudien zur Ära des Goldstandards werden historische Momente analysiert, in denen Geld als Medium prekär und strittig wurde. Das Untersuchungsfeld der Studie ist eine transnational perspektivierte deutsche Geschichte, in der die koloniale Erfahrung einen integralen Bestandteil bildete.Teil I der Studie widmet sich Debatten über „Wucher“ und rationalen Tausch in der Wirtschaftsdepression 1873-1890. Teil II verfolgt die Laufbahn der deutschen Rupie im kolonialen Tansania 1890-1925. Die Geschichte dieser Währung ist ein hervorragendes Beispiel, wie das Medium Geld zwischen Gewalt und Fragilität changieren konnte. Teil III untersucht Strassenproteste aufgrund steigender Lebensmittelpreise und unterschiedlich wertbeständiger Geldsorten in der Inflationszeit der Weimarer Republik 1918-1923. In allen drei Fällen geriet Geld in seiner Materialität ebenso wie in seiner symbolischen Wirksamkeit auf den Prüfstand. Die Studie antwortet auf das Forschungsdesiderat einer Wirtschaftsgeschichte nach dem cultural turn. Sie hebt sich von anderen Beiträgen zu Geld, Schulden und Versorgungspolitik ab, indem sie eine Wissensgeschichte des Ökonomischen mit einer Geschichte der Alltagspraktiken verbindet. Verwendet werden Methoden der Globalen Politischen Ökonomie, der Historischen Epistemologie und Medientheorie sowie der economic anthropology. Der beantragte Rückkehrbeitrag schliesst an ein Advanced-Postdoc-Mobility-Stipendium an, in dessen Verlauf Archive in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den USA, England und Tansania besucht worden sind.
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