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Visualisierte Beziehungen - Funktionen und Problemfelder. Eine repertoire-orientierte Untersuchung visueller und bildbezogener Kommunikation in Paar- und Freundschaftsdyaden in der Schweiz

English title Visualized relationships - social uses and conflicts. A repertoire-oriented study of visual and image-related communication between close friends and couples in Switzerland
Applicant Lobinger Katharina
Number 179484
Funding scheme Project funding
Research institution Istituto di tecnologie digitali per la comunicazione (ITDxC) Facoltà di comunicazione, cultura e società
Institution of higher education Università della Svizzera italiana - USI
Main discipline Communication sciences
Start/End 01.11.2018 - 30.11.2022
Approved amount 588'141.00
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Keywords (8)

qualitative Sozialforschung; Visuelle Kommunikation; Mediatisierung; Kommunikationsrepertoire; visuelle Verfahren; interpersonale Kommunikation; Visualisierung; Beziehungen

Lay Summary (German)

Lead
Fotografieren und das Verschicken oder Hochladen von Bildern ist für viele Menschen zu einer selbstverständlichen Alltagspraktik geworden. Ebenso wie man soziale Beziehungen heute nicht mehr verstehen kann, ohne Medien, Medieninhalte und medienvermittelter Kommunikation zu berücksichtigen, so kann man auch die Kommunikation in engen sozialen Beziehungen nicht mehr verstehen, ohne die Rolle von Bildern zu betrachten. Neue oder sich verändernde Medien- und Kommunikationspraktiken lösen oftmals Debatten über ihre potenziell negativen Auswirkungen auf soziale Beziehungen aus. In den vergangenen Jahren wurden insbesondere die Zunahme visueller Kommunikation und das Teilen von Bildern immer wieder kontrovers und sehr kritisch diskutiert. Kaum in den Blick genommen wurden dabei aber die tatsächlichen Verwendungskontexte und Bedeutungen von Bildern in sozialen Beziehungen.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts
Vor dem Hintergrund der zunehmenden Visualisierung öffentlicher und privater Kommunikationsumgebungen untersucht das Projekt die Rolle visueller Kommunikation im Alltag von Paar- und Freundschaftsbeziehungen in der Schweiz. Dazu werden insgesamt 30 Paar- und 60 Einzelinterviews in allen Schweizer Landesteilen durchgeführt. Die qualitativen Interviews werden durch den Einsatz verschiedener „kreativer“ visueller Verfahren (wie z. B. Netzwerkzeichnungen oder das Sprechen über persönlich bedeutsame Bilder und „typische“ visuelle Botschaften) unterstützt. Dabei sind die zentralen Forschungsziele,

  1. die Rolle und Bedeutung visueller und bildbezogener Praktiken und die mit ihnen verbundenen Funktionen, aber auch Problemfelder für die Beziehungen zu erforschen. 
  2. zu untersuchen, welche Regeln und Normen für die Kommunikation und den Umgang mit Bildern in den Beziehungen wie ausgehandelt und etabliert werden. 

Visuelle und bildbezogene Praktiken werden dabei im Kontext der „Kommunikationsrepertoires“ von Freunden und Paaren betrachtet. Zunächst wird untersucht, wie in der Beziehung überhaupt kommuniziert wird, wann und warum welche Medien genutzt werden, wann eher direkt von Angesicht zu Angesicht kommuniziert wird und wie dann welche Bilder in diese Kommunikationsrepertoires integriert werden. 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Durch das Ansetzen am Kommunikationsalltag in sozialen Beziehungen kann das Projekt eine differenzierte Einschätzung sowohl von Bedeutungen und Funktionen visueller Kommunikation für den Aufbau, die Festigung und den Erhalt oder die Koordination von Beziehungen, aber auch von möglichen Herausforderungen, Risiken und Problemfeldern leisten. Es können also Funktionen ebenso wie eventuelle Probleme der zunehmenden Visualisierung sozialer Beziehungen realistisch eingeschätzt und Lösungsansätze aufgezeigt werden.

Direct link to Lay Summary Last update: 21.10.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Abstract

Mit technologischen Veränderungen im Bereich der „vernetzten Fotografie“ und der zunehmenden Verbreitung von Photo-Sharing mittels mobiler und vernetzter Endgeräte verändern sich gegenwärtige Medienumgebungen und -praktiken. Den öffentlichen Diskurs zu diesen Veränderungen dominieren v.a. Befürchtungen hinsichtlich potenziell negativer Implikationen für soziale Beziehungen. Kritische Folgeszenarien werden dabei oftmals ohne einen differenzierten Blick auf die Verwendungskontexte und situativen Bedeutungen von visueller und bildbezogener Kommunikation in sozialen Beziehungen entworfen. Hierzu besteht auch in der Visuellen Kommunikationsforschung ein Forschungsdesiderat.Während sich bisherige Forschungen vor allem auf die Analyse bestimmter einzelner Kommunikationstechnologien und -plattformen oder bestimmter Bildmotive und -genres fokussiert haben, rückt das Projekt im Sinne einer nicht-medienzentrierten Mediennutzungs- und Medienaneignungsforschung die soziale Beziehung in den Mittelpunkt. Mit dem Projekt wird die erste repertoire-orientierte Studie vorgeschlagen, die explizit das Zusammenspiel visueller Kommunikation und visueller Kommunikationstechnologien in multimodalen Kommunikationsrepertoires enger sozialer Beziehungen in der Schweiz untersucht. Im Zentrum stehen Fragen nach der Rolle, den Funktionen und der Bedeutung visueller Kommunikation in Paar- und Freundschaftsbeziehungen ebenso wie nach damit verbundenen Problemfeldern, Regeln, Normen und Aushandlungsprozessen. Das methodische Design basiert auf einer in Vorstudien ausführlich erprobten Kombination aus qualitativen Paar- und Einzelinterviews. Diese werden als problemzentrierte, leitfadengestützte Interviews umgesetzt, die mit „kreativen“ visuellen Verfahren (z.B. Visual Elicitation, partizipative Netzwerkzeichnungen) ergänzt werden. Die Untersuchung fokussiert mit der Betrachtung von Dyaden die kleinste Einheit sozialer Beziehungen. Befragt werden 15 Paar- und 15 Freundschaftsdyaden, insgesamt werden 90 Interviews mit 60 Befragten (in Form von 30 „Paar“-Interviews und 60 Einzelinterviews) realisiert. In der Auswertung der im Projekt generierten visuellen und verbalen Daten werden Fallanalysen, in denen die Spezifika der Kommunikationsrepertoires der Dyaden im Fokus stehen, mit Analysen fallübergreifender Handlungs- und Sinnzuschreibungsstrukturen kombiniert. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalysen und qualitativ-quantitativer Bildtypenanalysen. Die theoretische und methodische Anlage des Projekts erlaubt eine differenzierte Einschätzung der Potenziale und (angenommenen) Risiken einer zunehmenden Mediatisierung und Visualisierung enger sozialer Beziehungen. Gerade indem die Betrachtung nicht ausschliesslich auf Risiken fokussiert, sondern am Kommunikationsalltag ansetzt, kann sie in der Fülle der akzeptierten, „adäquaten“ visuellen Praktiken und ihrer wichtigen sozialen Funktionen die für den Aufbau, die Festigung und den Erhalt sozialer Beziehungen tatsächlich problematischen Aspekte herausarbeiten und Lösungsansätze aufzeigen.
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