Project

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Der Klassenrat als kommunikative Praktik - ein gesprächsanalytischer Zugang

Applicant Hauser Stefan
Number 179220
Funding scheme Project funding
Research institution Zentrum Mündlichkeit Pädagogische Hochschule Zug Fachhochschule Zentralschweiz
Institution of higher education Pädagogische Hochschule Zug - PHZG
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.06.2018 - 31.05.2022
Approved amount 481'531.00
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All Disciplines (2)

Discipline
German and English languages and literature
Applied linguistics

Keywords (7)

Spracherwerb; Deutschdidaktik; Gesprächsanalyse; Multimodalität; Germanistische Linguistik; Partizipation; Unterrichtskommunikation

Lay Summary (German)

Lead
Der Klassenrat ist ein schulisches Interaktionsformat, das sich zum Ziel setzt, Schülerinnenund Schüler an Themen und an Entscheidungen teilhaben zu lassen, die für sie im schulischen Alltag wichtig sind. Nebst dem Postulat der Partizipation geht mit dem Klassenrat auch der Anspruch einher, eine Lerngelegenheit für den Erwerb sprachlicher Fähigkeiten (wie diskutieren, argumentieren etc.) und sozialer wie personaler Fähigkeiten (wie zuhören, gemeinsame Lösungen erarbeiten etc.) zu sein. In diesem Projekt besteht das Erkenntnisinteresse darin, die Art(en) der Beteiligung am Klassenrat aus einergesprächslinguistischen Perspektive zu erfassen, um aufbauend auf den empirischenBeobachtungen einen gesprächsdidaktischen Beitrag für den stufengerechten Einsatz und die Weiterentwicklung des Klassenrats formulieren zu können.
Lay summary
Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts
Sowohl im schulischen wie auch später im beruflichen Kontext ist es von grosser Bedeutung, sich an Diskussionen beteiligen zu können, unterschiedliche Standpunkte gegeneinander abwägen zu können, die Argumente anderer verstehen und adäquat mit eigenen Argumenten darauf reagieren zu können. Wie die Schule diesen Kompetenzbereich im Rahmen des Klassenrats fördert, wird im Projekt mit Hilfe von Filmaufnahmen beobachtet und mit gesprächslinguistischen Mitteln analysiert. Das Projekt zielt darauf ab, evidenzbasiertes Grundlagenwissen uber den Klassenrat zu liefern und im Bereich der Unterrichtskommunikation einen Beitrag zum Professionswissen von Lehrpersonen zu leisten, indem die empirischen Erkenntnisse mit didaktisch relevantem Handlungswissen verknupft
werden. Das Datenmaterial besteht einerseits aus 40 videographierten Klassenratssitzungen einer Klasse im Verlauf des funften und sechsten Schuljahres der Primarstufe und andererseits aus 14 Klassenratssitzungen von verschiedenen Klassen (von der 3. Primarstufe bis zur 3. Sekundarstufe je zwei Klassenratssitzungen auf jeder Klassenstufe).

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Wissen mit anderen diskutierend zu erarbeiten und abzugleichen und im gemeinsamen Gespräch Lösungen zu finden, die allen Beteiligten gerecht werden, ist in schulischen Kontexten und in alltäglichen Situationen eine oft gefragte Fähigkeit. Die Studie thematisiert einerseits, wie die Schule diesen gesellschaftlich höchst bedeutsamen Kompetenzbereich auf unterschiedlichen Klassenstufen fördert und andererseits formuliert sie auch Vorschläge zur
Weiterentwicklung dieses schulischen Interaktionsformats.
Direct link to Lay Summary Last update: 11.07.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
205590 Lehrpersonenhandeln im Klassenrat. Eine interaktionsanalytische Untersuchung 01.07.2021 Open Access Books

Abstract

1. Zusammenfassung des ForschungsplansDer Klassenrat ist ein ursprünglich in reformpädagogischen Bestrebungen gründendes Interaktionssetting, das heute an vielen Schweizer Schulen auf unterschiedlichen Stufen einen regelmässig praktizierten An-lass des klassenöffentlichen Austauschs bildet. In der bisherigen Forschung zum Klassenrat hat man sich vornehmlich mit Fragen der Partizipation als Teilhabe und Partizipation als Einflussmöglichkeit befasst, wobei der Fokus zumeist auf das Ausmass der Mitbestimmung gerichtet wurde. Im Unterschied dazu soll im hier beantragten Projekt nicht das Ausmass der Partizipation am Klassenrat zum Untersuchungsge-genstand gemacht werden; vielmehr besteht das Erkenntnisinteresse darin, die Art bzw. die Arten der Beteiligung am Klassenrat aus einer gesprächslinguistischen Perspektive präzise zu erfassen, denn letzt-lich ist der stufengerechte und zielführende Einsatz des Klassenrats - so eine These des beantragten Pro-jekts - auf genaue, gesprächslinguistisch fundierte Kenntnisse des interaktionalen Geschehens angewie-sen. Theoretisch verortet sich das hier beantragte Projekt einerseits in der Gesprächsanalyse und andererseits in der Schulspracherwerbsforschung. Das Projekt geht dabei von der Annahme aus, dass sich die interak-tive Organisation des sozialen Geschehens im Klassenrat nur dann umfassend verstehen lässt, wenn die Gesamtheit der kommunikativen Ressourcen berücksichtigt werden. Entsprechend fliessen auch Er-kenntnisse und Methoden der multimodalen und auf den Interaktionsraum bezogenen Analyse in das Forschungsdesign ein (vgl. dazu 2.1.). Das Projektvorhaben ist dem Prinzip der “ethnomethodologischen Indifferenz” verpflichtet, was bedeutet, dass der Klassenrat weder als ein (demokratiepädagogisches oder allgemeindidaktisches) Desiderat noch als ein ambivalentes und in sich widersprüchliches (weil instituti-onell überformtes) Interaktionsformat verstanden wird. Es sollen also weder vorgängig noch bei der Ana-lyse Annahmen über die Wünschbarkeit, die Normalität oder die Wahrheit der interaktiv hergestellten sozialen Realität getroffen werden; vielmehr ist es die Eigenlogik der Wirklichkeitskonstruktionen der Beteiligten selbst, die rekonstruiert werden soll. Das Projekt soll evidenzbasiertes Grundlagenwissen liefern für anwendungsorientierte Fragestellungen im Bereich der Unterrichtskommunikation und es zielt damit auch darauf ab, einen Beitrag zum Professionswissen von Lehrpersonen zu leisten. Das Datenmaterial kombiniert videographierte Klassenratssitzungen einer Längsschnitterhebung (alle Klassenratssitzungen einer Klasse im Laufe der fünften und sechsten Primarklasse) mit Klassenratssit-zungen einer querschnittlichen Erhebung (14 Klassenratssitzungen von 14 verschiedenen Klassen: von der 3. Primarklasse bis zur 3. Sekundarklasse je zwei Klassenratssitzungen auf jeder Klassenstufe. Die Aufnahmen werden an Primar- und Sekundarschulen im Kanton Zug gemacht.
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