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Dienstmädchen, Hausangestellte. Veränderungen und Kontinuitäten der bezahlten Hausarbeit in Basel, ca. 1930-1980

English title Housemaid, Domestic Workers. Transformations and Continuities in Paid Household Labour in Basel, c. 1930-1980
Applicant Burri Jennifer
Number 181754
Funding scheme Doc.CH (until 2020)
Research institution Departement Geschichte Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.01.2019 - 30.09.2022
Approved amount 238'116.00
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All Disciplines (2)

Discipline
General history (without pre-and early history)
Swiss history

Keywords (9)

Social History; Care Work; Basel; Migration; Paid Household Labour; 1930-1980; Women's and Gender History; Domestic Workers; Domestic Service

Lay Summary (German)

Lead
Gegenwärtig wird unter dem Stichwort «Care-Arbeit» auch in der Schweiz vermehrt darüber diskutiert, wer in Schweizer Haushalten putzt, sorgt und pflegt. Kaum bekannt ist jedoch, wie sich die bezahlte Hausarbeit im Verlauf des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. Hier setzt mein Forschungsprojekt an: Ich untersuche, wie sich die bezahlte Hausarbeit in Basler Haushalten insbesondere nach dem 2. Weltkrieg entwickelt und allenfalls verändert hat, und wer welche Arbeit in welcher Form verrichtet hat.
Lay summary

Lange war die Geschichtswissenschaft davon ausgegangen, dass bezahlte Hausarbeit in westlichen Haushalten spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg verschwunden sei, da zunehmend Haushaltsgeräte die Arbeit im Haushalt unterstützt und Hausfrauen diese dadurch erleichterte Arbeit alleine verrichtet hätten. Erst in den 1980er Jahren sei es aufgrund der zunehmenden Erwerbsintegration von Frauen wieder zu einer Zunahme von Haushaltshilfen – vorwiegend Migrantinnen – gekommen. Neuere Quellenbefunde stellen dieses Narrativ in Frage. Indem ich nicht nach der Figur des klassischen Dienstmädchens frage, sondern Hinweisen auf Putzhilfen, Au-Pairs oder Hauspflegerinnen nachgehe, versuche ich neue, aber auch weiter bestehende Formen der bezahlten Hausarbeit sichtbar zu machen. Wichtige Ausgangspunkte meiner Forschung sind die Grenzstadt Basel und die Migration: Migrantinnen stellten schon seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert einen grossen Teil der Angestellten im Haushalt dar. 

Mein Projekt trägt zur Schliessung einer bedeutenden Forschungslücke in der Geschichte der weiblichen Arbeit im 20. Jahrhundert bei. Aus einer sozialhistorischen und geschlechtergeschichtlichen Perspektive kann dazu beitragen, gegenwartspolitisch hochrelevante Fragen durch den Blick in die Geschichte zu schärfen und zu vertiefen. 

Direct link to Lay Summary Last update: 21.12.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Zur Geschichte der Familie in der Schweiz [Arbeitstitel]
Burri Jennifer, Zur Geschichte der Familie in der Schweiz [Arbeitstitel], in NZZ Geschichte, (Dezember 2).

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Arbeit im Wandel: Technische Umbrüche, soziale Konflikte und geopolitische Herausforderungen Talk given at a conference tba 12.06.2020 Bern, Switzerland Burri Jennifer;


Abstract

Unter dem Stichwort "Care-Arbeit" ist die Frage, wer in Schweizer Haushalten putzt, sorgt und pflegt, in den letzten Jahren auf die Agenda der sozialwissenschaftlichen Forschung gekommen und erfährt zunehmend auch politische und mediale Aufmerksamkeit. Ich möchte mit meinem Forschungsprojekt eine Forschungslücke in der Geschichte des häuslichen Dienstes bzw. der bezahlten Hausarbeit aufarbeiten, die insbesondere für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts besteht. Bestehende historische Arbeiten brechen nach 1945 ab bzw. konstatieren ein Verschwinden dieser Arbeitsform aus westlichen Haushalten, was mit dem Narrativ begründet wird, dass nun zunehmend Haushaltsgeräte die Arbeit im Haushalt unterstützten und Hausfrauen diese reduzierte Arbeit allein verrichteten. Aktuelle Forschungs- und Quellenbefunde stellen dieses Narrativ des Verschwindens der bezahlten Hausarbeit jedoch in Frage. Ausgehend von der Grenzstadt Basel möchte ich untersuchen, ob die bezahlte Hausarbeit tatsächlich verschwunden ist oder sich vielmehr deren Form verändert hat. Insbesondere steht die Frage im Raum, ob temporäre und spezifische Einsätze an die Stelle längerfristiger Dienste traten. Indem ich nicht nach der Figur des Dienstmädchens, sondern nach verschiedenen Formen von Hausangestellten (z.B. Putzfrauen, Au-Pairs, Hauspflegerinnen) frage, versuche ich weiter bestehende Formen der bezahlten Hausarbeit sichtbar zu machen. Ich greife dabei insbesondere auf bisher kaum bearbeitete Akten der Fremdenpolizei aus dem Staatsarchiv Basel zurück. Die Migration ist ein wichtiger Zugang, um das Arbeitsfeld Haushalt zu erschliessen, da Basel auf eine lange Tradition der Zuwanderung von Hausangestellten aus dem Ausland zurückblickt, die nach ersten Recherchen auch für meinen Untersuchungszeitraum nicht abbricht. Mit dem Blick auf den Haushalt mache ich zudem eine Forschungsperspektive für die Moderne nutzbar, die bisher nur für die Vormoderne beschrieben worden ist. Aus einer sozial- und migrationshistorischen sowie einer frauen- und geschlechtergeschichtlichen Perspektive beschreibe ich den Haushalt als Feld lokaler und globaler Arbeitsbeziehungen. Die Wahl eines längeren Untersuchungszeitraums, der über die vermeintliche Bruchstelle des Zweiten Weltkriegs hinausragt, ist eine weitere Voraussetzung für die kritische Befragung des bestehenden Forschungsnarratives.
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