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Oskar Eberle (1902-1956): Identitätsdiskurs, Theaterpolitik und Laienspielreform

English title Oskar Eberle (1902-1956): discourse of identity, theatre politics and reform of lay performance
Applicant Greco Heidy
Number 182566
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Schweizerische Theatersammlung Institut für Theaterwissenschaft Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Theatre and Cinema
Start/End 01.11.2018 - 31.12.2021
Approved amount 395'958.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Theatre and Cinema
German and English languages and literature

Keywords (6)

Theaterpolitik; geistige Landesverteidigung; Festspiel; Laientheater; Theatergeschichtsschreibung; Schweiz

Lay Summary (German)

Lead
Oskar Eberle (1902-1956): Identitätsdiskurs, Theaterpolitik und Laienspielreform Im Rückgriff auf die Vergangenheit und in Abgrenzung vom „fremden“ Theater versuchte der in Schwyz aufgewachsene Theaterwissenschaftler, Dramatiker und Regisseur Oskar Eberle eine nationale Theateridentität zu konstruieren und das Schweizer Theaterschaffen anhand theoretischer Schriften und praktischer Arbeiten mit Laiendarstellern zu reformieren.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Zu Lebzeiten als Erneuerer des Laientheaters und Regisseur nationaler Festspiele (1939, 1941) gefeiert, geriet Eberle im Zug der Aufarbeitung der eid­genössischen Politik der «geistigen Landesverteidigung» in den Verdacht der ideologischen Nähe zu völkischen und national­sozialistischen Denkmustern. Eine eingehende Analyse der Lebens- und Arbeitsbedingungen dieses wichtigsten einheimischen Exponenten des Theaterwesens der Zwischenkriegs- und Kriegszeit unterblieb aber. Ausgangspunkt des Projekts ist die Auswertung der Nachlässe von Oskar Eberle und Bundesrat Philipp Etter sowie weiterer Archivalien. Im interdisziplinären Austausch mit Fachexperten werden die Quellen unter Berücksichtigung von zeitgeschichtlich relevanten Fragestellungen untersucht. Ziel ist die Erarbeitung einer Gesamtdarstellung, die Eberles Wirken als Theaterhistoriker, Theaterpraktiker und Promotor von nationalen Festspielen nachzeichnet und im Kontext der Zeit­umstände interpretiert. 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Ausgehend von biographischen Zeugnissen wird Eberles theaterpraktisches und kulturpolitisches Engagement anhand verschiedener methodischer Zugänge – von Biographik über Historiographie und historiographische Inszenierungsanalyse bis hin zur Diskursanalyse  – untersucht. Die Monografie beleuchtet in exemplarischer Weise das Wirken eines Theaterschaffenden, der in den 1920er- bis 1950er-Jahren programmatisch am Identitätsdiskurs der Schweiz beteiligt war.

Direct link to Lay Summary Last update: 17.10.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Abstract

Oskar Eberle, Theaterwissenschaftler, Regisseur und Promotor einer Professionalisierung des einheimischen Theaterwesens, prägte den Theaterdiskurs in der Schweiz im 20. Jahrhundert in entscheidender Weise. Er grün-dete die «Gesellschaft für Innerschweizer Theaterkultur» und amtete als deren Geschäftsführer, Herausgeber und Publizist. Im Rückgriff auf die Vergangenheit und in Abgrenzung vom «fremden» Theater versuchte er, eine nationale Theateridentität zu konstruieren und das Schweizer Theaterschaffen anhand theoretischer Schriften und theaterpraktischer Arbeiten zu reformieren. Zu Lebzeiten als Erneuerer des Amateurtheaters gefeiert und mit der Inszenierung von nationalen Festspielen (1939, 1941) betraut, geriet er im Zug der Aufarbeitung der eid-genössischen Politik der «geistigen Landesverteidigung» in den Verdacht der ideologischen Nähe zu völkischen und national¬sozialistischen Denkmustern. Da der umfangreiche Nachlass von Eberle bislang nicht aufgearbeitet wurde, fehlt es an Grundlagenforschung zu den konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen des wichtigsten Schweizer Exponenten des Theaterwesens der Zwischenkriegs- und Kriegszeit. Mit dem Projekt «Oskar Eberle (1902-1956): Identitätsdiskurs, Theaterpolitik und Laien¬spielreform» soll die Forschungslücke gefüllt und durch drei Mitarbeitende eine Gesamtschau erarbeitet werden, die Eberles Wirken als Theaterhistoriker, Theaterpraktiker und Promotor von nationalen Festspielen im Kontext der Zeit¬umstände interpretiert. Das Projekt ist in vier Phasen gegliedert. Phase I gilt der Beschäftigung mit den erst kürz¬lich erschlossenen Nachlässen von Eberle und Bundesrat Philipp Etter. Phase II steht im Zeichen der Ausein-andersetzung mit der Zeitgeschichte im interdisziplinären Austausch mit Fachexpertinnen und -experten. Vorgesehen sind Work¬shops zu folgenden Themen: «Freundschaft und Zusammenarbeit mit Bundesrat Etter» (Thomas Zaugg, Staats¬archiv Zug), «Rekatholisierungsbestrebungen in der Schweiz in der Frühen Neuzeit und im 20. Jahr¬hundert» (Prof. Dr. Cora Dietl), «völkisches/nationalsozialistisches Gedankengut» und „geistige Landes¬verteidigung» (Prof. Dr. Siegfried Weichlein) sowie «Katholizismus und Antisemitismus in der Schweiz» (Prof. Dr. Markus Ries). In Phase III wird kontinuierlich an der Monografie gearbeitet und es werden spezifische Aspekte in Work¬shops vertieft: «Die Rolle der Musik bei Eberles Aufführungen» (Dr. Bernhard Hangartner), «Ideologische Pa¬rallelen zwischen Eberle und Gründern deutscher (Carl Niessen) und österreichischer (Joseph Gregor) Theater¬sammlungen» (Prof. Dr. Beate Hochholdinger-Reiterer). In Phase IV werden die Forschungsergebnisse im Rahmen einer Tagung mit allen Kooperationspartnern zur Diskussion gestellt. Anschliessend erfolgt die Druck¬vorbereitung der Monografie, die in der Reihe «Theatrum Helveticum» ver-öffentlicht werden soll. Der wesentlichste Erkenntnisgewinn der Studie liegt in der diskursiven Verschränkung der verschiedenen Tätigkeitsfelder und Netzwerke, in denen Eberle aktiv war. Die Monografie ist von zentraler Bedeutung für die Schweizer Theatergeschichte der 1920er- bis 1950er-Jahre.
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