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Experimentelles Entwerfen in der Nachkriegszeit - Der Beitrag von Heinz Isler (1926-2009) aus ingenieur- und kulturhistorischer Perspektive

English title Experimental Design in the Post-War Period - Heinz Isler's (1926-2009) Contribution in the Perspective of the History of Engineering and Culture
Applicant Stalder Laurent
Number 179095
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Geschichte und Theorie der Architektur (gta) D-ARCH - Departement Architektur ETH Zürich
Institution of higher education ETH Zurich - ETHZ
Main discipline Architecture and Social urban science
Start/End 01.10.2018 - 30.06.2022
Approved amount 948'381.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Architecture and Social urban science
Civil Engineering

Keywords (10)

2. Hälfte 20. Jahrhundert; Schalentragwerke; Ingenieurgeschichte; Bauwirtschaft; Architekturgeschichte; Heinz Isler; Formfindung (Form Finding); experimentelles Entwerfen; Kulturgeschichte; Hochkonjunktur

Lay Summary (German)

Lead
Heinz Isler (1926-2009) gehört zu den international renommiertesten Schweizer Ingenieuren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit seinen rund 1.400 Entwürfen und realisierten Bauten bewegte er sich an der Schnittstelle von Architektur und Bauingenieurwesen. Vor allem mit seinen dünnwandigen Betonschalen trug er massgeblich zur Entwicklung der Ingenieurbaukunst der zweiten Jahrhunderthälfte bei. Das Forschungsprojekt untersucht Islers Arbeit ausgehend von einem interdisziplinären Standpunkt aus und arbeitet sie erstmals umfassend aus ingenieur- und kulturhistorischer Perspektive auf.
Lay summary

Dem Forschungsprojekt liegen drei zentrale Thesen zu Grunde: Erstens die, dass experimentelle Methoden und insbesondere die Arbeit mit Modellen zentrale Bestandteile von Islers Entwurfs- und auch Ausführungsprozessen waren; zweitens, dass arbeitsorganisatorische und wirtschaftliche Bedingungen der Boomjahre nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidenden Einfluss auf Islers Arbeitsweise und Bauproduktion hatten; die dritte These ist, dass Bauingenieuren in den ersten Nachkriegsjahrzehnten eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von Architektur und Infrastrukturbauten zukam, die auch medial unter dem Paradigma des „Fortschritts“ vermittelt wurde.

Gestützt auf den umfangreichen Nachlassbestand Islers am gta Archiv der ETH Zürich arbeitet das Projekt dessen wichtigen Beitrag zu experimentgestützter Forschung und Baupraxis auf. Darüber hinaus wird der fachinterne und öffentliche Diskurs daraufhin untersucht, in welcher Art als „fortschrittlich“ angesehene Ingenieurbauten zwischen den Boomjahren und den Ölkrisen der 1970er Jahre medial vermittelt und wahrgenommen wurden, wann und weshalb eine fortschrittsoptimistische Konnotation kippte und welchen Veränderungen deren Präsentation und Rezeption unterlag. Damit können neue Erkenntnisse über fachinterne sowie öffentliche Diskurse in den Entwurfs- und Bauprozessen einer für das Gesicht der gebauten Umwelt noch heute prägenden Zeit gewonnen werden.

Direct link to Lay Summary Last update: 24.09.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
197338 Switzerland: A Technological Pastoral. The built and the territory 01.10.2021 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Mit seinen Bauten und Entwürfen bewegte sich Heinz Isler (1926-2009), einer der international renommiertesten Schweizer Ingenieure der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, an der Schnittstelle von Architektur und Bauingenieurwesen. Er hinterliess ein umfangreiches Œuvre; insbesondere mit seinen dünnwandigen Betonschalen trug er massgeblich zur Entwicklung der Ingenieurbaukunst in der zweiten Jahrhunderthälfte bei. Doch ebenso rasch, wie seine ersten Experimente zu dünnwandigen Schalen wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg breite bauliche Umsetzung fanden, sollten sie ab Ende der 1970er Jahre durch andere Bauformen und Konstruktionstypen ersetzt werden.Während Islers Werk bislang in der Regel monografisch untersucht und dessen Bauten isoliert betrachtet worden sind, nimmt das vorgeschlagene Forschungsvorhaben einen übergreifenden interdisziplinären Standpunkt ein und arbeitet Islers Beitrag erstmals umfassend aus ingenieur- und kulturhistorischer Perspektive auf. Dem Projekt liegen drei zentrale Thesen zu Grunde: Die erste ist, dass Islers dünnwandige Schalen eng mit experimentellen Methoden verflochten waren; die zweite, dass arbeitsorganisatorische und wirtschaftliche Bedingungen der Boomjahre nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidenden Einfluss auf seine Arbeitsweise und Bauproduktion hatten; die dritte These ist, dass Bauingenieuren in den ersten Nachkriegsjahrzehnten eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von Architektur und Infrastrukturbauten zukam, die auch medial vermittelt wurde.Aus bautechnikgeschichtlicher Perspektive untersucht das Projekt den breiten Experimentbegriff, auf den Isler seine Arbeit stützte und der seine innovativen Beiträge erst ermöglichte. Als umfassendes Entwurfswerkzeug, von der Formfindung über die Bemessung bis hin zu Aufbau und Abriss seiner Bauten, überführte er das Experiment konsistent in die Ingenieurpraxis. - Die für das Projekt wichtige kulturhistorische Problemstellung ist, dass die von Isler entwickelten Methoden und die Rolle des Ingenieurs als Gestalter von technischen, ökonomischen und kulturellen Vorstellungen von «Effizienz» geprägt waren. Ein eng mit «Innovation» gekoppelter Effizienzbegriff aber sollte im Lauf der 1970er Jahre in Frage gestellt werden, was zu grundlegenden Veränderungen in der Produktion und Rezeption von Ingenieurbauten führte. - Schliesslich wird angenommen, dass der Erfolg von Islers Schalen unter speziellen konjunkturellen Rahmenbedingungen in einem Zeitraum von rund drei Jahrzehnten möglich war. «Konjunktur» wird in einem engeren wirtschaftlichen sowie in einem weiteren ingenieurhistorischen und kulturellen Sinn verstanden, so dass sowohl ökonomische Faktoren als auch technisches Know-how und kulturelle Rahmenbedingungen, etwa fortschrittsoptimistische oder modernekritische Tendenzen, zu berücksichtigen sind.Gestützt auf die Materialien in Islers Nachlass am gta Archiv der ETH Zürich arbeitet das Forschungsvorhaben dessen paradigmatischen Beitrag zu experimentgestützter Forschung und Baupraxis in einer für das Gesicht der gebauten Umwelt noch heute prägenden Zeit auf. Ebenso wird der breitere fachinterne und öffentliche Diskurs daraufhin untersucht, wie als «innovativ» und «fortschrittlich» angesehene Ingenieurbauten am Schnittpunkt zur Architektur zwischen den Boomjahren und den Ölkrisen der 1970er Jahre wahrgenommen wurden und welchen Veränderungen deren Präsentation und Rezeption unterlag. Im Rahmen des Projekts werden zwei Dissertationen verfasst. Die Ergebnisse sollen in einer Publikation veröffentlicht werden.
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