Project

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"Moleküle jagen" - Eine wissenschaftsphilosophische Studie zur pharmazeutischen Forschung in der industriellen Arzneimittelentwicklung

English title "Chasing Molecules" - A Philosophical Study of Pharmaceutical Research in Industrial Drug Discovery
Applicant Baier Sabine
Number 167581
Funding scheme Advanced Postdoc.Mobility
Research institution Department of Economic History London School of Economics
Institution of higher education Institution abroad - IACH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.05.2017 - 30.04.2019
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Keywords (13)

early drug design; Philosophie der Pharmazie; Wissenschaftsphilosophie; Heuristik; Laborstudie; early molecular discovery; industrielle Arzneimittelherstellung; Innovation; Narrative; Wissenskultur; Epistemic cultures; philosophy of pharmaceutical sciences; philosophy of science

Lay Summary (German)

Lead
Seit Beginn des 20ten Jahrhunderts arbeitet die industrielle Arzneimittelforschung an der Entdeckung neuer, vielversprechender Wirkstoffe mithilfe des sogenannten "targeting" - eine Art biochemischer Schlüssel-Schloss-Prinzip. Doch in den letzten 50 Jahren ist die Anzahl neu zugelassener Wirkstoffe kontinuierlich rückläufig bei einer gleichzeitigen Zunahme der Entwicklungskosten pro Medikament. Ziel des Projekts ist eine Öffnung der bis dato ausschliessliche aus technisch-ökonomischer Perspektive geführten Debatte, hin zu einer philosophischen Betrachtungsweise, die den Prozess der Arzneimittelherstellung vor allem als kreative Praxis versteht.
Lay summary

Nach wie vor wird die industrielle Arzneimittelsuche ausschliesslich als technisch-ökonomisches Problem betrachtet. Diese Eigenperspektive der pharmazeutischen Industrie übersieht jedoch, dass die Suche nach neuen Wirkstoffen nicht nur von technisch-ökonomischen Fragestellungen abhängt. Betrachtet man den Prozess der Arzneimittelentdeckung aus einer philosophischen Perspektive, so wird deutlich, dass dieser Prozess auch als kreative Praxis zu verstehen ist, der von Individuen - den Laborleitern - getragen wird.

Darum gilt es aus einer philosophischen Perspektive herauszufinden, wie diese Individuen ihre Entscheidungen im Labor treffen und nach welchen Kriterien. Diese Entscheidungen werden unter hoher Unsicherheit getroffen, so dass die Laborleiter auf kreative, narrative Strategien zurückgreifen müssen, um ihre Handlungen sowohl anzuleiten als auch, um sie gegenüber ihren Vorgesetzten zu rechtfertigen.

Das Ziel des Projekts besteht erstens in der Identifikation dieser kreativen, narrativen Strategien der Laborleiter, so dass ein besseres und erweitertes Verständnis der Arzneimittelherstellung gezeichnet werden kann als bisher. In einem zweiten Schritt sollen dann diese Erkenntnisse in einer breiteren wissenschaftsphilosophischen Debatte über anwendungsorientierte Forschung kontextualisiert werden, um das bestehende Klischee der vermeintlich umkreativen, anwendungsorientierten Forschung hin zu einem komplexeren Bild zu überwinden. 

Insbesondere für die Schweizer Wirtschaft ist die Frage nach einer adäquaten Beschreibung der pharmazeutischen Forschung von zentraler Bedeutung, da jeder dritte im Ausland verdiente Franken auf die Pharmaindustrie zurück zu führen ist und es nicht zuletzt, um die Sicherung einer zukunftsfähigen und innovativen Arzneimittelforschung geht.

 

 

Direct link to Lay Summary Last update: 06.04.2017

Responsible applicant and co-applicants

Publications

Publication
Industrial Drug Discovery - Narratives As Navigation Tools
BaierSabine, Industrial Drug Discovery - Narratives As Navigation Tools, in Paskins Mat (ed.), n.n., London, n.n.-n.n..
Managing Epistemic Distances – Narratives As Navigation Tools In Industrial Drug Discovery
BaierSabine, Managing Epistemic Distances – Narratives As Navigation Tools In Industrial Drug Discovery, LSE Working Paper Series, London.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
GWP 2019 Talk given at a conference Discovery Narratives: Managing epistemic distances in drug discovery 25.02.2019 Köln, Germany Baier Sabine;
Forschungskolloquium Institut für Philosophie Bern Individual talk How Many Molecules Does It Take To Find a Drug? Managing Epistemic Distances In Medicinal Chemistry 19.12.2018 Bern, Switzerland Baier Sabine;
LSE Narrative Science Project Seminar Series Individual talk How many Molecules does it take to make a drug? Managing Epistemic Distances In Industrial Drug Discovery 04.12.2018 London, Great Britain and Northern Ireland Baier Sabine;
Philosophy of Science Association Seattle Poster DEVELOPING A PHILOSOPHY OF NARRATIVE IN SCIENCE 01.11.2018 Seattle, United States of America Baier Sabine;
Eurias Workshop Knowledge and the Management of Ignorance Collegium Helveticum Zürich, 7.-9. Juni 2018 Talk given at a conference IGNORANZ UND NÄHE – ZUR EPISTEMOLOGISCHEN ROLLE VON NARRATIVEN 07.06.2018 Zürich, Switzerland Baier Sabine;
Pedagogy Session Centre for Medical Humanities and the Social Sciences Individual talk Beitrag über eigene Lehrerfahrung, kein Titel 05.12.2017 Baltimore, United States of America Baier Sabine;
gemeinsames Forschungskolloquium des Instituts für Geschichte der Medizin sowie des Instituts für Geschichte der Wissenschaften und Technologie an Johns Hopkins University Individual talk Hunting Down Molecules - Creative Storytelling in Drug Discovery 07.11.2017 Baltimore, United States of America Baier Sabine;


