Project

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Europas liebste Diktaturen. Autoritäre Regime, Tourismuspolitik und der „freie Westen“, 1945-1975

English title Europe’s Favourite Dictatorships: Southern Authoritarianism, Tourism and the “Free West,“ 1945-1975
Applicant Hertel Patricia
Number 171484
Funding scheme Return CH Advanced Postdoc.Mobility
Research institution Departement Geschichte Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.09.2017 - 31.01.2018
Approved amount 44'164.00
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All Disciplines (2)

Discipline
General history (without pre-and early history)
Swiss history

Keywords (10)

European History; Transnational History; Tourism ; Iberian Peninsula; Dictatorship; International Organisations; Cultural History; Cold War; Spain; Portugal

Lay Summary (German)

Lead
Das Forschungsprojekt untersucht Tourismuspolitik zwischen Demokratien und Diktaturen in Westeuropa als Teil einer Kulturgeschichte der internationalen Beziehungen in den Nachkriegsjahrzehnten.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekt

Das Ende des Zweiten Weltkriegs war nicht das Ende der Diktaturen in Westeuropa. Die autoritären Regime in Spanien und Portugal erschienen ihren westlichen Nachbarn nach 1945 einerseits als Relikte des überwundenen Faschismus. Andererseits waren sie aufgrund geostrategischer Interessen und dem gemeinsamen Feindbild des Kommunismus willkommene Partner und wurden in der politischen Rhetorik der Zeit häufig zum „freien Westen“ gezählt. Gleichzeitig schuf der entstehende Massentourismus in den Süden ein neues Beziehungsfeld. Tourismus bewegte Millionen an Menschen und Kapital. An seinem Funktionieren waren Herkunfts- und Zielländer der Touristen sowie staatliche und privatwirtschaftliche Akteure interessiert.

Das Forschungsprojekt analysiert Tourismus aus den westeuropäischen Demokratien in die westeuropäischen Diktaturen Spanien und Portugal vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Zusammenbruch der Regimes 1974/75 als wichtigem Faktor in dieser komplexen Beziehungsgeschichte. Es zeigt auf, wie Tourismuspolitiker aus Diktaturen und Demokratien nicht nur den Tourismus förderten, sondern gleichzeitig damit auch die politische Distanz zwischen Demokratien und Diktaturen in Westeuropa verringerten. Dies geschah mit Hilfe wirtschaftlicher Kooperationen, mit Legitimierungen der Diktaturen durch touristische Stereotype und mit dem Postulat, Tourismus sei etwas „Unpolitisches“. Diese Tourismuspolitik trug dazu bei, dass die Diktaturen der Iberischen Halbinsel zu „Europas liebsten Diktaturen“ wurden.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Mit einer transnational angelegten Kulturgeschichte der Tourismuspolitik möchte das Projekt einen neuen Blick auf das Verhältnis von Demokratie und Diktatur innerhalb Westeuropas nach 1945 ermöglichen. Es soll damit einen Beitrag zu Spannungen und Widersprüchen von Demokratievorstellungen in den westeuropäischen Nachkriegsgesellschaften leisten.

 

 
Direct link to Lay Summary Last update: 09.06.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
¿Privado o público? La dimensión política del turismo a España en los años 60 y 70
Hertel Patricia, ¿Privado o público? La dimensión política del turismo a España en los años 60 y 70, in Villaverde Jorge (ed.), Institucio Alfons el Magnanim-CSIC, Valencia.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Forschungskolloquium zur Geschichte der vormodernen und modernen Welt, Universität Luzern Individual talk Europas liebste Diktaturen. Autoritäre Regime, Tourismuspolitik und der « freie Westen », 1945 – 1975. 20.02.2018 Universität Luzern, Switzerland Hertel Patricia;


Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved
Homenaje Willy Brandt Talk 27.10.2017 Morro Jable, Fuerteventura, Spain Hertel Patricia;


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Talks/events/exhibitions De vacaciones bajo una dictadura. El viaje de Willy Brandt a Fuerteventura y la dimensión política d International 2017

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
158422 Europas liebste Diktaturen. Autoritäre Regime, Tourismuspolitik und der „freie Westen“, 1945-1975 01.09.2015 Advanced Postdoc.Mobility

Abstract

In der internationalen historischen Forschung zum Verhältnis von Diktaturen und Demokratien in Europa sind zwei Schwerpunkte sichtbar: einerseits der Diktaturaufbau in der Zwischenkriegszeit, andererseits der Ost-West-Gegensatz nach 1945. Weniger Beachtung hat das komplexe Verhältnis zwischen Demokratien und Diktaturen innerhalb Westeuropas erfahren: Die autoritären Regime in Spanien und Portugal galten ihren westlichen Nachbarn einerseits als Relikte des Faschismus der 1930er-Jahre, andererseits wurden sie aufgrund geostrategischer Interessen und ihres Antikommunismus zum westlichen Bündnislager gezählt. Die historische Forschung hat dieses ambivalente Verhältnis insbesondere in politik- und ideengeschichtlichen Studien zu diplomatischen Beziehungen und antikommunistischen Netzwerken im Kalten Krieg herausgearbeitet. Demgegenüber nimmt das Forschungsprojekt einen Aspekt in den Blick, der in den Nachkriegsjahrzehnten eine enorme Relevanz für Wirtschaft und Gesellschaft erlangte: den westeuropäischen Tourismus nach Spanien und Portugal. Mit einer transnational angelegten Kulturgeschichte der Tourismuspolitik analysiert das Projekt die Beziehungen zwischen Demokratien und Diktaturen in Westeuropa und fragt nach dem Einfluss und den Auswirkungen von Tourismuspolitik auf dieses Verhältnis. Im Zentrum der Untersuchung stehen Tourismusexperten aus den Herkunftsländern der Touristen, mit Schwerpunkt auf Grossbritannien, Westdeutschland und der Schweiz, und den Zielländern Spanien und Portugal. Tourismuspolitik schuf, so die These des Projekts, einen scheinbar politisch „neutralen“ Raum von Kontakt, Zusammenarbeit und Abhängigkeiten. Tourismus insgesamt verlief aber nicht nur reibungsfrei: Während Tourismuspolitik insbesondere in den 1950er-Jahren zur Ausblendung von potentiellen Konflikten diente und gute Kontakte mit den Diktaturen förderte, war Tourismus ab den 1960er-Jahren im Rahmen eines steigenden Protests gegen die Diktaturen gesellschaftlicher Kritik ausgesetzt; Mitte der 1970er-Jahre bedeutete das politische Ende der Diktaturen auch eine touristische Zäsur. In einem grösseren Kontext gibt das Projekt Aufschluss über wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Differenzen innerhalb des sogenannten „freien Westens“ sowie über sich wandelnde Vorstellungen von Demokratie und Diktatur in der westeuropäischen Nachkriegsgeschichte.
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