Project

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Die «gute Familie». Aushandlung und Wandel familiärer Normalität zwischen Schule, Fürsorge und Beratung in der Schweiz nach 1950

English title The “good family”. Negotiations of familial normality and its vicissitudes in school, welfare and counselling in Switzerland after 1950
Applicant Bühler Caroline
Number 177391
Funding scheme NRP 76 Welfare and coercion
Research institution Institut Primarstufe PHBern
Institution of higher education Pädagogische Hochschule Bern - PHBern
Main discipline Sociology
Start/End 01.09.2018 - 31.03.2023
Approved amount 597'215.00
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All Disciplines (4)

Discipline
Sociology
Education and learning sciences, subject-specific education
Swiss history
Ethnology

Keywords (6)

The "long" 1970s; Foster care; "Good" parenting; Family; State institutions; Discourse analysis

Lay Summary (German)

Lead
Wann intervenieren Schule und Fürsorge zwischen 1950 und 1980 in eine Familie und ergreifen die Massnahme der Fremdplatzierung - und wann nicht? Welche Familien gelten als «normal» und «gut», welche als defizitär und «schlecht»? Wie sieht die neue sozialpädagogische Betreuung aus?
Lay summary

Projektbeschrieb
Das Ende des Nachkriegsbooms ist von sozialen und kulturellen Umbrüchen gekennzeichnet, die sich in der Fürsorge- und Sozialpolitik der «langen» 1970er Jahre manifestieren. Die Therapeutisierung und Psychiatrisierung des Alltags wirken sich auf den Umgang mit Familie aus. Staatliche Interventionen führen nun über Beratungsinstitutionen. Doch welche Kriterien spielen für die behördliche Politik eine Rolle? Das Projekt rekonstruiert die damaligen Aushandlungen von Deutungsmustern zur Familie im reformierten Bern und im katholischen Tessin. Der Vergleich soll erkenntnisfördernde die Kontraste der politisch-sozialen, ökonomischen, konfessionellen und sprachlichen Diversitäten der schulischen Familienpolitik aufzeigen. Zum analysiert das Projekt Archivdokumente, zum andern erschliesst es die Betroffenenperspektive via biografischer Video-Interviews.

Hintergrund

Die Familie ist ein Ort des Aufwachsens, aber auch ein Lebensbereich, welcher der normativen Begutachtung ausgesetzt ist. Das Projekt untersucht die Analyse gesellschaftlicher Kategorisierungen und Deutungsmuster und deren Auswirkungen auf die behördlichen Politiken im Umgang mit problematisierten Familien. In der Schule spielen «bürgerliche» Normalitätsvorstellungen bei der Kategorisierung der Schulkinder eine tragende Rolle. Sie prägen die Identifizierung von «abweichenden» und «verhaltensauffälligen» Kindern durch Lehrpersonen massgeblich mit.

Ziel
Die heutigen Ausbildungsgänge von Lehrpersonen legen auf eine reflexive Professionalität Wert. Das Projekt regt angehende Lehrpersonen dazu an, die eigenen Kindheits-, Familien- und Elternbilder zu hinterfragen, und trägt zur Sensibilisierung für stereo­typisierende und diskriminierende Kategorisierungen bei. Schule, Behörden und Familie sollen sich die Verantwortung für die Erziehung der Kinder teilen, ohne Familien abzuwerten oder zu idealisieren.

Bedeutung
Die Erkenntnisse der histo­rischen Entwicklung und Veränderung von Deutungen und Kategorisierungen der Familie leisten einen Beitrag zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für unterschiedliche Familienformen, für die versteckte Normativität von Fremdplatzierungen, für die Ambivalenz von Hilfe und Fürsorge. Die Videodokumente tragen dazu bei, Raum für die Sicht der Betroffenen und ihre Erinnerungen an die «Zugriffe» von Schule und Behörden zu schaffen.

Direct link to Lay Summary Last update: 24.08.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Colloque du Laboratoire des études des processus sociaux Talk given at a conference Vers une approche réfléchie dans l’analyse des catégorisations ? Projet de thèse et discussion concernant l’analyse des processus de catégorisation 07.05.2020 University of Neuchâtel, Switzerland Ducommun Mira;
Interdisciplinary Research Day and Workshop on Social Marginality and Banishment Talk given at a conference Exploring Continuities in Identifying, Monitoring and Disciplining ‘Deviant’ Behavior in Switzerland: From Family Politics in the 70s to ‘Integration’ Measures Today 22.01.2020 Université de Neuchâtel, Switzerland Ducommun Mira;


Knowledge transfer events



Self-organised

Title Date Place
Projektgruppe für Bachelorarbeiten 01.08.2019 Institut Vorschulstufe und Primarstufe, PHBern, Switzerland

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
199877 Behördlich kategorisiert, verwaltet und «platziert». Fremdplatzierungsprozesse in den Kantonen Bern und Tessin, 1960 bis 1980 01.08.2021 Doc.CH

Abstract

The present research proposal focuses on the family as a place of growing up and as a sphere of life that is exposed to the scrutiny and the normative assessment of community and society. By means of the discourse analysis of historical sources from two cantons and the reconstruction of interviews with those affected by coercive measures, we aim in particular to investigate the role of schools, teachers and educational counselling in decision-making processes of the relevant authorities. By making visible the systemic processes and categories applied to those families that are either “accepted” or “problematised”, the influence of such decision-making patterns and stigmatisations can be questioned and the results integrated into practices of professional training today.
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