Self-organised

Title Date Place
International Workshop "Narratives as Navigation Tools" 22.03.2019 Royal Institution London, Great Britain and Northern Ireland

Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved
Engaged Scholarship, Learning Through Health Activism. Workshop 13.02.2018 Baltimore, United States of America Baier Sabine;
Life Sentences - A Conference on Incarceration and the Humanities Workshop 09.11.2017 Baltimore, United States of America Baier Sabine;
Media Medica Workshop 27.10.2017 Baltimore, JHU, United States of America Baier Sabine;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
186632 "Moleküle jagen" - Eine wissenschaftsphilosophische Studie zur pharmazeutischen Forschung in der industriellen Arzneimittelentwicklung 01.07.2019 Return CH Postdoc.Mobility

Abstract

Bei dem vorliegenden Projekt handelt es sich um eine wissenschaftsphilosophische Studie zur pharmazeutischen Forschung in der industriellen Arzneimittelentwicklung, ausgehend vom Beispiel des early molecular discovery. Ich unterscheide in dem Projekt zwischen der technischen sowie der philosophischen Perspektive auf den Prozess der Arzneimittelentwicklung: Die Pharmaindustrie versteht den Prozess der Entwicklung neuer Wirkstoffe in ihrer Eigenperspektive als rein technische Problemlösung, bei dem es um Optimierung und Effizienzsteigerung geht. Aus einer philosophischen Perspektive geht es hingegen darum, die Arzneimittelentwicklung als kreative Praxis im Rahmen einer pharmazeutischen Wissenskultur zu analysieren. Da es in der Arzneimittelentwicklung keine allgemeine Theorie des early molecular discovery gibt, sind die Laborleiter in diesem Bereich auf Heuristiken zur Deutung und Lenkung ihrer kreativen Tätigkeit im Labor angewiesen, die - so die Grundthese des Projekts - eine intermediäre Rolle zwischen implizitem Erfahrungswissen und einer nicht vorhandenen Theoriebildung einnehmen und dementsprechend handlungsleitend sind. Laborleiter benutzen insbesondere Narrative, um diese Heuristiken zu artikulieren, ihre Arbeit zu beschreiben; aber auch, um mithilfe dieser Narrative Entscheidungen treffen zu können, etwa welches Molekül weiterverfolgt werden soll und welches nicht. Ziel des Projekts ist es ausgehend von einer typologischen Betrachtung narrativer Figurationen bzw. narrativ strukturierter Heuristiken in der Wissenskultur des early molecular discovery sowie einer breiteren epistemologischen und historischen Kontextualisierung, die Grundlagen zu einer Wissenschaftsphilosophie der Praxis pharmazeutischer Forschung in der industriellen Arzneimittelentwicklung zu erarbeiten. Konkret unterteilt sich das Projekt in zwei Phasen: eine empirisch-beobachtende Phase, in der qualitative Feldstudien bei Hoffmann-La Roche (Basel) und Novartis (Basel) durchgeführt werden, sowie eine daran anschliessende theoretisch-reflexive Phase zur Auswertung der gewonnenen Beobachtungsdaten und deren weitere Kontextualisierung. Das Projekt steht in der pragmatistisch-prozessphilosophischen Tradition der Science & Technology Studies (STS) sowie der neueren experimentellen Philosophie. Da ich bereits eine Anschubfinanzierung der OPO-Stiftung in Zürich einholen konnte, wird die empirisch-beobachtende Phase zum geplanten Gesuchsantritt bereits abgeschlossen sein, so dass während des SNF-Stipendiums vor allem die Auswertung und theoretische Reflexion der Daten geplant ist. Sowohl Roche als auch Novartis haben mir bereits Zugang zu ihren Laboratorien und Projektdaten gewährt und in Vorstudien erste Interviews mit Laborleitern ermöglicht. Dieser aussergewöhnliche Zugang bietet der Wissenschaftsphilosophie eine einzigartige Gelegenheit, Einblick in die gegenwartsnahe und auch laufende Praxis der industriellen Arzneimittelentwicklung zu erhalten.
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